Martin Hager
· 05.06.2026
Über 100 Superyachten haben bereits im Port Hercule festgemacht und auch in der Bucht von Roquebrune, direkt vor der Hafeneinfahrt von Monaco, wird es langsam eng. Über 70 Yachten liegen dort derzeit vor Anker, weiter westlich vor Saint-Jean-Cap-Ferrat und Villefranche-sur-Mer sind es laut Schiffstrackern ähnlich viele. Eigner, Chartergäste und Motorsport-Fans nutzen ihre Schiffe als exklusive Logenplätze und schwimmende Basis für das außergewöhnliche Rennwochenende.
Vor dem Rennen gilt Lando Norris als Favorit. Der Brite hat in der laufenden Saison eine beeindruckende Konstanz gezeigt und führt die Fahrerwertung an. Sein McLaren MCL40 gilt auf dem engen Stadtkurs von Monaco als besonders konkurrenzfähig, und Norris selbst hat zuletzt bewiesen, dass er Druck standhält. Herausgefordert wird er von Max Verstappen im Red Bull, der Monaco-Statistiken auf seiner Seite weiß, sowie von Charles Leclerc, der als Monegasse vor heimischem Publikum antritt und auf seinem Hausstrecken-Vorteil besteht. Die Tifosi – und nicht wenige Yachtbesitzer im Hafen – werden lautstark für den Ferrari-Piloten die Daumen drücken.
„Kismet“ – 122 Meter | Lürssen
Wer die monegassische Küste entlangblickt, kommt an „Kismet“ nicht vorbei. Die 122 Meter lange Lürssen zählt zu den teuersten Charteryachten der Welt.
Das Exterieurstyling stammt vom Studio Nuvolari Lenard, während die Innenraumgestaltung Reymond Langton zu verdanken ist. An Bord erwartet die Gäste ein Kosmos der Superlative: ein balinesisch inspirierter Spa-Bereich, ein teilweise unter der Wasserlinie liegendes Art-Déco-Kino sowie ein Hauptsalon, der seine Inspiration aus dem Spiegelsaal von Versailles zieht. „Kismet“ ist über Cecil Wright zur Charter erhältlich – für bemerkenswerte 3.000.000 Euro pro Woche.
„Breakthrough“ – 118,8 Meter | Feadship
„Breakthrough“ ist ein technisches Meisterwerk, die Yachtbau-Geschichte schrieb: Sie ist die weltweit erste und bislang einzige wasserstoff-brennstoffzellenbetriebene Superyacht.
Die niederländische Werft Feadship lieferte den Neubau 2025 ab, im letzten Herbst wurde sie für sagenhafte 645 Millionen Euro an einen neuen Eigner verkauft und ist damit die teuerste Yacht der Welt.
Das britische Designstudio RWD zeichnet sowohl für das äußere Erscheinungsbild als auch die Inneneinrichtung verantwortlich. Technisches Herzstück sind 16 Wasserstoff-Brennstoffzellen, die 3,2 Megawatt elektrische Leistung erzeugen.
Das Innenleben überzeugt: Ein Eignerdeck, eine mit 5000 Büchern bestückte Bibliothek, ein Wellness-Zentrum, ein Kino, eine unter der Wasserlinie gelegene Nemo-Lounge sowie eine beeindruckende Vielzahl aufklappbarer Balkone und Terrassen machen „Breakthrough“ zu einem Meilenstein des modernen Yachtbaus.
„Renaissance“ – 112 Meter | Freire
„Renaissance“ ist in diesem Jahr eine der größten Yachten, die vor Monte Carlo gesichtet wurden. Der spanische Schiffbauer Freire lieferte den voluminösen Verdränger (7.200 Gross Tons) 2023 ab – als Realisierung einer Idee, die Jahrzehnte auf ihre Verwirklichung gewartet hatte. Das Designbüro Bannenberg & Rowell setzte dabei ein ursprünglich in den 1980er-Jahren vom verstorbenen Pionier Jon Bannenberg skizziertes Konzept in die Tat um.
