Die Baltic 121 “Alice“ hat die Werft im finnischen Jakobstad verlassen. Der neue Performance-Cruiser wurde für lange Reisen entworfen, soll sich laut Baltic Yachts aber zugleich agil segeln und mit einer kleinen Crew bedienen lassen. Konstruktion und Außendesign stammen von Malcolm McKeon Yacht Design, das Interieur entwickelte das Adam Lay Studio aus Südengland.
Der Neubau folgt damit einem Grundsatz, der viele Einzelbauten der finnischen Werft prägt: Gewicht sparen, ohne den Anspruch an Komfort und Reichweite aufzugeben. Die Geschichte von Baltic Yachts reicht vom leichten Serienbootbau bis zu komplexen Carbon-Superyachten wie „Alice“.
Rumpf und tragende Struktur bestehen aus Carbon. Nach Angaben der Werft beträgt die Verdrängung im leichten Zustand 109 Tonnen, davon entfallen 35 Tonnen auf den Ballast. Auffällig ist das Verhältnis aus 37,08 Metern Länge und 8,30 Metern Breite.
Der Teleskopkiel lässt sich von 4,15 auf 6,40 Meter absenken. Die Differenz von 2,25 Metern erweitert den möglichen Einsatzbereich: In flacheren Revieren bleibt der Kiel eingefahren, auf See verbessert der größere Tiefgang und der damit größere Hebel die Stabilität, während der NACA-profilierte Kiel für mehr Lift und Segelleistung sorgt.
Mit ihrer Verbindung aus variablem Tiefgang, Vollcarbon-Bauweise und großem Segelplan reiht sich „Alice“ in Baltics schnelle Langfahrtkonzepte ein. Noch aufwendiger setzt die Baltic 142 „Canova“ mit ihrem DSS-Foil auf zusätzliche Stabilität und hohe Geschwindigkeiten.
Trotz der Größe sollte der Neubau keine umfangreiche Mannschaft für jedes Segelmanöver benötigen. Das Großsegel wird hydraulisch in den Baum gerollt, die Vorsegel laufen auf Reckmann-Furler. Das Setzen des Segels übernimmt, wie auch die Großschot eine kaptive Winsch. Der Trimm der Vorsegel erfolgen über vier großen Deckswinschen von Harken.
Ryan Taylor, Werftkapitän bei Baltic Yachts, berichtet von wenigen Minuten zwischen dem Ablegen und dem Segelsetzen. Einmal perfekt getrimmt, soll sich „Alice“ seiner Einschätzung nach ähnlich direkt manövrieren lassen wie eine deutlich kleinere Performance-Yacht. Ob der Eigner das Regattapotenzial nutzen wird, ist noch offen.
Unabhängige Messwerte zur Geschwindigkeit unter Segeln oder zum Handling liegen bislang nicht vor. Auch zur Segelfläche macht die Werft bislang keine konkreten Angaben.
Das Deckshaus ist großflächig verglast und bietet nahezu ungehinderte Sicht nach außen. Ein festes Bimini schützt den Außenbereich und insbesondere das Gästecockpit während der Fahrt und vor Anker. Anders als eine textile Lösung bleibt es ständig einsatzbereit, musste aber konstruktiv in die Linien des Aufbaus und die Lastpfade der 37-Meter-Baltic eingebunden werden.
Designer Adam Lay setzt im Innenraum auf gebürstetes Walnussholz, strukturierte Furniere und Stoffe in zurückhaltenden Farbtönen. Einsätze in den Kabinen erinnern in ihrer Oberfläche an kleine Wellen. Wandlampen greifen die Form von Ästen auf. Der Innenausbau soll nach Angaben des britischen Interieur-Spezialisten perfekt für den Familienalltag sein, ohne den wohnlichen Charakter zu verlieren.
Die großen Fenster holen Tageslicht tief in die Räume und stellen einen direkten Sichtbezug zum Wasser her. Damit bleibt der Salon auch auf einer Yacht dieser Größe eng mit Cockpit und Umgebung verbunden.
Blauwassersegeln von Bobby Schenk behandelt die praktischen und technischen Fragen langer Segelreisen. Dazu gehören der Umgang mit schwerem Wetter, Versicherungsfragen, Kommunikation auf See und das dauerhafte Leben an Bord. Der Ratgeber ergänzt das Porträt der „Alice“ um jene Langfahrtthemen, die unabhängig von Yachtgröße und Budget sorgfältige Vorbereitung verlangen.
Ist eine 37-Meter-Yacht mit kleiner Crew noch echtes Fahrtensegeln oder einfach nur Luxus? Diskutieren Sie mit.

Chefredakteur YACHT und BOOTE Exclusiv
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