Lagoon Eighty 2 “Imladris”Wenn das Boutiquehotel Segel setzt

Uske Berndt

 · 04.10.2026

Am Wind ­stehen 337 Quadratmeter 
Tuch. Raumschots bringt der Gennaker 
den Zweirumpfer mächtig in Fahrt.
Foto: Julien Gazeau
„Imladris“ heißt der neue Lagoon Eighty 2, der Chartergäste aufs angenehmste beherbergen soll. „Herr der Ringe“-Fans kennen den Namen, er steht für Tolkiens Reich der Elben in Mittelerde. Genau das soll der 24-Meter-Kat denn wohl auch sein: ein magischer Zufluchtsort. Was das heißt, zeigt sich beim Bordrundgang.

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​Allein schon wegen ihrer auffälligen türkisblau-weißen Farbgebung ist die „Imladris“ ein Hingucker in jedem Hafen. Und natürlich wegen ihrer schieren Größe. Bei dem Kat handelt es sich um Lagoons Flaggschiff, den Eighty 2. Der fußt auf dem Seventy 7, soll diesen jedoch in allen Belangen übertrumpfen. Das macht neugierig.

Vom Seventy 7 zum neuen Flaggschiff

Erste Skizzen zeichnete der legendäre, als Automobildesigner bekannt gewordene Patrick Le Quément. Der 81-Jährige agiert mittlerweile als Berater für das französische Studio VPLP. Ziel war es, eine segelnde Charterbasis ohne Kompromisse zu schaffen. Motto: maximaler Platz und höchster Komfort.

Die finale Ausarbeitung übernahm dann das Team von VPLP, das seit 1987 Lagoon-Kats zum Leben erweckt – der erste war ein 55-Fußer. VPLP lieferte auch die konstruktiven Berechnungen des Raumwunders. Im Fokus der Kreativköpfe – und eine echte Attraktion für die bis zu acht Gäste der „Imladris“ – ist ein Detail, das im Hafen nicht auf Anhieb ins Auge fällt: Am Heck fährt eine Schwimmplattform erst nach achtern aus und dann nach oben. Auf diese Weise wird das offene, halb im Schatten gelegene Cockpit um eine 22 Quadratmeter große Sonnenterrasse erweitert. Sie kann einen Tender oder Jetskis aufnehmen und dient als Ausgangspunkt für Schwimmzüge oder Tauchgänge.

Wer die „Imladris“ chartert

Der Schweizer Geschäftsmann Armin Dressler hat den Katamaran seiner Charterflotte hinzugefügt. Über die Plattform Morii vermietet er eine Reihe von Lagoons ab 51 Fuß Länge. Auf die Frage, wer den 24 Meter langen Eighty 2 buchen würde, antwortet er ohne Umschweife: „Ganz normale Leute.“ Für Dressler gibt es zwei typische Arten von Kunden: Entweder lädt ein gut betuchtes Familienmitglied die Seinen zum gemeinsamen Segeltörn ein. Das könne durchaus auch mal die Großmutter sein, so Dressler. Oder eine Gruppe von Freunden teile sich die Charterrate. Aktuell beginnt die bei stolzen 56.000 Euro pro Woche.

Glamour sei das hier trotz allem Komfort nicht, betont der Unternehmer: „Das Konzept steht für Ruhe und Nachhaltigkeit.“ An Bord seines Lagoon sieht er klassische Segler, die älter geworden sind und nicht mehr alles selbst machen können oder wollen, aber doch gerne mal am Ruder stehen. Es gebe auch immer mehr Motoryacht-Kunden, die Interesse an umweltfreundlicherem Reisen bekundeten. Und schließlich seien da noch jene Charterer, die, anstatt ins All-inclusive-Hotel zu gehen, ihre Freunde mit der Aussage ermuntern: „Wir gehen jetzt mal segeln!“ Verzichten müssten sie auf nichts, denn gebucht wird das schwimmende Boutiquehotel mit Sternekoch, Rundumservice und Tauchausrüstung. „Ich denke, wir sehen hier eher keine Fußballstars, denn die möchten einen Pool und Selfies posten. Unsere Kunden kennt man in der Öffentlichkeit eher nicht“, meint Dressler.

