Nach sieben Jahren Entwicklung und drei Jahren Bauzeit hat die Werft Vitters in den Niederlanden „Zero“ vom Stapel gelassen. Das 68,91 Meter lange Schiff soll im Betrieb ohne fossile Brennstoffe auskommen. Die gesamte Energieversorgung basiert auf regenerativen Quellen. An Bord fehlen Notfallgenerator oder Range Extender auf Verbrenner-Basis. Das Projekt begann 2019 als Konzeptstudie. Vripack zeichnete für Außen- und Innendesign verantwortlich, Dykstra Naval Architects für Rumpfform und Segelplan.
Der Alu-Kasko entstand ab 2023 bei Jacht- en Scheepswerf Gouwerok. Anschließend transportierte ein Ponton den Rumpf zur Vitters-Werft nach Zwartsluis. Dort erfolgte die Ausrüstung und der Ausbau mit Unterstützung verschiedener Zulieferer. Am 6. Juli 2026 verließ „Zero“ die Halle. Ein weiterer Ponton brachte sie nach Harlingen zum technischen Stapellauf. Dort werden die Carbo-Link-Masten im Panamax-Maß gestellt.
Die imposante Ketsch verfügt über ein 250-Kilowatt-Hydrogeneration-System. Beim Segeln erzeugen Generatoren unter dem Rumpf elektrische Energie aus der Fahrt durchs Wasser. Hybride Photovoltaik-Thermal-Paneele liefern an Deck zusätzlich Strom und Wärme. Die sogenannten atmenden Masten integrieren weitere technische Komponenten zur Energiegewinnung. Ein Mikro-Grid verteilt die Energie im Schiff.
Die Batteriekapazität beträgt 5,2 Megawattstunden bei einem Gewicht von 28 Tonnen. Spezielle Steuerungssoftware regelt Energiespeicherung und -verteilung. Das System soll die Yacht auch bei Flaute mit Strom versorgen. Wie lange die Batterien ohne Nachladung reichen, wird sich in den Erprobungsfahrten zeigen. Die „Zero“-Konstrukteure haben Effizienz in allen Bereichen priorisiert.
Die Verdrängung rangiert bei 456 Tonnen, das Innenraumvolumen beträgt 494 Gross Tons. Die Breite misst 11,11 Meter, und ein Liftkiel ermöglicht Tiefgänge zwischen 4,22 und 8,4 Metern. Die Segelfläche erreicht am Wind 1.912 Quadratmeter, wobei die Ketsch-Takelung die Höhe des Hauptmastes auf 62,5 Meter reduziert. Das erlaubt „Zero“, den Panamakanal zu passieren.
Der Rumpf trägt einen Anstrich in Palma Blue. Auf den Decks liegt mit Tesumo ein Teakholz-Ersatz. Die Formgebung von „Zero“ orientiert sich an klassischen Segelyachten mit langen Überhängen, kombiniert mit zeitgenössischen Details wie modern gestalteten Dorade-Lüftern.
Alle technischen Lösungen werden über die Non-Profit-Plattform Foundationº veröffentlicht. Die Webseite macht Forschungsdaten, Software-Code und Systemschemata zugänglich. Andere Werften und Entwickler können die Technologien nutzen und weiterentwickeln. Foundationº dokumentiert das Projekt, habe aber keine Eigentumsbeteiligung am Schiff.
Die Daten aus den Erprobungsfahrten fließen kontinuierlich in die Plattform ein. Interessierte können sich für einen Newsletter anmelden. Die Plattform deckt neben maritimen auch urbane und ländliche Projekte zu erneuerbaren Energien ab. Der offene Zugang soll Innovationen in der gesamten Branche beschleunigen.
Nach dem Stapellauf beginnt eine intensive Testphase auf See. Eine Vielzahl von Systemen muss unter realen Bedingungen validiert werden. Erste Messdaten zur Energieerzeugung und zum Verbrauch werden gesammelt, die Hydrogeneration wird bei verschiedenen Geschwindigkeiten und Seezuständen getestet. Auch die Photovoltaikanlage muss ihre Leistung unter wechselnden Wetterbedingungen beweisen.
Das Energiemanagement-System durchläuft verschiedene Lastszenarien, und die Batterien werden auf Ladezyklen und Kapazität geprüft. Die Steuerungssoftware muss die Balance zwischen Erzeugung, Speicherung und Verbrauch optimieren. Erst nach dieser Phase lässt sich beurteilen, ob das Konzept aufgeht.

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV
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