Ein Stück Seefahrtsgeschichte nimmt Kurs auf Bremerhaven: Die „Eye of the Wind" wird heute, am Donnerstag, 30. April, im Neuen Hafen erwartet. Für den morgigen ersten Mai ist ein open ship geplant: Besucher können das Brigantine von 14 bis 18 Uhr kostenlos besichtigen. Der Liegeplatz befindet sich direkt vor dem Deutschen Auswandererhaus.
Gut 40 Meter lang, sieben Meter breit, zwei Masten und rotbraune Segel: Die Silhouette der "Eye of the Wind" ist unverwechselbar. Der Stahlrumpf trägt ein Teakdeck, die Takelung spannt sich über 750 Quadratmeter Segelfläche. Wenn die Brigantine unter vollen Segeln läuft, zeigt sich traditionelle Seefahrt, wie sie vor über hundert Jahren aussah. Am 30. April macht das Schiff in Bremerhaven fest – dort, wo seine Geschichte begann.
Denn gebaut wurde das Schiff im Jahr 1911 auf der Lühring-Werft in Brake an der Unterweser. und lief am 19. Juli desselben Jahres ins Hamburger Schiffsregister ein. Am 19. Juli desselben Jahres erfolgte der Eintrag ins Hamburger Schiffsregister - damals unter dem Namen „Friedrich", benannt nach seinem Eigner, Kapitän Johann Friedrich Kolb aus Fockbek bei Rendsburg. Jetzt kehrt der Zweimaster in seine Heimatregion zurück – und das mit einer Geschichte, die Seglerherzen höher schlagen lässt.
Am 1. Mai öffnet die "Eye of the Wind" von 14 bis 18 Uhr ihre Luken für Besucher. Der Eintritt ist frei. Der Liegeplatz befindet sich direkt vor dem Deutschen Auswandererhaus im Neuen Hafen. Die Besatzung beantwortet an Bord Fragen zum Schiff und zu seiner besonderen Geschichte. Besucher können sich mit der Crew austauschen, mehr über das Schiff erfahren, Seemannsknoten kennenlernen und einen Bordstempel sammeln.
Das Schiff war ursprünglich für Atlantiküberquerungen konzipiert: Es transportierte Salz von Deutschland zum Río de la Plata in Südamerika, auf der Rückfahrt brachte es Rinderhäute mit. Nach mehreren Verkäufen – 1924 nach Schweden unter dem Namen „Sam", zwei Jahre später als Motorschoner „Merry" – kreuzte das Schiff 30 Jahre lang als Frachtschiff durch Ost- und Nordsee.
Im Herbst 1955 strandete sie bei einem schweren Sturm an der schwedischen Westküste. Das Wrack wurde geborgen, repariert und als eineinhalb-mastiger Schoner „Rose Marie" wieder in Betrieb genommen, zeitweise für Treibnetzfischerei vor Island. 1973 begann das neue Leben des Schiffes, als es vom britischen Enthusiasten Anthony „Tiger" Timbs erworben wurde. Gemeinsam mit einer Gruppe begeisterter Schiffsliebhaber begann er, das Schiff als Brigantine zu riggen.
Die imposante Erscheinung des Großseglers blieb auch Hollywood nicht verborgen. In Abenteuerfilmen „Blue Lagoon" (1980), „Nate and Hayes" (1983), „Tai-Pan" (1986) und „White Squall" (1996) diente das Schiff als Kulisse. Namhafte Hollywood-Stars wie Brooke Shields und die beiden Oscar-Preisträger Tommy Lee Jones und Jeff Bridges hielten schon das Steuerrad in Händen.
Die Segel mit einer Gesamtfläche von rund 750 Quadratmetern werden ausschließlich mit reiner Muskelkraft gesetzt und geborgen. Gesegelt wird nach wie vor komplett im Handbetrieb. Das macht die "Eye of the Wind" zu einem authentischen Zeugnis traditioneller Seefahrt – und zu einer besonderen Herausforderung für die Besatzung.
Heute wird der Traditionssegler weltweit für Segeltörns und Charter-Reisen eingesetzt. Privatpersonen können an Urlaubstörns teilnehmen, die in die Nordsee, Ostsee, zu den Kanarischen Inseln und in die Karibik führen.
Die "Eye of the Wind" ist nicht nur ein Passagierschiff, sondern ein aktives Ausbildungsschiff. Das bei “Sail Training International” registrierte Schiff bietet strukturierte Trainingsprogramme an, die von praktischer Seemannschaft bis zu Führungskräfte-Seminaren reichen. Gäste lernen an Bord das Wachhalten, die Handhabung von Leinen und Segeln, Navigationsregeln sowie Rudergänger- und Ausguckdienste.
Für verschiedene Manöver müssen Ziele gesetzt, Abläufe mit der Crew besprochen und Verantwortlichkeiten verteilt werden. Unter Anleitung von Coaches und mit Unterstützung von Kapitän und Crew üben die Trainingsteilnehmer Wenden, Halsen und Mann-über-Bord-Manöver. Nach jedem Manöver folgt das Feedback – vom Seminarleiter, vom Kapitän und von der Crew.
Für Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren gibt es ein spezielles Programm zum halben Preis. Das Ziel: traditionelle Seemannschaft am Leben zu erhalten und an die nächste Generation weiterzugeben. Wer die Route des Schiffes auf Tracking-Portalen verfolgt, sieht die Ausbildung in Aktion: Zickzack-Kurse im Fahrwasser deuten darauf hin, dass stundenlang Manöver trainiert wurden.
Gerade für Familien, Schiffsfans und Ausflügler bietet sich der Termin am Feiertag an. Der Neue Hafen liegt zentral, das Deutsche Auswandererhaus, der Zoo am Meer und die Havenwelten befinden sich in direkter Nähe.
Wer mehr über maritime Geschichte erfahren möchte, sollte einen Besuch im Deutschen Schifffahrtsmuseum einplanen. Das Museum ist eines der bedeutendsten maritimen Museen Europas und bietet eine maritime Zeitreise von der Antike bis zur Gegenwart. Zu den Exponaten gehört eine im Jahr 1962 in der Weser gefundene Bremer Hansekogge aus dem Jahr 1380. Ein weiteres Highlight ist die "Grönland", ein über 30 Meter langer norwegischer Robbenfänger und Küstenfrachter von 1867, der heute als eines der Ausstellungsstücke segelfähig gehalten wird.
Die Brigantine mit ihren markanten rotbraunen Segeln bleibt drei Tage in Bremerhaven. Besucher können an Bord Seemannsknoten ausprobieren, Bordstempel sammeln – und das alles bei freiem Eintritt.
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Redakteurin Panorama und Reise