“Zero” entsteht bei Vitters in den Niederlanden als Versuchsträger für einen vollelektrischen Supersegler. Das niederländische Studio Vripack zeichnet für Innen- und Außengestaltung verantwortlich, Dykstra Naval Architects liefert den technischen Entwurf. Die Eigner wollten zwei Wochen autark segeln können, ohne Diesel zu verbrennen. Daraus entwickelte sich ein Konzept, das Energie erzeugt statt nur zu verbrauchen. Der Stapellauf ist für Sommer 2026 geplant.
Das Bordnetz arbeitet mit 700 Volt Gleichstrom. Turbinenpropeller erzeugen während der Fahrt Strom durch Wasserkraft. Die Biminis tragen 100 Quadratmeter photovoltaisch-thermische Paneele. Diese Module liefern elektrische Energie und Wärme gleichzeitig. Die Wärme nutzt das Schiff zum Heizen und Kühlen. Ein eigener Kontrollraum überwacht alle Energieflüsse.
Emirates Team New Zealand half bei der Rumpfoptimierung. CFD-Tests zeigten eine Geschwindigkeitssteigerung von 2,5 Prozent durch die veränderte Formgebung. Schnelleres Segeln erhöht die Stromerzeugung der Turbinen um acht Prozent, sofern der Wind ausreicht.
Laut Vripack musste jedes Gestaltungselement drei Kriterien erfüllen: praktischen Nutzen, nahtlose Integration und ansprechendes Aussehen. Auch Naturbezüge gibt es viele. Den metallic-blauen Rumpf durchzieht eine Ziergöhl, deren aufgefächertes Ende der Feder eines Schwarzbrauenalbatros nachempfunden ist.
Vripack lehnte Standardbeschläge ab. Die Werft fertigte Relingstützen, Klampen und Klüsen in Sonderanfertigung. Die Oberflächen sind matt, nicht poliert. Das Heck endet abrupt mit einer Metallleiste und einem Spiegel mit handbemalter Holzimitation, ein bewusst gewählter Stilbruch. Die Badeplattform dient gleichzeitig als Gangway. Sie schwenkt, dreht flach und bleibt nass rutschfest.
Die Konstruktion mischt alte Handwerkstechniken mit 3D-Druck, Künstliche Intelligenz half bei Kunstwerken an Bord. Vripack nutzte Virtual Reality für einen kompletten Schiffsrundgang vor dem Bau. Die VR-Planung verkürzt Änderungsschleifen. Fehler fallen früh auf, nicht erst beim Bau.
Alle Formen lässt das Team von Vripack in einem Vollradius beginnen oder enden. Diese Regel gilt für Möbel, Fenster und Raumübergänge. Die Aufbaustruktur aus brasilianischem FSC-Teakholz wächst optisch aus dem Tesumo-Deck. Gebogenes Strukturglas verbindet die Ebenen. Im Inneren finden sich handgeschnitzte Eichenecken mit doppelter Krümmung. Deckenleuchten folgen der Deckswölbung.
Marnix Hoekstra, Co-Kreativdirektor bei Vripack, nennt diese Verbindungen den Schlüssel zur Ruhe an Bord. Jedes Detail antwortet auf denselben Rhythmus. Es gibt keine Übergestaltung. Die Geometrie bilde das Rückgrat, Natur die Seele.
Polierte Flächen fehlen komplett. Stattdessen dominieren erdige Texturen. Die California Lounge dient als Gästearbeitsbereich und Notschlafplatz. Dort steht ein Couchtisch aus mehrfarbigem Feueronyx mit geprägter Lederoptik. Möbel entstanden aus Kiefernrinde, einem Abfallprodukt der Holzproduktion. Die Rinde duftet und strukturiert die Oberflächen.
Geräucherte europäische Eiche kam aus lokaler Produktion. Vripack wählte Furniere mit sichtbaren Ästen, Rissen und Maserungen. Normalerweise sortieren Bootsbauer solche Stücke aus. Hier sollten sie die Lebendigkeit des Materials zeigen. Die Eigner lieben die Natur und wollten sie im Schiff spüren. Dieser Ansatz nutzte 70 Prozent des Eichenfurniers. Üblich seien 30 Prozent.
Steinplatten in den Bädern tragen Schnittlinien und raue Oberflächen. Die ledrige Haptik entsteht durch spezielle Bearbeitung. Keine Platte gleicht der anderen. Makel sind erwünscht, nicht verboten.
Vripack besuchte die Häuser der Eigner vor dem Entwurf. Die Gespräche zeigten den Wunsch nach Eleganz, Komfort und Unabhängigkeit. Im Hauptcockpit stehen modulare Möbel auf Rollen. Zweisitzer und Tische lassen sich schnell zu Essplätzen für vier, acht oder zwölf Personen verbinden. Auf dem Vorgängerschiff brauchte die Crew lange für den Umbau. Jetzt gehe es in Minuten.
Elektrische Cockpitfenster schließen per Knopfdruck. Stauraum gibt es reichlich, in Gäste- und Crewbereichen. Haltegriffe helfen Landratten bei Seegang. Ausschnitte in Arbeitsflächen nehmen maßgefertigte Tabletts auf, die bei Schräglage nicht rutschen.
Der Salontisch dient auch als Basteltisch, laut Vripack puzzeln die Eigner gern. Der fehlende Maschinenraum schuf Platz für einen Service-Weg, über den die Crew alle Bereiche diskret erreicht. Vier Gästekabinen tragen Themen von Orten, die den Eignern wichtig sind: Italien und Französisch-Polynesien gehören dazu.
Die Eignersuite umschließt den Besanmast, den unter Deck eine Skulptur der amerikanischen Künstlerin Sienna Martz ziert. Von der Suite führt ein Durchgang zum privaten Arbeitszimmer. Achtern agiert die Passarelle als Badeleiter. Morgens schwimmen die Eigner vom Heck aus. Die Leiter schwenkt, liegt flach und bleibt nass griffig. Diese Doppelfunktion spart Platz und Gewicht.

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV