Quant GTInnovatives Raketenboot mit DSS-Flügel

Michael Good

 · 29.12.2022

Heißer Binnenracer aus der Schweiz. Die Quant GT mit DSS-Foil (Dynamic Stability System)
Foto: Quant Boats

Quant Boats mit Sitz in der Schweiz hat ein neues, äußerst spannendes Projekt in Arbeit. Die Quant GT soll als sogenannter Semi-Foiler die Vorteile eines seitlich ausfahrbaren DSS-Foils nutzen. Das Boot wird derzeit auf der Insel Cowes in England gebaut

Und zwar komplett aus Kohlefaser-Sandwich mit Epoxid. Denn je leichter das Boot ist, desto höher die Effizienz beim Einsatz des DSS-Foils, das seitlich aus dem Rumpf ausgefahren wird. DSS ist die Abkürzung für Dynamic Stability System und das Steckenpferd des englischen Konstrukteurs Hugh Welbourne. Er hat das System maßgeblich entwickelt und bereits bei zahlreichen Neubauprojekten erfolgreich implementiert.

Unter anderem hat Welbourne zusammen mit dem Schweizer Michi Aeppli von Quant Boats schon vor Jahren den Versuchsträger Quant 28 mit einem DSS-Foil ausgestattet. In der YACHT Ausgabe 16/2011 wurde das System und dessen Funktionsweise ausführlich vorgestellt. Im Wesentlichen basiert DSS auf einem asymmetrischen Tragflügel-Profil, das in Lee seitlich aus dem Rumpf herausgestoßen wird und bei Fahrt durchs Wasser eine dynamische Kraft nach oben entwickelt. Der Auftrieb am Flügel verstärkt nicht nur das aufrichtende Moment, sondern sorgt überdies für Lift auf das ganze System. Das heißt, je schneller das Boot segelt, desto größer ist die resultierende Kraft nach oben. Dies führt zu weniger Eintauchtiefe, was wiederum die benetzte Oberfläche verkleinert und den Widerstand durchs Wasser reduziert. Das bedeutet: ein höheres Geschwindigkeitspotenzial, deutlich mehr Stabilität am Wind sowie eine merklich schnellere Beschleunigung.

Welbourne und Aeppli wollen nun mit der neuen Quant GT das Konzept und die Funktionsweise von DSS noch weiter verfeinern. So wird das flexible Foil beim neuen Boot leicht nach oben gekrümmt sein, um bei verschiedenen Krängungen immer optimal effizient zu arbeiten. Außerdem wird der Austrittswinkel der Tragfläche aus dem Boot verstellbar sein. Und auch das Ruderblatt wird zusätzlich mit Foils, sogenannten Elevatoren, ausgestattet. Sie werden verstellbar sein und für optimal ausgewogene Segeleigenschaften sorgen.

Quant-Macher Michi Aeppli will die neue GT in zwei Varianten anbieten. Version A kommt mit reduzierten Ballastanteil von nur 300 Kilogramm im tiefen T-Kiel, dafür mit beidseitig seitlich im Schiff installierten Wasserballast-Tanks mit je 300 Liter Inhalt. Diese Version bietet sich für Segler an, die mit kleiner Crews auf längeren Strecken segeln wollen. Für Mannschaften hingegen ist die Version B gedacht, ohne Wasserballast, dafür mit mehr Ausgleichsgewicht als Bleibombe am Kiel von 550 Kilogramm Gewicht. Die Tanks für den Wasserballast sind übrigens unter Deck mit einem Rohrsystem miteinander verbunden. Etwa 35 Sekunden soll der vollständige Seitenwechsel des Wassers beim komplett gefüllten Tank im Manöver dauern.

Die Quant GT wird bei einer Rumpflänge von zehn Metern nur gerade gut eine Tonne Gewicht auf die Waage bringen. Bei einer Breite von 2,50 Metern ist das Boot damit immer noch ganz einfach und ohne zusätzliche Erfordernisse auf einem Straßen-Anhänger transportierbar. Dazu kann der Hubkiel mit einem stattlichen Tiefgang von 2,40 Metern fast vollständig über eine Talje aufgeholt werden. Und: Das Ruderblatt ist am Heck nur angehängt und leicht demontierbar.

Der Prototyp der Quant GT ist derzeit im Bau. Michi Aeppli von Quant Boats kann vor der Fertigstellung derzeit noch keine konkreten Preisvorstellungen abgeben.

Technische Daten Quant GT

  • Konstruktion: Hugh Welbourne/Quant Boats
  • Rumpflänge (ohne Bugspriet): 10,00 m
  • Breite: 2,50 m
  • Tiefgänge Hubkiel: 1,04–2,40 m
  • Gewicht Version A (mit Wasserballast): 1.050 kg
  • Gewicht Version B (ohne Wasserballast): 1.300 kg
  • Ballast Version A: 300 kg
  • Ballast Version B: 550 kg
  • Großsegel: 31,7 m²
  • Fock: 17,6/14,5 m²
  • Code Zero: 48,8 m²
  • Gennaker: 79,5 m²
  • Motorisierung: Außenbordmotor

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