Nach Streit um Brücken-PassageJeff Bezos' Mega-Yacht "Y721" heimlich aus der Werft geschleppt

Nach Streit um Brücken-Passage: Jeff Bezos' Mega-Yacht "Y721" heimlich aus der Werft geschlepptFoto: Oceanco

Eigentlich sollte eine historische Brücke abgebaut werden, damit die zweitgrößte Yacht der Welt in See stechen kann. Nach Protesten wurde "Y721" nun heimlich durch Rotterdam geschleppt

Der Streit machte weltweit Schlagzeilen: Amazon-Gründer Jeff Bezos lässt sich im niederländischen Rotterdam eine Mega-Yacht bauen, deren Masten jedoch zu hoch werden, um die historische Koningshaven-Brücke in der Innenstadt zu passieren. Werft und Eigner wollten den Mittelteil der Brücke deswegen vorübergehend demontieren lassen, zogen sich damit aber den Zorn der Rotterdamer Bevölkerung zu. Still und heimlich wurde der Dreimastschoner mit dem Projektnamen "Y721" jetzt im Morgengrauen und ohne Masten aus der Werft geschleppt.

Hanco Bol, der die Facebook-Seite "Dutch Yachting" betreibt, hat den Transport mitten in der Nacht mit dem Auto begleitet. Gegenüber dem "Spiegel" berichtete der Yachtexperte, die Vorbereitungen für den Transport hätten um ein Uhr nachts begonnen, losgegangen sei es dann um drei Uhr. Nach etwa drei Stunden habe die Yacht die Greenport-Werft im Westen Rotterdams erreicht. Dort wird das Schiff nun offenbar fertiggestellt und die Masten installiert. Bol hielt die erste Reise der "Y721" in einem Video fest:

Jeff Bezos' Yacht auf dem Weg durch die Rotterdamer Kanäle

Laut Hanco Bol sei die Route des Transportes ungewöhnlich gewesen. Vermutlich habe man Bilder der unfertigen Yacht unter der Koningshaven-Brücke vermeiden wollen und deswegen auch den nächtlichen Zeitpunkt ohne Presse und Publikum gewählt. "Ich glaube, das war Absicht", sagte er dem "Spiegel". "Als ich auf einer der Brücken stand, richteten sie einen Suchscheinwerfer auf mich, sodass es für mich nicht einfach war, Fotos zu machen."

Ursprünglich hieß es, nur die Oceanco-Werft könne die Masten stellen. Nun werden diese Arbeiten bei Greenport erledigt, was den Aufwand deutlich erhöht. Bis zur Fertigstellung der Yacht dürften laut "Spiegel" noch mehrere Monate vergehen. Der erste der drei Masten ist jedoch laut übereinstimmenden Berichten bereits auf dem Weg zur Werft.

Die Passage des Schiffes hatte in den letzten Monaten immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Die Oceanco-Werft wollte einen Antrag stellen, die wegen ihrer H-Form "De Hef" genannte Brücke teilweise demontieren zu dürfen. Daraufhin hatte sich eine breite Protestfront gebildet, es wurde mit Eierwürfen und ähnlichen Aktionen gedroht. Die Brücke ist denkmalgeschützt und hat einen hohen symbolischen Wert für die Stadt, weil sie als erste nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut wurde.

"Y721" gilt als zukünftige zweitgrößte Yacht der Welt und soll zwischen 250 und 400 Millionen Euro kosten. Laut "NZZ" sind zwei Begleitschiffe nötig, wenn der Dreimastschoner auf Reisen geht. Neben dem dunklen Rumpf und den weißen Aufbauten sorgt vor allem der zukünftige Bugspriet für ein markantes Aussehen. Der endgültige Name wurde noch nicht bekannt gegeben, auch die Eignerschaft von Jeff Bezos, dem zweitreichsten Mann der Welt, ist nicht offiziell bestätigt. Weitere Infos zur Mega-Yacht gibt es hier >>

Die derzeit noch größte Yacht der Welt, die "A", ist derzeit wegen des Ukraine-Krieges von den Behörden im italienischen Triest festgesetzt. Sie soll dem russischen Oligarchen Andrei Igorewitsch Melnitschenko gehören. Je nachdem, ob die "A" als Segel- oder Motoryacht gesehen wird, würde sie von dem Neubau aus Rotterdam auf den zweiten Platz verdrängt.

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