Vorn ein fein skulptierter Löffelbug, achtern eine Gillung zarter Ausformung untermalt von einem niedrigen Freibord. Darüber ein Carbon-Rigg und Beschläge, wie man sie auf modernen IRC-Racern findet. Diesen scheinbaren Widerspruch bildet die erste neue Q7 „Victoria“, die im April 2026 zu Wasser kam – exakt 100 Jahre nach dem Original. Treibende Kraft hinter dem Projekt ist der in Kalifornien lebende Brite Peter Silvester. Der Gründer von Q7 Yacht Designs kaufte die originale „Falcon“ und entwickelte daraus ein Neubauprojekt. Das Konzept orientiert sich an der Philosophie von Restomods von Firmen wie Singer Vehicle Design oder Eagle E-Types, die klassische Automobile mit moderner Technik neu auflegen. Jedoch ist es Peter Silvesters Ansinnen neu zu bauen – in einer wohlbedachten Melange aus erhalten und modernisieren.
Zehn Jahre vor den majestätischen J-Class-Yachten, die durch den America’s Cup berühmt wurden, dominierten kleinere Boote die Regattafelder an der Ostküste der USA in den 1920er Jahren. Die nach denselben „Universal Rules“ konzipierten Q-Class-Boote besaßen die charakteristischen Überhänge und den kraftvollen Segelplan ihrer größeren Geschwister, waren aber mit 13,5 bis 15 Metern Länge wendiger und leichter zugänglich. Schnell, robust und schön: 20 bis 30 dieser sogenannten „Mini-Js“ wurden von den besten Konstrukteuren und Bootsbauern ihrer Zeit entworfen, darunter Burgess, Herreshoff, Anker und Alden. Mindestens sechs der Originalboote sind nachweislich bis heute im Einsatz.
Silvester versteht sich als Bewahrer auf ganzer Linie, sein Rezept für die Wiederbelebung der Q-Klasse: Originale Boote erhalten und fördern, Restaurierungen verbleibender Originalrümpfe anregen und die Klasse eben durch hochwertige Neubauten beleben – für weitere 100 Jahre Segelgeschichte. „Unsere Falcon Study repräsentiert eine neue und aufregende Nische in der modernen Segelbootfertigung – klassische Designs werden wieder zum Leben erweckt, indem sie für ein neues Jahrhundert neu gedacht werden“, sagt Peter Silvester, Gründer von Q7 Yacht Designs.
Ähnliches haben bereits die gut drei Meter größeren P-Class-Schwestern geleistet. Die gaffelgetakelten Yachten erlebten auf Initiative von „Mr. America’s Cup” Bruno Troublé eine beispiellose Renaissance. Allerdings sind die vier rege im Mittelmeer gesegelten P-Vertreterinnen aus Restaurationen hervorgegangene Originale, bei denen teils keine Leiste auf der anderen geblieben ist. Aus so einem Total-Refit bei John Anderson in Maine ist auch Silvesters Ur-”Falcon” hervorgegangen.
Unter dem Label „Q7 Falcon“ sollen weitere Einheiten nach Plänen entstehen, die große Rücksicht auf die Tradition nehmen. Peter Silvester nutzte tausende Stunden praktischer Erfahrung im Segeln und in der Pflege seiner alten „Falcon“, um die neue Q7 zu entwerfen. Ihm zur Seite standen die niederländischen Konstrukteure von Dykstra, die das Aufleben der J-Class in den frühen 1990er Jahren begleiteten, und die die originalen Q-Linienrisse von Starling Burgess revitalisierten und sie für die heutige Fertigung anpassten.
Das Team stellte sämtliche Paramater zur Disposition und wog individuell ab. Und ging die Frage aller Fragen an: Beim Langkiel bleiben? Man kam zu einem Ja, denn der ursprüngliche Ballastträger sorge für Stabilität, eine große Ruderfläche und einen relativ geringen Tiefgang. Zudem lasse sich dadurch eine Kabine mit voller Stehhöhe unterhalb des Aufbaus realisieren, um Interessenten mit Ambitionen für das Fahrtensegeln nicht abzuschrecken. Und schließlich wollte man im Geist der „Universal Rule“ handeln, die als Reaktion auf Konstruktionen aufkam, die mit ihrem singulären Fokus auf Regatten zwar leicht und schnell, aber auch zerbrechlich und teuer geworden waren.
Seinen Bauplatz fand der erste Q-Class-Neubau bei Spirit Yachts. Nicht von ungefähr landete man an der britischen Ostküste in Ipswich, wo seit 1993 moderne Neuinterpretation von Klassikern entstehen. Natürlich handgefertigt aus Holz, aber in Verbindung mit modernen Harzen, Materialien und Technologien. Der Rumpf wiegt dadurch weniger als das Original und benötigt weniger Wartung. Die Abmessungen bleiben identisch: 14,2 Meter Gesamtlänge, 9,45 Meter Wasserlinie, 2,75 Meter Breite und zwei Meter Tiefgang. Die Verdrängung liegt bei 9,97 Tonnen.
