Mit der Swan Alloy 44 startet Nautor Swan in die neue Modellreihe für Großformate aus Aluminium. Sanlorenzo, der neue italienische Eigentümer, initiierte den Vorstoß in die Welt der Supersegler – ein Segment, in dem Volumenwerte und Decksflächen gleichermaßen wichtig sind wie Segeleigenschaften. Das derzeit größte Modell der finnischen Werft ist die in Pietarsaari gebaute Swan 128.
Die wichtigsten Daten zeigen die Größenordnung des Projekts: Die Swan Alloy 44 misst 43,50 Meter über alles, die Wasserlinienlänge beträgt 40,50 Meter. Bei 9,45 Metern Breite ist ein variabler Tiefgang von 4,30 bis 6,30 Metern vorgesehen. Möglich macht das ein Teleskopkiel. Das Innenraumvolumen soll knapp unter 300 Gross Tons bleiben. Ein beachtlicher Wert, aktuelle Motorformate gleicher Länge kommen im Mittel auf etwa 400 Gross Tons geschlossene Räume.
Rumpf und Deck entstehen bei Gouwerok Shipyard in den Niederlanden. Dort werden auch die strukturellen Grundlagen für den Kiel und Motorenraum geschweißt. Anschließend wird der Alukasko nach Viareggio gebracht, wo Ausrüstung und Endausbau erfolgen sollen.
Aluminium soll bei der Swan Alloy 44 nicht einfach ein neues Rumpfmaterial sein. Laut Werft werden Konstruktion und Plattenstärken mithilfe von Finite-Elemente-Analysen auf Gewicht und Festigkeit ausgelegt. Das Ziel: eine möglichst leichte, steife Struktur bei hoher Oberflächengüte.
Besonderen Wert legt Swan auf gerundete Profile an den Übergängen. Diese Bauweise ist aufwändiger als kantige Standardlösungen. Sie soll sauberere Linien erzeugen und den Spachtelaufwand reduzieren. Wie viel Gewicht damit gegenüber einer konventionellen Aluminiumkonstruktion gespart wird, nennt die Werft bislang nicht.
Die Konstruktion und das Außendesign stammen von Malcolm McKeons Studio aus Lymington. Der Brite hat bereits mehrere große Performance-Segelyachten entworfen. Für die Swan Alloy 44 kombiniert er einen schlanken Rumpf mit langem Vordeck, einem weit nach achtern gezogenen, stromlinienförmigen Deckshaus und einem offenen Heckbereich.
Die Renderings zeigen zwei Steuerstände achtern sowie mehrere klar getrennte Aufenthaltsbereiche. Hinter dem Deckshaus liegt ein großer, abgesenkter Sitzbereich mit Esstisch. Achtern folgen Loungeflächen, die durch die breite Heckplattform bis dicht an die Wasserlinie reichen. Das Boot soll damit deutlich stärker auf Aufenthalt an Deck ausgerichtet sein als frühere Maxi Swans.
Das Rigg liefert Southern Spars, die Segel kommen von Doyle. Im vorläufigen Segelplan sind unter anderem Blade Jib, selbstwendende Fock und Stagsegel vorgesehen. Angaben zu Segelfläche, Verdrängung oder Ballastanteil hat Nautor noch nicht veröffentlicht. McKeon beschreibt den Anspruch so: „Eine Performance-Yacht sollte schnell aussehen, auch wenn sie stillsteht.“
Für das Interieur verpflichtete Nautors Produktkomitee das Studio Liaigre aus Paris. Große Fensterflächen im Deckshaus und breite Übergänge zwischen Cockpit und Salon sollen den Blick auf das Wasser auch unter Deck erhalten. Die Renderings zeigen helle Hölzer, cremefarbene Polster, großflächige Verglasung und einen bewusst zurückhaltenden Materialmix. Verantwortlich für die maritime Sparte von Liaigre ist Guillaume Rolland, selbst Segler mit langer Referenzliste großer Segelformate.
Auf dem Oberdeck, so das neue Großyacht-Wording von Nautor, gruppieren sich die Aufenthaltsbereiche um das Deckshaus. Die beiden Steuerstände liegen weit außen achtern. Das soll für die Crew kurze Wege und gute Sicht schaffen, während der zentrale Bereich frei für Gäste bleibt. Unter Deck erwarten Gäste fünf Kabinen: eine vor dem Motorenraum, vier dahinter mit der größten Kammer achtern an Backbord. Die Crew wohnt im Vorschiff.
Technisch interessant ist das angekündigte Dual-Energy-System. Beim Segeln soll der Propeller als Turbine arbeiten und elektrische Energie für die Batterien erzeugen. Diese Hydrogeneration kann den Betrieb von Generatoren während längerer Passagen reduzieren, sofern Fahrt, Propeller und Energiebedarf dafür passen.
Das System verbindet laut Swan Energieerzeugung, Batteriespeicher und Energiemanagement. Dabei greift die Werft auf Erfahrungen aus dem Hybridprogramm von Sanlorenzo sowie aus früheren Swan-Projekten wie der Swan 51, der Swan 88 und der Swan 128 zurück. Wie groß die Batteriekapazität ausfällt, welche Leistung die Hydrogeneration liefern soll und wie lange die Yacht ohne Generatorbetrieb auskommt, ist offen.
Die Swan Alloy 44 soll nicht allein bleiben. Nautor Swan plant nach eigenen Angaben eine 50-Meter-Version sowie später eine Ketsch-Variante. Die neue Alloy-Reihe wird damit zum Programm für individuelle Segelyachten oberhalb der bisherigen Swan-Maxi-Palette.
Die eigentliche Bewährungsprobe folgt aber erst auf dem Wasser. Denn von einer Swan werden – innerhalb des entsprechenden Segments – stets herausragende Segeleigenschaften erwartet. Der Bau läuft, die erste Ablieferung wird für Sommer 2028 erwartet.
Einen weiteren neuen Markt will man mit der Swanscape 24 erschließen. Der 80 Fuß lange Blauwassercruiser entsteht mit Rolf Vrolijk. Da die Nautor-Muttergesellschaft Sanlorenzo an der Börse gelistet ist, gibt auch der öffentlich gemachte Businessplan für 2026-2028 darüber Aufschluss.
Aluminium, Deckshaus und Superyacht-Interieur: Ist das für Sie noch eine typische Swan?

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV
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