Die YACHT Classic ist ein eigenes Magazin, das 2006 entstanden ist und jetzt 20 Jahre alt wird. Es ist eine Sonderausgabe der YACHT, nur klassischen Yachten gewidmet. Nicht nur den Yachten selbst, sondern der gesamten Szene: dem Bootsbau, den Menschen, die die Szene prägen, und der Art und Weise, wie man mit diesen Schiffen umgeht – sowohl pflegerisch als auch beim Segeln.
Und dann gibt es die ganzen Randthemen, die sich ergeben, wenn man in diese Zeit abtaucht, in der die Schiffe gebaut und aktiv gesegelt wurden. Das liegt bei einigen schon über 100 Jahre zurück. Es ist mittlerweile ein buntes Potpourri geworden.
Der Begriff “Klassische Yacht” stammt aus der Szene selbst und meint Yachten, die für das Sportsegeln gebaut wurden – in Abgrenzung zu traditionellen Arbeitsfahrzeugen. Es geht um den Yachtsport als solchen. Die Boote müssen traditionell gebaut sein, also aus Holz, klassisch auf Kiel und Spanten geplant. Im erweiterten Sinne gibt es auch klassische Stahlyachten und modernere Holzbauweisen.
Ob es sich um einen Klassiker handelt, wird jedoch nicht an Jahreszahlen festgemacht, wie bei Autos. Wenn sich heute jemand hinsetzt und ein Schiff traditionell nach alten Plänen baut, kann es auch ein Klassiker werden.
Arndt Georg Nissens Geschichte ist ein Thema, das mir seit Jahren im Kopf herumspukt. Der Mann war Segler und Künstler und hat sehr früh angefangen, auf Schiffen, auf denen er gesegelt ist, alles in Bildern und Zeichnungen festzuhalten. In einer Zeit, als es nicht üblich war, Fotokameras an Bord zu haben. Vor allem vor dem Zweiten Weltkrieg, als die Szene der Hochseesegler winzig klein war.
Age Nissen brachte unglaubliche Zeichnungen und Aquarelle mit nach Hause, die bis heute wichtige Zeugnisse dieser Zeit sind. Wer sich mit dem Beginn der deutschen Blauwassersegelei beschäftigt und das visuell haben möchte, der kommt an Age Nissen nicht vorbei.
Nach dem Krieg, als die YACHT mit ganz primitiven Mitteln wieder aus der Taufe gehoben wurde, war Age Nissen resultierend aus seiner Freundschaft zum damaligen Chefredakteur der Mann, der das Heft illustrierte. Er war das Gesicht der YACHT.
Marianne Nissen ist eine geschätzte Kollegin, die hier im Hause Delius Klasing ihr fast gesamtes Berufsleben verbracht hat. Sie ist die Gründerin des Magazins BOOTE EXCLUSIV und war auch seglerisch sehr aktiv. Sie hat eine sehr persönliche Geschichte aufgeschrieben, in der sie aus der Innensicht beschreibt, wie das Schaffen ihres Vaters zustande kam. Das macht viel Spaß zu lesen.
Das ist eine Geschichte, die mich selbst verblüfft hat und von außen an uns herangetragen wurde. Wer das Mercedes-Benz-Museum besucht, wird darauf gestoßen, weil die “Marie”, eines von Daimlers Schiffen dort steht.
Der Hintergrund ist, dass Daimlers Benzinmotor zunächst auf wenig Interesse stieß und schließlich als Schiffsantireb bekannt gemacht wurde. Das fand ich äußerst interessant. Die “Marie” war ein Geschenk an Otto von Bismarck. Da wurde eine dieser sogenannten “Standuhren” eingebaut, ein hochzylindrisch stehender Verbrenner von Daimler. Später wurde dieser Motor dann auch in andere Fahrzeuge eingebaut, als man sich davon überzeugen konnte, dass er funktioniert.
Wenn der auf See funktioniert, dann erst recht an Land.. Genau. Das werden die Leute sich wahrscheinlich gedacht haben.
Das Spannende an der Örn ist, dass der jetzige Eigner das Schiff vor drei, vier Jahren restaurieren ließ und auf die Idee kam, das Rigg, das über die Jahre durch ein 7/8-Rigg ersetzt worden war, wieder durch ein Gaffelrigg zu ersetzen – wie im Original von 1911.
Er wandte sich an die Konstrukteurin Juliane Hampel, die tatsächlich ein hochmodernes Rigg konstruiert hat: verleimt aus einzelnen Stäben, hohl, mit variablen Profilen. Von außen sieht es genauso aus wie im Baujahr, ist auch aus Holz, aber hat natürlich ganz andere Eigenschaften. Viel leichter, verwindungsfester – das ist richtig Hightech und sieht aber aus wie uralt und original.
Natürlich ist das bis zu einem gewissen Grad irrational. Aber der Eigner ist heute unglaublich froh über diese Entscheidung, segelt mit dem Schiff und ist glücklich. Er führt es auch mit dem Anspruch, schnell zu sein. Genau so war es schon 1911: Damals war es ein Sechser, der für eine Olympiaausscheidung gebaut wurde.
Was wir viel stärker merken als die Wirtschaftskrise, ist der demografische Faktor. Viele Leute haben in den 1980er- und Nullerjahren mit viel Liebe, Geld und eigener Arbeit Schiffe instand gesetzt. Diese Eigner wollen jetzt langsam aussteigen, weil sie in ein Alter kommen, wo man das einfach nicht mehr bewerkstelligen kann oder möchte. Und es wachsen nicht im gleichen Maße Leute nach.
Das Faszinierende ist jedoch: Ein klassisches Holzschiff ist, wenn man das Know-how und das Material hat, immer reparierbar, ohne dass man abreißen und neu bauen muss. Die Leidenschaft dafür hat sich nicht nur bei den Eignern erhalten, sondern auch bei den Bootsbauern. Es gibt wirklich viele Betriebe, die diese Handwerkskunst bis heute meisterlich beherrschen und auch an Nachwuchs weitergeben.
Die YACHT Classic erscheint ein- bis zweimal im Jahr und kostet 11,90 Euro. Für alle YACHT-Abonnenten ist sie im Abonnement inklusive. Man kann sie aber auch am Kiosk kaufen oder beim Buchhändler bestellen. Seit dem 20. Mai ist die neue Ausgabe im Handel.
Wir bekommen immer wieder Rückmeldungen von Leserinnen und Lesern, die uns erzählen, dass sie unser Magazin auf den Nachttisch legen und abends nach und nach eine Geschichte nach der anderen lesen. Das freut uns natürlich sehr. Es ist tatsächlich eine bunte Sammlung ganz unterschiedlicher Themen und Geschichten.
Das vollständige Interview hören Sie in unserem Podcast.
Das könnte Sie auch interessieren:

Volontärin