Die Wege, die Einzelbauten während mehrjähriger Bauphasen einschlagen, verlaufen nicht immer geradlinig – und erzählen mitunter viele Geschichten. Das Projekt Wildcat basiert auf dem zweiten Rumpf der 42 E-volution von Perini Navi. Die italienische Werft hatte die sportlich ausgelegte Alu-Slup an ihrem Standort in der Türkei auf Kiel gelegt und als Kasko Ende 2019 zum Stammsitz in Viareggio transportiert. Ein Jahr später darauf meldete Perini Navi Insolvenz an und wurde von The Italian Sea Group gekauft. Die begonnene 42 E-volution GTS übernahm Turquoise Yachts.
Die Werft mit Hallen in Istanbul und Kocaeli hat sich auf den Neubau von Motoryachten jenseits der 50-Meter-Marke spezialisiert, arbeitet derzeit aber auch an der klassischen 50-Meter-Slup „Rainbow II“ und wird mittlerweile von Burak Akgül geleitet. Akgül war bei Perini Navi jahrelang für den türkischen Werftstandort verantwortlich. Die Konstruktion der 42 E-volution GTS erledigte Reichel/Pugh Yacht Design. Das Büro aus San Diego war bereits in die ursprüngliche Entwicklung eingebunden. Das Interieur stammt von GCA Architects aus Barcelona. Das Rigg liefert Southern Spars aus Neuseeland.
Projekt Wildcat ist 42,3 Meter lang und 9,7 Meter breit. Der Liftkiel ermöglicht Tiefgänge von 3,9 bis 6,4 Metern. Der 62,5 Meter hohe Panamax-Mast besteht aus Carbon. Zusammen mit dem Rollbaum und dem Stehenden Gut aus Kohlefasern trägt er eine Segelfläche von 2.204 Quadratmetern. Schoten und Fallen bewegen elektrisch beziehungsweise hydraulisch betriebene Systeme, die ein PLC-System kontrolliert. Turquoise Yachts hat das ursprüngliche Segelsystem nach eigenen Angaben überarbeitet. Die Grundlage für die einfachere Bedienung bilden drei Kaptivwinschen von Harken und drei Bamar-Furler
Das Deckshaus und weitere Bauteile an Deck bestehen ebenfalls aus Carbon. Das reduziert das Gewicht oberhalb des Rumpfes und senkt den Schwerpunkt, birgt aber Herausforderungen in Bezug auf die Verbindung von Deck zu Rumpf. Das Innenraumvolumen wird mit 272 Gross Tons angegeben. Der Rumpf wird nach RINA-Regeln klassifiziert, als Hilfsantrieb wird ein Cummins QSM11 mit 600 PS verbaut. Allein der Diesel soll Wildcat auf zwölf Knoten bringen.
Wildcat ist für acht Gäste in vier Kabinen ausgelegt. Zur Ausstattung gehören eine über die gesamte Schiffsbreite reichende Eignersuite, eine VIP-Kabine und zwei Zweibettkabinen. Für die Besatzung sind sieben Schlafplätze in vier Kabinen vorgesehen. Der Salon im Deckshaus soll durch große Fenster und Oberlichter einen Rundumblick ermöglichen. Ein Deck tiefer liegt ein separater Fernsehraum.
Außen bietet das Cockpit zwei nach innen gerichtete, C-förmige Sitzgruppen. Vor dem Mast ist ein versenkbarer Esstisch vorgesehen. Am Heck lässt sich die Badeplattform ausklappen. Eine hydraulische Seitentür führt zur Tendergarage, die für ein Beiboot von 5,5 Metern Länge ausgelegt ist. Eine hydraulische Badeleiter und eine Gangway ergänzen achtern das Layout.
Das technisch anspruchsvolle Segelprojekt, das bei Perini Navi begonnen wurde, listet Y.CO für 35 Millionen Euro. Je schneller sich ein Eigner für die 42 Meter lange Alu-Slup findet, desto größer dürfte die Einflussnahme vor der Wasserung im nächsten Jahr ausfallen. Zur Einordnung: Das gleiche Maklerhaus bietet für ein Zehntel des Kaufpreises die zehn Meter kürzere und 1998 gewasserte „Wally B“ an. Für den 44,30 Meter langen Vitters-Bau „Magic“ werden 41,9 Millionen Euro aufgerufen.
Das Buch von François Chevalier und Fotograf Gilles Martin-Raget porträtiert 18 klassische Yachten und enthält über 350 beeindruckende Fotografien.

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV
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