Argo5454-Meter-Slup nimmt in Griechenland Form an

Sören Gehlhaus

 · 09.01.2026

Argo54: Die ​54 Meter lange Alu-Slup soll weit über 20 Knoten laufen. Dazu verhelfen sollen Linien von Juan Kouyoumdjian, Leichtbauweise und bis zu 1.900 Quadratmeter Tuch.
Foto: Omikron Yachts
Die Arbeiten an Argo54 gehen 50 Kilometer südlich von Athen voran. Omikron Yachts will den 54 Meter langen Alu-Bau Ende 2027 wassern. Mit 9,50-Meter-Schwenkkiel und 1.900 Quadratmeter Tuch soll es schnell vorangehen.

Dass eine griechische Werft mit der Benamsung ihres ersten Superseglers Bezug auf die Antike nimmt, überrascht nicht. ​Zumal Argo54 eine sagenhaft schnelle Yacht werden soll. Für die ​54 Meter lange Alu-Slup peilt Omikron Yachts Werte jenseits von 20 Knoten an. Dazu verhelfen sollen Juan Kouyoumdjian, hybride Leichtbauweise und bis zu 1.900 Quadratmeter Tuch. Mit über die Weltmeere bewegt werden soll ein luxuriöses Interieur und voluminöses Deckshaus mit langer Flybridge. Passt nicht zusammen? Für den griechischen Eigner schon. Seine Mission: ohne einen Tropfen fossilen Brennstoffs von London nach New York segeln.

Der lange Weg zum One-Off

Der Alu-Kasko kam Ende 2022 aus den Niederlanden per Seeweg nach Griechenland. ​Den Alurumpf schweißte Gouwerok in Aalsmeer, ​Omikron Yachts rüstet auf dem Gelände von Olympic Marine aus. Griechischen Lavrio Marina mit 680 Liegeplätzen und 350-Tonnen-Travel-Lift. Für die Werft arbeiten 55 Personen in vier Gebäuden mit insgesamt 9.000 Quadratmeter Infrastruktur​, inklusive CNC-Maschinen und Kompetenzzentrum für Verbundwerkstoffe. Etwa 50 Kilometer südöstlich von Athen entsteht auch die effiziente Meilensammlerin Omikron OT-60, die Lorenzo Argento als eine Segelyacht ohne Mast entwarf.

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​Erlesenes Team für Argo

Das 54 Meter messende Großprojekt Argo54 stemmt eine Handvoll großer Namen. Die Konstrukteure um den Supermaxi-erfahrenen Argentinier „Juan K“ unterstützte beim Rumpfdesign der Ire Rob Doyle mit Strukturberechnungen. Wiederum obliegt die äußere Gestaltung dem Mailänder Lorenzo Argento, der Brite Mark Whiteley macht die Vorgaben für das Interieur.

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Die Ingenieure von Omikron haben einige harte Brocken zu knacken. ​Auf dieselelektrischer Basis sollen Antrieb und Energieversorgung der Segel- und Hotelsysteme funktionieren, die Generatoren im Optimalfall aber nicht anspringen. Unter Segeln – vorausgesetzt Argo54 ist schnell genug unterwegs – sollen die Batterien primär über das Mitdrehen des Propeller geladen werden.

Kiel mit großem Schwenkradius

​Ein Verbraucher mit zeitweilig großem Energiehunger dürfte der Schwenkmechanismus des Kiels sein. Den rechteckigen Ballastkörper holt eine hydraulisch bewegte Kolbenstange aus einer Tiefe von 9,50 Meter auf 3,70 Meter hinauf, damit auch kleinere Häfen oder seichte Ankerbuchten befahrbar sind.

Zudem ragt die bei APM gefertigte Edelstahlfinne mit Bleizusatz nicht wie die Schäfte von Hubkielen in das Innere hinein. Der Schwenkkiel macht eine schwere Bombe überflüssig und für soll für reichlich aufrichtendes Moment sorgen. ​Allerdings bedeutet das Wegfallen einer Blei-Spindel unten am Kiel auch, dass darüber keine erste Knautschzone vorgeschaltet werden kann. Eventuelles Auflaufen strukturell auffangen soll eine kleine Sollbruchstelle im Aufholsystem, die den Kiel in der Theorie frei schwingen lässt.

Wiederum soll das Bergen des Großsegels energiesparend und ohne Rollbaum geschehen. Auffangen soll es eine klappbare Park-Avenue-Variante. Prognosen gehen von zwölf Grad Krängung im Cruising- und 21 Grad Krängung im Regatta-Modus aus. Das ist wichtig, da sich jedwede Rollbewegung am erhöhten Steuerstand der Flybridge weitaus extremer anfühlt als ein Deck tiefer.

Markantes Design nimmt Form an

Die aktuellen Fotos vom Bau zeigen einmal mehr den Achtersteven mit dem „V“-Steg inmitten der beiden Ruderblätter. Die Skeg-ähnliche Form soll das Schlagen auf See und in der Marina bei Schwell reduzieren. Der fertig gespachtelt und grundierte Alurumpf erhält eine rekordverdächtige Anzahl von jeweils neun Fenstern. Hinter dem negativen Steven zeigt sich eine Tasche im Unterwasserschiff für den oder die Anker.

Laut Werft ​wird Argo54 für einen erfahrenen Segler gebaut, der das Gefühl am Rad kennt und schätzt. Ziel sei es, dieselbe Verbindung zum Ruder zu schaffen, wie man es von kleineren Yacht gewohnt ist. Anstelle einer hydraulischen Steuerung entwickelt Omikron ein mechatronisches System, das die Belastungen am Ruder erfasst und diese Rückmeldung an das Steuerrad weiterleitet.

Die Argonauten-Sage geht weiter

Unter Deck wird ein ruhiges, zeitgemäßes Interieur verbaut. Der von natürlichem Licht durchflutete Raum ist mit ethisch beschafftem Furnieren von Tabu, handgenähtem Leder und traditionellen Teak-Handläufen ausgestattet. Argo54 ist in drei Kernbereiche unterteilt: private Unterkünfte – einschließlich der Eignersuite im Heck –, den sozialen Hauptbereich an Deck und die offene Flybridge mit sämtlichen Segelsystemen. Vorn bedient die Crew die Winschen, dahinter wird an zwei Säulen gesteuert.

Statt dem Goldenen Vlies hinterher zu jagen wollen der Eigner und seine Argonauten ab 2028 auch um Pokalsilber segeln. ​Um die Fähigkeiten von Argo54 zu demonstrieren, stehen bedeutende Regatten in der Karibik, der Ägäis und darüber hinaus auf dem Plan.


„Argo54“: 54 Meter lang und 9,6 Meter breit.Foto: Omikron Yachts„Argo54“: 54 Meter lang und 9,6 Meter breit.

Technische Daten „Argo54“:

  • Länge über alles: 54 m
  • Breite: 9,6 m
  • Tiefgang: 3,7 / 9,5 m
  • Verdrängung (leer): 264 t
  • Segelfläche am Wind: 1.382 m²
  • Segelfläche vor dem Wind: 1.905 m²
  • Material: Alu-Rumpf, Carbon-Aufbauten
  • Antrieb: dieselelektrisch
  • Konstruktion: Juan Kouyoumdjian, Rob Doyle
  • Außendesign: Lorenzo Argento
  • Innendesign: Mark Whiteley
  • Werft: Omikron Yachts, Lavrio

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