Historischer Großsegler“Eye of the Wind” feiert Jubiläum

Martin Hager

 · 03.06.2026

Historischer Großsegler: “Eye of the Wind” feiert JubiläumFoto: FORUM train & sail
Die Brigg “Eye of the Wind” begeht diesen Herbst ein besonderes Jubiläum. Vor genau 50 Jahren startete das Schiff unter seinem heutigen Namen zur ersten Fahrt von Ramsgate aus. Ein sechstägiger Jubiläumstörn ab Kiel würdigt die bewegte Geschichte des Traditionsseglers, der anschließend eine umfangreiche Überholung durchläuft.

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Am 25. September jährt sich der Start der ersten Fahrt unter dem Namen “Eye of the Wind” zum 50. Mal. In Ramsgate an der englischen Kanalküste begann die maritime Karriere des Zweimasters nach einer mehrjährigen Komplettsanierung. Die Brigg umrundete in den folgenden Jahren mehrfach den Globus, führte wissenschaftliche Expeditionen an und diente bei Hollywood-Produktionen als Kulisse. Ein Jubiläumstörn im September würdigt die Geschichte. Ab November steht ein mehrmonatiger Werftaufenthalt an, der den Erhalt des Traditionsseglers für mindestens zehn weitere Jahre sichern soll. Das Comeback nach der Werftzeit ist beim Hamburger Hafengeburtstag vorgesehen – an jenem Ort, wo die maritime Geschichte des Schiffes einst begann.

Vom Frachtschiff zur Segellegende

Bei der Lühring Werft in Brake an der Unterweser läuft im Jahr 1911 ein Gaffelschoner vom Stapel. Unter dem Namen Friedrich wird das Fahrzeug im Hamburger Schifffahrtsregister eingetragen und im Südamerika-Handel eingesetzt. Nach zwölf Jahren verkauft der Eigner das Schiff nach Schweden. Dort beginnt die schrittweise Umrüstung vom Segel- zum Motorschiff. Bereits 1926 werden die Masten entfernt und ein leistungsstarker Motor eingebaut. Unter wechselnden Namen und Eignern befährt das Fracht- und Fischereischiff die Ost- und Nordsee. Ein ruhigeres Dasein als Transportschiff für Post und Güter ist vorgesehen. Diese Pläne zerschlagen sich jedoch im Jahr 1969. Ein verheerender Schiffsbrand vom Maschinenraum ausgehend vernichtet die Deckshäuser und das Holzdeck. Der Einsatz auf See endet abrupt.

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Wiedergeburt als Brigg

Das Schicksal des Schiffes berührt begeisterte Segelschiff-Liebhaber. Sie beginnen 1973 mit umfangreichen Umbaumaßnahmen zum Schiffstyp Brigg. Das triste Dasein als Frachtschiff endet. Der Zweimaster ist unter seinem neuen Namen “Eye of the Wind” nun bereit, großen Abenteuern auf See entgegen zu fahren. Gleich bei der 1976 beginnenden ersten Fahrt wird der Globus umrundet. Die Weltreise führt nach Australien, in die Südsee und um das berüchtigte Kap Hoorn. Kaum ist diese 1978 beendet, wartet schon die nächste Herausforderung. Unter der Schirmherrschaft von Prince Charles, dem heutigen King Charles III., wird der Eye of the Wind die Ehre zuteil, als Flaggschiff die Operation Drake anzuführen. An dieser knapp zweijährigen Expeditionsreise auf den Spuren des berühmten Seefahrers rund um den Globus nehmen während verschiedener Etappen mehr als 400 internationale Crewmitglieder teil.

Hollywood entdeckt den Großsegler

Die imposante Erscheinung erregt auch in der Filmbranche Aufmerksamkeit. Die Eye of the Wind durchkreuzt mehrmals die Gewässer bei Filmsets großer Hollywood-Produktionen. Wie im wahren Leben trotzt der Großsegler auch vor der Kamera wilden Stürmen, strandet, brennt aus und sinkt. In dem Abenteuerstreifen “Die Blaue Lagune” aus dem Jahr 1980 dient das Schiff ebenso als Filmkulisse wie im Piratenfilm “Savage Island” von 1983. Weitere Auftritte folgen in “Taipan 1986” und “White Squall / Reißende Strömung” 1996. Namhafte Hollywood-Stars wie Brooke Shields und die beiden Oscar-Preisträger Tommy Lee Jones und Jeff Bridges hielten schon das Steuerrad in die Hand.

Neue Aufgaben für “Eye of the Wind”

Nach einer weiteren Rundung des Kap Hoorn ist der Großsegler bis in das Jahr 2000 als Segelschulschiff auf allen Weltmeeren unterwegs. Das Schiff steuert die bekanntesten Häfen der Welt an. Bei Tall Ship Regatten rund um den Globus erhält es in dieser Zeit mehrfach Auszeichnungen als schönstes maritimes Fotomotiv.

​Traditionelles Segeln von Hand

Die Segel mit einer Gesamtfläche von rund 750 Quadratmetern werden ausschließlich mit reiner Muskelkraft gesetzt und geborgen. Gesegelt wird nach wie vor komplett im Handbetrieb. Das macht die "Eye of the Wind" zu einem authentischen Zeugnis traditioneller Seefahrt – und zu einer besonderen Herausforderung für die Besatzung. Heute wird der Traditionssegler weltweit für Segeltörns und Charter-Reisen eingesetzt. Privatpersonen können an Urlaubstörns teilnehmen, die in die Nordsee, Ostsee, zu den Kanarischen Inseln und in die Karibik führen.

Technische Spezifikation:

  • Baujahr: 1911
  • Länge: 40,23 Meter
  • Breite: 7,01 Meter
  • Geschwindigkeit: 8 Knoten
  • Segelfläche: 750 Quadratmeter

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Martin Hager

Martin Hager

Chefredakteur YACHT und BOOTE Exclusiv

Martin Hager ist Chefredakteur der Magazine YACHT und BOOTE EXCLUSIV. Er segelt seit seiner Kindheit, Surfen, Kitesurfen und Wingfoilen ergänzen seit vielen Jahren seinen sportlichen Horizont. Die Liebe zum Wassersport führte ihn zum Schiffbaustudium und von dort im Jahr 2004 in die Hamburger Redaktion des Delius Klasing Verlages. Seine Leidenschaft für den Bootsbau, die Yachtbranche und die spannenden Charaktere, die das Yachting prägen, gibt er mit Freude weiter – sei es in seinen Artikeln, als auch im Gespräch mit Lesern und der Branche.

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