Gebaut nach dem Passenger Yacht Code, kann „Renaissance“ bis zu 36 Gäste beherbergen und gehört damit zu den kommerziell leistungsfähigsten Charteryachten überhaupt. Wer an Bord kommt, erlebt einen Hauptsalon mit schwebender Mezzanine-Ebene, ein eigenes Spa-Deck mit erstklassigem Wellness-Bereich, einen weitläufigen Beachclub sowie ein Eignerdeckdeck mit privater Bugterasse. Besonders bemerkenswert: Die langjährige Chartererfahrung des Eigners floss direkt in das Layout mit ein. Charterbroker: Burgess.
„Symphony“ – 101,5 Meter | Feadship
Als erste Feadship-Yacht, die die 100-Meter-Marke überschritt, hat „Symphony“ einen festen Platz in der Geschichte des modernen Yachtbaus. In Auftrag gegeben von LVMH-Chef Bernard Arnault, war sie drei Jahre lang das Flaggschiff der niederländischen Werft. Das skulpturale Erscheinungsbild entwarf das britische Designer Tim Heywood – und die Namensgebung ist kein Zufall: Arnaults Leidenschaft für klassische Musik spiegelt sich hier und in einem Konzertflügel an Bord wider.
Über sechs Decks verteilen sich ein Open-Air-Kino, ein Pool mit Glasboden und ein Eiggnerdeck inklusive Sauna, Jacuzzi-Terrasse und einem von François Zuretti gestalteten Büro. Ein Schiff, das ebenso kultiviert wie außergewöhnlich ist.
„Attessa IV“ – 101,2 Meter | Hayashikane / Konversion durch Washington Yachting Group
Nur wenige Yachten können auf eine derart dramatische Verwandlung zurückblicken wie „Attessa IV“. Ursprünglich in Japan als Frachter vom Typ “Evergreen” vom Stapel gelassen, wurde das Schiff in einem der ehrgeizigsten Umbauprojekte der Yachtgeschichte vollständig neu konzipiert. Der amerikanische Industrielle Dennis Washington ließ das Schiff durch die Washington Yachting Group mit neuem Bug, neuem Heck, neuer Aufbauten und einem komplett überarbeiteten Interieur versehen – fertiggestellt im Jahr 2010.
Washington, bekannt für seine Vorliebe, bestehende Schiffe neu zu erfinden, statt Neubauten zu beauftragen, ließ zusammen mit Designer Glade Johnson aus Seattle ein schwimmendes Zuhause von höchstem Standard entstehen. Auf fünf Decks und über 2.300 Quadratmetern Innenraum befinden sich eine spektakuläre Zentraltreppe, ein Spa-Bereich mit direktem Zugang zur Badeplattplattform, ein Kino sowie der legendäre Chihuly Lounge – gestaltet rund um eine monumentale Glasskulptur des Künstlers Dale Chihuly. Derzeit steht „Attessa IV“ zum Verkauf.
„Lionheart“ – 90 Meter | Benetti
„Lionheart“ wurde 2016 als damals größter Benetti-Neubau abgeliefert und bleibt ein vertrautes Gesicht im Port Hercule. Es war die dritte Yacht, die Sir Philip Green bei der italienischen Werft in Auftrag gab – und gleichzeitig eine, die Geheimnisse hütet. Während ihre geschwungene Silhouette und die markanten Privatbalkone für alle Besucher des Hafens sichtbar sind, wurde das Innenleben stets diskret gehalten.
Bekannt ist: Der Exterieurentwurf entstand in Zusammenarbeit zwischen Stefano Natucci und Benetti, das Interieur wurde von Green & Mingarelli Design verantwortet. „Lionheart“ war 2025 die größte Yacht im Port Hercule – in diesem Jahr muss sie sich jedoch anderen Megayachten geschlagen geben.
„Fountainhead“ – 87,8 Meter | Feadship
„Fountainhead“ wurde 2011 von Feadship abgeliefert. Sie entstand parallel zu ihrer Schwesterschiff „Musashi“. Das äußere Erscheinungsbild stammt von De Voogt Naval Architects, die Inneneinrichtung ist ein Gemeinschaftswerk von Sinot Yacht Architecture & Design und dem renommierten belgischen Gestalter Axel Vervoordt, dessen minimalistische Handschrift unverkennbar ist.
