Ferrari HypersailFliegende Monohull-Yacht nimmt Gestalt an

Fridtjof Gunkel

 · 19.10.2026

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Foto: Ferrari Hypersail
Ferrari Hypersail im Bau.
Die 100 Fuß lange Ferrari Hypersail kombiniert Foilingsysteme mit automatischer Steuerung aus der Automobilindustrie. Das Boot soll die Ultim-Trimarane schlagen und Rekorde brechen.

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Ferrari hat den Rumpf der Hypersail fertiggestellt und zeigt erstmals das komplette Foiling-System. Die 100-Fuß-Yacht entsteht komplett in Maranello. Das Projekt überträgt Technologie aus dem Automobilbau auf den Segelsport. Der Hersteller gibt an, mehr als 20 Patente entwickelt zu haben.

Die Werft hat den Rumpf lackiert und die Unterwasseranhänge montiert. Diese Komponenten sollen das Boot über die Wasseroberfläche heben. Ferrari kombiniert dabei mechanische Tragflächen mit elektronischer Steuerung. Das System trägt den Namen Flight Control.

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Drei-Punkt-Architektur unter Wasser

Das Tragflächensystem der Ferrari Hypersail besteht aus drei Elementen. Seitliche Foils erzeugen den Auftrieb zum Abheben. Der Kiel integriert eine eigene Tragfläche mit beweglicher Klappe. Das Ruder trägt, anders als die Imocas, die keine Flügel am Ruder haben dürfen, eine kleinen Tragfläche am vertikalen Teil. Die Foils arbeiten wie Flugzeugtragflächen unter Wasser. Sie reduzieren den Wasserwiderstand bei höheren Geschwindigkeiten. Der Kiel schafft einen dritten Stützpunkt für die Stabilität. Ferrari bezeichnet diese Kiellösung als technische Neuerung des Projekts. Das Ruder steuert nicht nur die Richtung. Die bewegliche Klappe korrigiert permanent die Kurslage. Diese Mikro-Anpassungen sollen das Boot auf Kurs halten. Alle drei Komponenten arbeiten zusammen für Balance und Kontrolle.

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Flight Control übernimmt die automatische Trimmung während des Flugs. Das System stammt aus Ferraris Erfahrung mit Fahrdynamik-Regelung. Sensoren messen Wind, Wellen, Geschwindigkeit und Krängungswinkel. Ein Bordcomputer analysiert die Daten in Echtzeit. Aktuatoren bewegen die Klappen an Foils und Anhängen. Mechanische Arme und Kolben verstellen die Neigung. Das System reagiert auf jede Lageveränderung des Rumpfs. Ferrari gibt an, die Crew könne sich auf Strategie und Wetter konzentrieren. Die Technologie soll Aufgaben übernehmen, die sich automatisieren lassen. Segler behalten die Kontrolle über taktische Entscheidungen. Das System unterstützt, ersetzt aber nicht die Mannschaft. Ob diese Balance in der Praxis funktioniert, werden Tests zeigen müssen.

Carbon und Titan für extreme Belastungen

Der Rumpf besteht aus mehreren Lagen Carbonfaser. Diese Bauweise soll Steifigkeit bei geringem Gewicht liefern. Verformungen unter Last würden die Präzision der Foil-Steuerung beeinträchtigen. Ferrari setzt daher auf maximale Struktursteifigkeit. Besonders belastete Bereiche verstärkt eine Sandwich-Konstruktion. Lagen aus Carbon und Titan wechseln sich ab. Diese Kombination kommt aus dem Sportwagenbau. Die Foil-Arme und der Großsegel-Traveller nutzen diese Verstärkung. Titan erhöht die Festigkeit bei punktuellen Spitzenlasten. Carbon hält das Gewicht niedrig. Die Materialkombination ist im Bootsbau ungewöhnlich. Ferrari überträgt hier Leichtbautechniken aus der Automobilindustrie.

Patente-Flut aus Maranello für Ferrari Hypersail

Ferrari entwickelt das gesamte Projekt im eigenen Werk. Diese Entscheidung ermöglicht direkten Technologietransfer. Mehr als 18 Patente sind angemeldet. Das Winch-by-Wire-System ersetzt mechanische Winschen durch elektrische Steuerung. Windturbinen mit erweiterter Reichweite erzeugen Strom an Bord. Ein MV/HV-System integriert verschiedene Energiequellen. Ferrari kündigte diese Lösungen bereits im Juli 2026 an. Das Energiekonzept zielt auf Selbstversorgung ab. Ein drehbarer Mast trägt Winglets zur Strömungsoptimierung. Das Großsegel nutzt Doppelhaut-Konstruktion für bessere Kontrolle. Diese Details sollen Handling und Effizienz verbessern. Computersimulationen und Strömungsanalysen begleiten die Entwicklung.

