Comeback auf der ElbeLotsenschoner “No. 5 Elbe" wieder unter Segeln

Fabian Boerger

 · 13.10.2026

Der Lotsenschoner "No. 5 Elbe" segelt wieder - hier bei einer Probefahrt Ende September auf der Elbe.
Foto: Jens Möller / Förderverein „Freunde des Lotsenschoners No. 5 ELBE“
Ende September 2026 setzte der Hamburger Lotsenschoner “No. 5 Elbe“ zum ersten Mal seit 2019 wieder die Segel. Begleitet wird das Comeback von einer neu erschienenen NDR-Dokumentation. Sie zeigt die Geschichte des Schoners, die Jahre nach der verheerenden Kollision und den Wiederaufbau.

Themen in diesem Artikel

Der 8. Juni 2019 hätte ein guter Tag werden sollen. Der Lotsenschoner “No. 5 Elbe“ war nach einem monatelangen Werftaufenthalt im dänischen Hvide Sande gerade erst nach Hamburg zurückgekehrt. Neue Außenplanken, ein neuer Achtersteven, eine aufwendig restaurierte Rumpfstruktur: 1,5 Millionen Euro hatte der Refit gekostet. 43 Personen waren an Bord, als das Schiff auf der Unterelbe unterwegs war.

Um 13:54 Uhr, bei Stadersand, rissen zwei Vorsegel los. Während die Crew damit beschäftigt war, befand sich die „No. 5 Elbe“ laut dem späteren Untersuchungsbericht auf der falschen Fahrwasserseite. Das entgegenkommende Containerschiff „Astrosprinter“ konnte nicht mehr abdrehen. Es kam zur Kollision.

Den ganzen Unfallbericht der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchungen lesen Sie hier.

Während der Hergang des Unglücks im BSU-Bericht detailliert festgehalten ist, ist die Schuldfrage noch nicht abschließend geklärt. Klar ist: Acht der 43 Personen an Bord wurden bei dem Unfall leicht verletzt. Der schwer beschädigte Lotsenschoner erreichte noch die Schwingemündung, lief kurz vor dem Pier auf Grund und sank.

Mehr als 140 Jahre auf den Weltmeeren

Was da in der Elbe versank, war kein gewöhnlicher Segler. 1883 bei H. C. Stülcken Wwe in Hamburg gebaut, diente der Gaffelschoner drei Jahrzehnte als Lotsenzubringer in der Elbmündung und der Deutschen Bucht. Nach der Außerdienststellung 1924 gelangte das Schiff über mehrere Stationen in amerikanische Hände und wurde auf den Namen „Wander Bird“ umgetauft.

Skipper Warwick M. Tompkins überquerte damit den Atlantik 13-mal und umrundete 1936/37 Kap Hoorn. Seine Kinder Ann und Warwick, vier und sechs Jahre alt, gehörten zur Besatzung. 2002 holte die Stiftung Hamburg Maritim den Schoner aus Seattle zurück nach Hamburg, 2016 wurde er in die Hamburger Denkmalliste aufgenommen.

Bergung, Werft, Comeback

Nach dem Unfall folgte die Bergung, dann erneut die Werft in Hvide Sande. Der Kiel war gebrochen, mehrere Spanten mussten ersetzt, rund 130 Meter Außenhautbeplankung erneuert und das Backbordbollwerk instandgesetzt werden. Nach Angaben des Fördervereins “Freunde des Lotsenschoners No. 5 Elbe” summierten sich die Gesamtkosten für Bergung und Restaurierung auf über zwei Millionen Euro, getragen unter anderem durch Mittel vom Bund, einer Förderung der Freien und Hansestadt Hamburg sowie private Spenden.

Den Innenausbau, das Rigg und die Schiffstechnik rekonstruierten seitdem ehrenamtliche Mitglieder des Fördervereins. Ende September 2026 war das Schiff zum ersten Mal wieder unter Segeln auf der Elbe unterwegs. Fertig sei es noch nicht, teilt der Verein mit. Doch die Ausfahrt diente dazu, zu testen, was bereits funktioniert, und wo noch Potenzial ist.

Geschichte der “No. 5 Elbe“ erzählt in NDR-Doku

Wer die Geschichte des Schoners und den Weg zurück auf die Elbe ausführlich nachvollziehen möchte, findet in der ARD-Mediathek eine passende Ergänzung.

Die NDR-Dokumentation „Phoenix aus der Elbe – Die 7 Leben des Hamburger Lotsenschoners“ aus der Reihe “Die Nordstory“ ist seit dem 9. Oktober 2026 abrufbar. Sie begleitet sowohl die bewegte Biografie des Traditionsschiffs als auch den langen Wiederaufbau nach dem Unglück.

Die ganze NDR-Doku sehen Sie auch hier:


Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Fabian Boerger

Fabian Boerger

Redakteur News & Panorama

Fabian Boerger ist an der Lübecker und Kieler Bucht zuhause – aufgewachsen in diversen Jollen und an Bord eines Folkeboots. Seit September 2024 arbeitet er als Redakteur im Panorama- und News-Ressort und verbindet dort seine Leidenschaften für das Segeln und den Journalismus. Vor seiner Zeit bei Delius Klasing studierte er Politikwissenschaften und Journalistik, arbeitete für den Norddeutschen Rundfunk und das ZDF. Sein Volontariat machte er bei der MADSACK Mediengruppe (LN, RND). Jetzt berichtet er über alle Themen, die die Segelwelt bewegen – mit dem Blick des Praktikers und der Präzision des Journalisten.

Meistgelesen in der Rubrik Yachten