An Bord wartet eine Welt für Familien und Naturliebhaber: eine private Bibliothek, großzügige Spiel- und Entspannungsbereiche, ein voll ausgestattetes Fitnessstudio, ein Gegenstrombecken sowie eine beeindruckend dimensionierte Tendergarage. Mit einer Reichweite von 6.000 Seemeilen und einer Höchstgeschwindigkeit von 21 Knoten ist „Fountainhead“ nicht nur attraktiv – sie wurde auch für weite Reisen konzipiert.
„Alfa Nero“ – 81,3 Meter | Oceanco
„Alfa Nero“ ist eine von jenen seltenen Yachten, die man auf den ersten Blick erkennt. Seit ihrer Ablieferung durch Oceanco im Jahr 2007 hat die markante Yacht das Gesicht des zeitgenössischen Yachtdesigns mitgeprägt. Das dramatische Erscheinungsbild ist das Werk des venezianischen Designstudios Nuvolari Lenard, während der verstorbene Stardesigner Alberto Pinto für das kühne Interieur verantwortlich zeichnete – inspiriert von der Pop-Art Roy Lichtensteins, lebendig und unverwechselbar.
Das Layout priorisiert Weite statt maximales Volumen, was großzügige Außendecks ermöglicht. Berühmtestes Merkmal ist der verglaste Infinity-Pool am Heck mit Wasserfall-Effekt, der sich bei Bedarf in eine Entertainmentfläche verwandeln lässt. Fast zwei Jahrzehnte nach ihrer Premiere ist Alfa Nero noch immer eine der ikonischsten Yachten und beim Monaco Grand Prix ein verlässlicher Stammgast.
„Chopi Chopi“ – 80 Meter | CRN
Seit zwölf Jahren trägt „ Chopi Chopi“ den Titel des Flaggschiffs der italienischen Werft CRN – ein Status, den sie erst nächstes Jahr an einen 85-Meter-Neubau abgeben wird. Diese Woche liefert CRN die 70-Meter lange „Thunderball“. Auftraggeber der „Chopi Chopi“ war ein Eigner aus dem Nahen Osten, der zuvor die 52,3 Meter lange „Lady Brave“ besaß. Die neue Yacht sollte von Beginn an ein rein privates Schiff für seine Familie sein – das Exterieurdesign übernahm Zuccon International Project.
Die lebhaften blauen Innenräume von Laura Sessa Design sorgen für eine einladende Atmosphäre, die Exklusivität mit Wohnlichkeit verbindet. Das Eignedeck bietet eine private Terrasse, während das Helideck eine Tragfähigkeit von drei Tonnen aufweist.
„Faith“ – 79,9 Meter | Feadship
Die neue „Faith“ ist noch jung – sie wurde im Februar 2025 von Feadship gewassert und drei Monate später abgeliefert –, macht aber auf sich aufmerksam. Sie tritt das Erbe ihres berühmten Namensgebers an: die 96,6 Meter lange Vorgängerin „Faith“ zählt zu den prägendsten Bauten der Feadship-Werftgeschichte.
Die neue „Faith“, entworfen vom britischen Büro RWD mit Rumpflinien und konstruktiven Berechnungen von Feadship De Voogt, ist an ihrer markanten blau-weißen Lackierung erkennbar und verbindet klassische Feadship-Eleganz mit modernster Antriebstechnik. Ihr hybrider Diesel-Elektro-Antrieb teilt sich die technische Basis mit der 84,2 Meter langen „Obsidian“ und punktet mit erhöhter Batteriekapazität sowie Podantrieben für mehr Effizienz und weniger Geräuschentwicklung.
„Energy“ – 77,8 Meter | Amels
Die Aufgabenstellung war ungewöhnlich und klar zugleich: „Brecht mit Konventionen und findet Wege, eine echte Verbindung zum Ozean herzustellen." Das Ergebnis dieser Vorgabe ist die 78-Meter-Amels „Energy“, entstanden aus der Zusammenarbeit des Konstrukteurs Espen Øino und des Interiorgestalters François Zuretti.
„Energy“ bietet Platz für 14 Gäste in großzügigen Kabinen. Zu den Highlights gehören ein Heckschwimmbecken auf dem Oberdeck, ein geräumiger Fitness- und Wellnessbereich am Beachclub sowie ein gläserner Fahrstuhl, der die Decks verbindet. Bislang ausschließlich privat genutzt, steht „Energy“ nun zum Verkauf – eine seltene Gelegenheit.

Chefredakteur YACHT und BOOTE Exclusiv