Klappen, schwenken, schiebenWelcher trailerbare Trimaran hat die beste Lösung?

Cati Erdmann

 · 25.10.2026

Tricat 8.50: viel Segelfläche und mehr Wohnraum.
Foto: Trimarans Tricat
​Trailerbare Trimarane verbinden sportliche Segelleistungen mit einem variablen Liegeplatzkonzept und der Möglichkeit, das Revier per Straße zu wechseln. Corsair 760, Dragonfly 25, Astus 26.5 und Tricat 8.50 lösen die zentrale Platzfrage jedoch auf unterschiedliche Weise.

Themen in diesem Artikel

Corsair klappt, Dragonfly und Tricat schwenken, Astus schiebt: Die vier Werften verfolgen unterschiedliche Lösungen, um ihren Trimaran vom breiten Segelboot zum schmaleren Hafen- oder Trailerpaket zu machen. Dabei unterscheiden sich die Modelle deutlich bei Bedienung, Segelleistung und Wohnkomfort. Der Corsair 760 und der Dragonfly 25 setzen klare sportliche Akzente. Astus 26.5 und Tricat 8.50 bieten mehr Platz für kurze oder längere Törns. Beim Ausbau reicht das Spektrum von campingnaher Funktionalität bis zum separaten Toilettenraum mit mehr als 1,80 Meter Stehhöhe im Salon.

​Corsair 760: schnell und funktional

Die neuen Schwimmer haben negative Steven
Foto: YACHT/N. Krauss
Rumpflänge: 7,39 m; Breite: 2,50 bis 5,46 m; Gewicht: 950 kg; Preis: ab 85.200 Euro.

Der Corsair 760 ist ein moderner Trimaran aus Vietnam, dessen bewährter Mittelrumpf mit neuen, voluminöseren Seitenschwimmern kombiniert wurde. Sie haben negative Steven, liefern viel Auftrieb und tauchen auch bei kräftigem Wind erst spät mit dem Bug ein.

Im Test bei böigem Wind mit Spitzen über 20 Knoten überschritt der Corsair mühelos die Zehn-Knoten-Marke. Als Höchstwert standen 14,6 Knoten auf der Logge. Mit Großsegel und Fock lief das Boot ausgewogen, unter Gennaker schnell und stabil. Auf der Kreuz lag der Wendewinkel bei rund 100 Grad. Gelegentlich waren an den verschraubten Beam-Verbindungen Knarzgeräusche zu hören.

Zum Verkleinern der Breite werden die Seitenrümpfe mit einem Hebelmechanismus teilweise unter den Mittelrumpf geklappt. Dafür müssen vier Bolzen und die Wanten gelöst werden. Das Boot wird dabei nicht länger, verliert im schmalen Zustand aber Stabilität bei Hafenmanövern. Die Luken der Schwimmer sind dann nur eingeschränkt erreichbar.

Unter Deck bleibt der Trimaran funktional. Das Hubdach bringt im Niedergangsbereich etwa 1,90 Meter Stehhöhe. Eine mobile Pantry, eine verschiebbare Staukiste und eine umbaubare Liegefläche reichen für kurze Touren, der Wohnkomfort bleibt jedoch campingnah.

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Dragonfly 25: steif gebaut und hochwertig ausgeführt

Im Segelmodus ist der Trimaran satte 5,80 Meter breit.
Foto: EYOTY/Bertel Kolthof
​Rumpflänge: 7,65 m; Breite: 2,30 bis 5,80 m; Gewicht: 1,05 t; Preis: ab 135.660 Euro.

Beim Dragonfly 25 zeigt sich die lange Erfahrung der dänischen Werft Quorning Boats. Im Test blieb die Verbindung aus Mittelrumpf, Beams und Schwimmern auch unter Segel steif. Nichts verwandt sich sichtbar, auch Knarzen oder Quietschen waren nicht zu hören. Schon bei sehr leichtem Wind beschleunigte der Trimaran in jeder Böe. Die Logge zeigte maximal 9,9 Knoten. Die getestete Sport-Version hatte einen Carbonmast, ein höheres Rigg, 41 Quadratmeter Segelfläche am Wind und eine Doppelruderanlage. Die gemäßigtere Touring-Version kommt mit Alumast, kleinerer Segelfläche und zentralem Ruderblatt.

Das bewährte Swing-Wing-System schwenkt die Seitenrümpfe nach achtern. Die Breite sinkt von 5,80 auf 2,30 Meter, gleichzeitig wächst die Gesamtlänge auf 8,95 Meter. Der Mechanismus lässt sich aus dem Cockpit bedienen. Ruder und Schwert können für flache Reviere aufgeholt werden.

Der Innenraum ist klein, wirkt mit Holzflächen, Beleuchtung und farbigen Polstern aber wohnlicher als beim Corsair. Die Sitzgruppe lässt sich in eine 2,00 mal 1,38 Meter große Liegefläche verwandeln. Für längere Touren sind zwei Erwachsene und ein Kind eine realistische Besatzung. Stauraum und Pantry bleiben knapp.


Astus 26.5: einfaches System, vielseitiges Konzept

Die Konstrukteure bei VPLP haben die Schwimmer nun noch deutlich voluminöser gestaltet. Damit segelt der Astus ausgewogen und schnell.
Foto: Astus Boats
Rumpflänge: 7,90 m; Breite: 2,54 bis 5,80 m; Gewicht: etwa 1,2 t; Preis: knapp 100.000 Euro einschließlich Standardsegeln.

Die Konstruktion des Astus 26.5 stammt von VPLP Design. Das größte Modell der französischen Werft verbindet ein niedriges Gewicht mit ausreichend Platz für unkomplizierte Familientörns. Astus verzichtet auf Gelenke und Klappmechanismen. Die Beams bestehen aus versetzt angeordneten Aluminiumrohren, die in größere, im Mittelrumpf integrierte Rohre eingeschoben werden. Auf dem Wasser übernehmen Schotzug und Winsch diese Arbeit. Die Breite sinkt von 5,80 auf 3,10 Meter. An Land lassen sich die Schwimmer für den Straßentransport bis auf 2,54 Meter an den Mittelrumpf schieben. Das System funktionierte im Test des Astus 26.5 einfach und zuverlässig, verlangt aber zusätzliche Arbeit. Vor dem Verschieben müssen die Trampoline gelockert und anschließend neu gespannt werden.

Bei acht bis zwölf Knoten Wind erreichte der Trimaran mit Gennaker mehr als acht Knoten. Hart am Wind waren knapp sechs Knoten möglich, der Wendewinkel ließ sich mit der überlappenden Genua kaum unter 110 Grad drücken. Das Boot ging dennoch leicht und zügig durch die Wenden. Kritik gab es an der kurzen Pinne, dem hohen Ruderdruck und der etwas beengten Sitzposition hinter den Beams.

Bis zu vier Personen können an Bord schlafen. Zwei optionale Pantrymodule nehmen Kocher und Spüle auf, ein mobiles Chemieklo passt unter die Vorschiffskoje. Der Ausbau ist einfach und funktional. Mit aufgeholtem Schwert und Ruder sinkt der Tiefgang auf 35 Zentimeter.


Tricat 8.50: viel Segelfläche und mehr Wohnraum

Tricat 8.50: Große Pläne auf drei Rümpfen
Foto: Tricat
Länge 8,50 m; Breite 2,95 m gefaltet und 6,50 m segelfertig; Tiefgang 0,45 bis 1,50 m; Gewicht 1,95 t; Segelfläche 52 m²; Preis 176.120 Euro.

Der Tricat 8.50 ist das größte Boot in diesem Vergleich. Seine Seitenrümpfe schwenken über Gelenke nach achtern. Ein Seilzug unterstützt die Bedienung. So lässt sich die Breite von 6,50 auf 2,95 Meter reduzieren. Mit 52 Quadratmetern Segelfläche am Wind und 1,95 Tonnen Gewicht ist der französische Trimaran rechnerisch leistungsorientiert ausgelegt.

Unter Deck bietet der Tricat mehr als die kleineren Konkurrenten. Bis zu fünf Schlafplätze, eine geteilte Pantry, ein separater Toilettenraum und mehr als 1,80 Meter Stehhöhe im Salon zielen auf längere Törns. Die Niedergangstreppe kann auch als Sitz am Navigationstisch oder als Lehnstuhl am Salontisch dienen.

Schwerter und Ruderblatt lassen sich aufholen. Dadurch verringert sich der Tiefgang auf 45 Zentimeter. Mit eingeschwenkten Seitenrümpfen passt das Boot in viele übliche Hafenboxen. Ein Straßentransport ist ebenfalls vorgesehen, verlangt wegen des Bootsgewichts aber ein geeignetes Zugfahrzeug und einen entsprechend ausgelegten Trailer.


Welcher Trimaran passt zu welchem Segelprofil?

  • Der Corsair 760 richtet sich an Segler, die hohe Geschwindigkeit, geringes Gewicht und einen funktionalen Ausbau suchen.
  • Der Dragonfly 25 verbindet sportliche Leistungen mit hoher Verarbeitungsqualität und einem ausgereiften Schwenksystem.
  • Der Astus 26.5 bietet das einfachste System zur Breitenreduktion und viel Nutzwert für kurze Familientörns.
  • Der Tricat 8.50 hat den größten Innenraum und die höchste Segelfläche, ist aber auch das schwerste und teuerste Boot im Vergleich.

Buchtipps

Segel- und Riggtrimm erklärt die Einstellung von Vorsegel, Großsegel, Spinnaker, Gennaker und Rigg. Das passt besonders zu leichten Trimaranen, deren Geschwindigkeit stark vom richtigen Trimm abhängt. Mehr als 150 Farbillustrationen machen die aerodynamischen Grundlagen und die wichtigsten Handgriffe nachvollziehbar.

Praxisguide Fahrtensegeln richtet sich an Einsteiger und erfahrene Segler, die Törns auf kleinen oder großen Booten vorbereiten möchten. Der Titel behandelt Bootstypen, Ausrüstung, Revierwahl, Wetter und sichere Bootsführung. Damit ergänzt er den Vergleich um die praktischen Fragen, die vor dem Kauf eines trailerbaren Fahrtenbootes geklärt werden sollten.


Klappen, schwenken oder schieben: Welches Trimaran-Konzept überzeugt Sie? Diskutieren Sie mit.

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Cati Erdmann

Cati Erdmann

Content Producerin Digital

Cati Erdmann entdeckte durch ihren Mann das Segeln und ging direkt auf Langfahrt: Auf einer Contest 33 segelten die beiden rund um den Atlantik, anschließend betreuten sie Chartergäste auf ihrem Katamaran auf den Bahamas. Als Content Producerin Digital erstellt und bearbeitet Cati Online-Artikel für YACHT und BOOTE und beschäftigt sich damit auch an Land täglich mit dem Segeln.

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