Parallelen zwischen Auto und Boot

Ferrari zieht Vergleiche zur Fahrzeugentwicklung. Sportwagen und Foiling-Boote brauchen aerodynamische Effizienz. Elektronische Systeme müssen Bewegungen erfassen und korrigieren. Die Werkzeuge aus dem Automobilbau fließen in den Bootsbau ein. Simulationsmethoden und Rechenmodelle übertragen sich direkt. Die gewonnenen Daten sollen Ferraris Wissensbasis erweitern. Der Hersteller sieht das Projekt als Testfeld für integrierte Technologie. Ob die Übertragung in beide Richtungen funktioniert, bleibt abzuwarten. Die nächste Projektphase wird zeigen, wie zuverlässig die Systeme arbeiten.

Ausblick auf die Testphase

Mit fertigem Rumpf und montierten Anhängen beginnt die operative Phase. Die Werft bereitet das Boot für erste Wasserversuche vor. Rigg und Segel müssen noch komplettiert werden. Ferrari nennt keinen konkreten Termin für den Stapellauf. Die Erprobung wird zeigen, ob Flight Control wie berechnet funktioniert. Foiling-Systeme reagieren empfindlich auf Abstimmung und Justage. Kleine Fehler in der Kalibrierung können große Auswirkungen haben. Die Crew muss lernen, mit der Automatisierung zu arbeiten.

Größere Ziele gibt es offshore nicht

Mit dem Projekt verfolgt Ferrari mehrere sportliche Ziele. Das Boot soll Ultim-Trimarane wie “Gitana 18” oder “Sodebo” bei den großen Offshore-Regatten herausfordern, es soll Rekorde brechen und vor allem die Jules Verne Tophy nonstop um den Globus knacken. Aufgestellt wurde diese historische Bestmarke am 25. Januar 2026 von Thomas Coville aus Frankreich und seiner sechsköpfigen Crew an Bord des riesigen, foilenden Ultim-Trimarans “Sodebo Ultim 3”. Das Team schaffte es, in 40 Tagen, 10 Stunden, 45 Minuten und 50 Sekunden auf der klassischen Route von West nach Ost über die drei großen Kaps der Südhalbkugel. Die theoretisch kürzeste Route beträgt 21.600 Seemeilen.

Technische Daten

  • Länge: 100 Fuß (30,48 Meter)
  • Bauweise: Monohull mit Foiling-System
  • Rumpfmaterial: Mehrlagige Carbonfaser-Konstruktion
  • Verstärkungen: Carbon-Titan-Sandwich in hochbelasteten Bereichen
  • Foil-System: Seitliche Tragflächen plus Kiel-Foil mit beweglicher Klappe
  • Ruder: Mit kleiner Tragfläche und Steuerklappe
  • Steuerung: Flight Control System mit Sensoren, Bordcomputer und Aktuatoren
  • Mast: Drehbar mit Winglets
  • Großsegel: Doppelhaut-Konstruktion
  • Energiesystem: MV/HV-Integration mit Windturbinen
  • Winschen: Winch-by-Wire elektrisch
  • Status: Rumpf fertiggestellt, Anhänge montiert
  • Bauphase: Finale Konstruktionsphase

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Buchtipps

Boris Herrmann und das Rennen um die Welt beschreibt den Weg der „Malizia Seaexplorer“ von der Konstruktion über erste Tests bis zum Offshore-Einsatz. Autor Jochen Rieker beleuchtet dabei auch Rückschläge wie Foil-Bruch und Mastprobleme. Das Buch ergänzt den Blick auf Ferraris Hypersail um Erfahrungen aus einem anderen Hochseeprojekt: Welche Herausforderungen entstehen, wenn eine neu entwickelte Yacht ihre Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit auf See beweisen muss?

Enzo zeichnet das Leben des Ferrari-Gründers nach: von seinen Anfängen als Rennfahrer bei Alfa Romeo bis zum Aufbau einer weltweit bekannten Sportwagenmarke. Luca Dal Monte beschreibt auch dessen Führungsstil und die hohen Ansprüche an Mechaniker und Fahrer. Zum Hypersail-Projekt liefert die Biografie den historischen Markenhintergrund und einen Blick auf den Mann, der Ferrari bis heute prägt. (shop.delius-klasing.de)


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Fridtjof Gunkel

Fridtjof Gunkel

Stellvertretender Chefredakteur YACHT

Fridtjof Gunkel, geboren auf Helgoland, startete dort seine Segelkarriere im Opti und stieg schnell auf Kielboote um. Admiral’s Cup, Weltmeisterschaften und weitere internationale Regatten sowie eine Teilnahme im Whitbread Round the World Race Race waren seine prägenden seglerischen Stationen, ebenso wie ausgedehnte Fahrtentörns in Europa und Übersee. Bei der YACHT ist er bereits seit 1985. Er segelt privat einen Performance/Cruiser mit Liegeplatz an der Ostseeküste, seine Lieblingsreviere sind die schwedischen Schären und die Bretagne.

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