Adrian Gooderham, Werftmanager bei Spirit Yachts, beleuchtet Unterschiede zwischen dem Q7- und einem Spirit-Projekt wie dem 111-Fuß-Bau „Geist“: „Zunächst entschied sich der Eigner für mehr Ringspanten, als wir bei ähnlicher Größe üblicherweise einbauen würden, da er im Innenraum mehr Spanten sehen wollte – als ästhetische Anlehnung an die ursprünglichen Q-Klasse-Yachten. Die Originale hatten 85 bis 90 eng stehende Spanten, die Q7 hat 20, und bei einer Spirit würden wir normalerweise etwa die Hälfte davon einbauen.“
Die Ringspanten aus Sipo-Mahagoni wurden nach bewährter Methode gefertigt: Furniere werden zusammenlaminiert und über maßstabsgetreue Zeichnungen in Form gespannt. Das Aufbringen der horizontalen Rumpfbeplankung aus Douglasie war anspruchsvoller als üblich: „Wir mussten auf einen passgenauen Sitz am Übergang zum Langkiel achten – Spirit-Yachten haben moderne Kiele mit Finne und Bombe.“ Danach folgte der gewohnte Rumpfaufbau: Khaya-Doppeldiagonalfurniere und eine dünne Glasfaserschicht wurden aufgebracht, mit Epoxidharz ausgehärtet und anschließend sorgfältig gespachtelt und verschliffen, um eine glatte Rumpfoberfläche zu erzielen.
Zum Q7-Innenausbau sagt Adrian Gooderham: „In enger Abstimmung mit unserem hauseigenen Designteam legte der Eigner für die Yacht ein luxuriöses Interieur fest: Außen sollte eine traditionelle Ästhetik gewahrt bleiben, die den Originalplänen treu ist, innen hingegen sollte der „Wow-Faktor“ zählen. Maßgefertigte Möbelstücke wie der „Whisky-Schrank“ und eigens entworfene Sessel sowie die „Kapsel“, in der Galley und Sanitärbereich untergebracht sind, mussten gleichermaßen schön, seegängig und renntauglich sein und dabei mit der gesamten Schiffstechnik harmonieren – Technik, die in einem Original-Q nicht vorhanden gewesen wäre.“
Auf Wunsch des Eigners wurde die Q7 nach einem sehr hohen Standard fertiggestellt: So sind etwa die Innenseiten aller Stauräume und die Unterseiten der Bodenplanken nicht gestrichen, sondern lackiert – als würden sie zur Schau gestellt. Das kostet natürlich Zeit: Die Bauzeit für eine vergleichbare Yacht dieser Größe läge bei 18.000 Stunden, die Q7 aber hat 30.000 Stunden in Anspruch genommen.
Hall Spars lieferte Mast und Baum aus High-Modulus-Karbonfasern. Future Fibers steuert die ECthree-Takelage bei, ebenfalls aus Carbon. Das steifere Material spart über 50 Prozent Gewicht in der Höhe und macht laufende Backstagen überflüssig. Das Tuch von Quantum Sails kombiniert weißes Dyneema, Technora und Carbonfasern in einer proprietären Membran. Aus der Entfernung wirken sie wie traditionelle weiße Segel, im Gegenlicht zeigt sich die moderne Konstruktion. Viele der ursprünglichen Klassiker, darunter „Falcon“, haben sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt und verwenden nun einen kürzeren Baum, wodurch ein Achterstag hinzugefügt werden konnte.
Harken lieferte Beschläge und elektrische Performa-Winschen. Peter Silvester und sein Team entschieden sich für Vorsegel-Furler, moderne Navigationselektronik und Autopilot. Außerdem schiebt bei Flaute ein Elektroantrieb von Elco an, den bei Bedarf eine Lithium-Feststoffbatterie von Solid State Marine mit zu 40 Kilowattstunden Kapazität speist. Ein einziehbares elektrisches Bugstrahlruder erleichtert das Manövrieren in engen Marinas. Das Boot lässt sich von einer oder zwei Personen segeln, bei Regatten passen sechs Crewmitglieder an Bord.
Q7 Yacht Designs plant sieben Einheiten, die erste sei bereits reserviert. Die Bauzeit beträgt 18 bis 24 Monate, und der Preis liegt zwischen 3,2 und 3,6 Millionen Euro, abhängig von der Ausstattung. Jede Baunummer erhält einen maßgefertigten „Whisky-Tisch“ für den Lieblingstropfen des Kunden oder ein anderes Getränk nach Wahl, ergänzt durch zwei luxuriöse, handgefertigte und gepolsterte Sessel (Backbord) und ein passendes Dreisitz-Sofa (Steuerbord).
Eigner wählen aus einer Vielzahl an Oberflächen zur persönlichen Gestaltung, darunter nachhaltig gewonnene Holzfurniere sowie eine Auswahl aus tausenden Stoffen und Ledern für Polsterungen und Akzentpaneele – einschließlich der Möglichkeit, ein eigenes Leder-„Flechtmuster“ zu entwerfen. Maßgefertigte Matratzen und Bettwäsche werden bereitgestellt, personalisierbar durch Handstickerei. Zudem erhalte jeder Eigner ein eigenes Set Q7-Gepäck – eine maßgefertigte Kollektion aus Koffern und Aufbewahrungskisten, exklusiv entworfen und handgefertigt von Globe-Trotter.

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV