Emissionsfreier WarentransportDHL lässt Pakete über den Atlantik segeln

Pascal Schürmann

 · 25.06.2026

Emissionsfreier Warentransport: DHL lässt Pakete über den Atlantik segelnFoto: vela-transport.com
Mit diesem Trimaran soll ab kommendem Jahr Fracht nach Amerika transportiert werden. DHL sorgt dabei für die damit einhergehenden Logistikdienste
Das Logistikunternehmen DHL kooperiert mit dem französischen Unternehmen Vela, um Fracht künftig emissionsarm per Segelschiff über den Atlantik zu transportieren. 67 Meter lange Trimarane sollen ab Anfang 2027 zwischen Caen-Ouistreham und New Haven verkehren. Die Überfahrt dauert rund 15 Tage, pro Fahrt können 600 Europaletten geladen werden.

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Der französische Ableger des deutschen Logistikkonzerns, DHL Global Forwarding France, hat eine strategische Partnerschaft mit dem französischen Reederei-Startup Vela geschlossen. Ab Anfang 2027 will man Fracht auf Cargo-Trimaranen nahezu emissionsfrei über den Atlantik transportieren. Die Route verbindet Caen-Ouistreham in der Normandie mit New Haven im US-Bundesstaat Connecticut.

Jedes der 67 Meter langen Schiffe fasst 600 Europaletten oder 415 Tonnen Fracht. Die Überfahrt ist mit 15 Tagen von Hafen zu Hafen veranschlagt – konventionelle Containerschiffe benötigen etwa neun Tage, Luftfracht nur acht Stunden.

Frachtsegel-Projekte boomen. Was so alles geplant ist:

Vela gibt an, die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu Luftfracht um bis zu 99 Prozent und gegenüber konventioneller Seefracht um bis zu 90 Prozent zu reduzieren. Den Angebot möchte man insbesondere an Unternehmen aus den Bereichen Pharma, Luxusgüter, Kosmetik, Luftfahrt sowie Wein und Spirituosen richten.

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Wind als Hauptantrieb auf See

Die Vela-Trimarane nutzen während der Transatlantikpassage den Wind als primäre Antriebsquelle. An Bord sorgt zudem ein spezielles Kühlsystem dafür, dass verderbliche Güter den Transport unbeschadet überstehen. Die Kühlung soll hauptsächlich mittels bordeigener erneuerbarer Energiequellen betrieben werden.

Die Schifffahrt macht etwa 90 Prozent des Welthandels aus und verursacht knapp drei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen, 13 Prozent der Schwefel- und 30 Prozent der Stickoxidemissionen. Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation hat 2023 das Ziel ausgegeben, dass Schiffe 2050 klimaneutral sein müssen.

In Häfen müssen die Schiffe die üblichen maritimen Vorschriften erfüllen, sprich, unter Maschine manövrieren. Dazu soll primär aus Solarpaneelen und Hydrogeneratoren gewonnener und in Akkus gespeicherter Strom genutzt werden. Marinediesel dient als Backup. Im Übrigen hat man bei der Konstruktion auf Ballasttanks verzichtet, auch um Umweltrisiken, die von invasiven Arten ausgehen, zu eliminieren.

„Indem wir die 100 Prozent windangetriebenen Fracht-Trimarane von Vela mit der erstklassigen Logistik und Zollkompetenz von DHL kombinieren, bieten wir eine Alternative, die darauf ausgelegt ist, die Emissionen im Transportwesen drastisch zu senken, ohne Abstriche bei Sicherheit, Zuverlässigkeit oder Qualität zu machen", erklärt das Unternehmen. DHL übernimmt die Transportorganisation, den Vor- und Nachlauf, die Zollabwicklung, die Lagerung und weitere Logistikdienstleistungen. Vela steuert die maritime Lösung bei.

Sekundäre Häfen statt Mega-Umschlagplätze

Die Route nutzt bewusst sekundäre Häfen statt großer Hubs. Caen-Ouistreham und New Haven liegen abseits der Hauptverkehrsströme. Dies reduziere Staus, minimiere Umschlagvorgänge und stärke die operative Kontrolle. Die Häfen sind ISPS-zertifiziert und auf hochwertige Güter spezialisiert. Für anspruchsvolle Kunden stünden erweiterte Sicherheitsoptionen und Rückverfolgbarkeit auf Palettenebene zur Verfügung.

Laurent Terreyre, CEO von DHL Global Forwarding France, sagt: „Als führender Akteur in der globalen Logistikbranche ist DHL bestrebt, die Dekarbonisierung des Transports zu unterstützen und das Angebot für seine Kunden zu erweitern. Diese Partnerschaft mit Vela stellt einen konkreten Schritt in diese Richtung dar und ermöglicht es uns, eine dedizierte, lokal verankerte windgetriebene Versandoption in unser Kundenangebot zu integrieren."

Trimaran-Design ausgelegt auf Geschwindigkeit

Der Vela-Trimaran ist 67 Meter lang und 25 Meter breit. Die zwei Masten ragen 61 Meter in die Höhe, damit ist das Boot ausgelegt für die Durchfahrt unter New Yorks Brücken. Die durchschnittliche Geschwindigkeit liegt bei 14 Knoten auf der Transatlantikroute. Die Segelfläche umfasst 623 Quadratmeter. Zur Stromerzeugung dienen 240 Quadratmeter Solarpaneels und zwei Hydrogeneratoren.

Für einen Trimaran habe man sich entschieden, da Mehrrumpfer einen geringeren Tiefgang und damit auch einen geringeren Wasserwiderstand als Einrumpfschiffe aufwiesen. Die Besegelung als Zweimaster teile die Segelfläche auf, was deren Handhabung vereinfache. Das Aluminiumdesign halte das Bootsgewicht niedrig und ermögliche eine höhere Geschwindigkeit.

Expertise aus dem Offshore-Racing

Vela wurde von fünf Gründern ins Leben gerufen, darunter François Gabart. Der Profisegler gewann die Vendée Globe 2012/2013. Das Design der Trimarane entstand in Zusammenarbeit mit VPLP und MerConcept, führenden Spezialisten im Offshore-Racing.

Die aktuelle Ölpreisentwicklung macht den kostenlosen Windantrieb zusätzlich attraktiv. Andere Konzepte nutzen Kites, Starrsegel oder Flettner-Rotoren, allerdings meist als Hilfsantriebe. Vela setzt auf den Wind als primäre Antriebsquelle.

Die Trimarane werden den Atlantik nicht auf kürzestem Weg überqueren, sondern abhängig von den jeweiligen Windverhältnissen wird die Route immer wieder variieren. Das dafür erforderliche Echtzeit-Wetterrouting nimmt das Vela-Team in Partnerschaft mit MerConcept vor.

Flottenerweiterung bis 2028

Der erste Vela-Trimaran für DHL soll Anfang 2027 den Frachtdienst aufnehmen. Ein Jahr später sollen dann bereits fünf Schiffe auf der Transatlantikroute pendeln und wöchentliche Abfahrten ermöglichen. Die Zielkapazität liegt bei 48.000 Tonnen Fracht pro Jahr.

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Pascal Schürmann

Pascal Schürmann

Textchef YACHT

Pascal Schürmann hat 2001 bei der YACHT in Hamburg als Textchef angeheuert. Den Umgang mit Pinne und Schot lernte er als Jugendlicher in der Wanderjolle auf dem Sneeker Meer sowie auf dem Dickschiff auf dem IJsselmeer. Während und nach dem Studium folgten Törns auf der Ostsee und im Mittelmeer. Als gelernter Wirtschaftsjournalist kümmert er sich zudem um Bootsfinanzierungs- und Yachtversicherungsberichte, hegt aber auch ein Faible für Blauwasserthemen.

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