Den Beginn eines typischen Segeltags stelle er sich ungefähr so vor: „Um sechs Uhr früh legt die Crew ab, spätestens um zehn Uhr gibt es Frühstück in einer schönen Bucht. Schweizerisch diskret.“ Dank 1,90 Meter Tiefgang und einer Zertifizierung für unter 24 Meter Länge kann das Tagesziel auch in flachen Gewässern liegen. Reisen in Ruhe – wenn möglich unter Segeln oder mit E-Kraft. Nur notfalls springen die John-Deere-Motoren mit je 170 Kilowatt Leistung an.

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Luxuskatamaran als schwimmendes Boutiquehotel

In der Sommersaison halten sich die Gäste sicher gerne an Deck auf, doch bei Regen – oder großer Hitze – sind sie froh, im kühlen Salon sitzen zu dürfen. Hier erwarten sie Panoramafenster mit Rundumblick, an Steuerbord steht ein U-förmiges Sofa, gegenüber ein Esstisch für acht Personen. Zwischen der offenen Pantry-Bar und der Zentrale für die Navigation liegt die Tür zur Lounge auf dem Vordeck samt Trampolin.

Zu beiden Seiten führen Treppen hinab in die Rümpfe. An Backbord sind die Crew plus Galley und zwei Gästekabinen untergebracht. Der Steuerbordrumpf beherbergt eine VIP-Kabine sowie das Eigner-Apartment mit Doppelbett und privatem Klappbalkon für den ersten Kaffee am Morgen. Beide Suiten haben ihren jeweils eigenen Zugang vom Salon. Auf Wunsch kann noch eine dritte Suite eingebaut werden, dann wären es insgesamt fünf. In der Variante „Galley up“ kommt sie im Backbordrumpf unter.

Die Designer von Nauta schufen an Bord der „Imladris“ eine ruhige, geradlinige Innenausstattung in Beige und Creme, „luxuriös, einladend, cool und hell“, wie Studio-Mitbegründer Massimo Gino sagt, „ein trendiges Interieur mit zeitlosem Stil“. Überraschend steil gerät der Aufstieg zur Flybridge. Über die Gestaltung des filigranen Treppenaufgangs mit seinen abgerundeten, mittig an einer eckigen Chromstange aufgehängten Holzstufen hat sich Patrick Le Quément viele Gedanken gemacht. Schmunzelnd warnt er: „Sie werden der Versuchung nicht widerstehen können, diese Treppe zu besteigen!“

Flybridge: Segelhandling auf 50 Quadratmetern

Le Quément empfiehlt die Fly vor allem für den Sonnenuntergang. Auf der 50 Quadratmeter großen Dachterrasse mit Esstisch, Sitzecke und Bar gibt es das erste Mal Gewissheit, sich wirklich auf einer Segelyacht zu befinden: Gleich zwei Steuerstände sind hier platziert, dazwischen thronen fünf große Winschen mit Taschen darunter für Schoten und Fallen. Alles ist für die Crew leicht zugänglich, das Handling der 337 Quadratmeter großen Laminatsegel am Wind fast ein Kinderspiel. Der 36 Meter in den Himmel ragende Mast steht weit vorne. Da das Mobiliar mobil ist, lässt sich die Fläche flexibel nutzen.

Solarstrom für Klimaanlage, Galley und Navigation

Das Dach plus Bimini ist mit Solarzellen bestückt, die bis zu 50 Prozent der an Bord benötigten Energie liefern und die Lithium-Ionen-Batterien aufladen. Die Speicher sorgen dafür, dass die Yacht vor Anker liegend über Stunden autark ist. Sie liefern genügend Strom für Klimaanlage, Galley und Navigation. Kein qualmender Dieselgenerator muss angeworfen werden. Und das sei nur ein Aspekt in puncto Nachhaltigkeit. Laut Werft stecken im Lagoon Eighty 2 zu 80 Prozent recycelte Glasfasern, rund 70 Prozent des Holzes ist wiederverwendetes Material, und knapp die Hälfte des beim Bau verwendeten Harzes – insgesamt immerhin acht Tonnen pro Boot – ist Bioware.

Die Beneteau-Gruppe, zu der Lagoon gehört, nutzt für die Rümpfe obendrein einen Klebstoff, der zu 100 Prozent aus natürlichen oder recycelten Zutaten besteht. Allein damit möchte die Marke schon in der Bauphase zehn Tonnen CO2 pro Kat einsparen. Dies alles sei Teil der groß angelegten Initiative der französischen Yachtbauer, bis 2030 die schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt um 30 Prozent zu senken. Dass das alles die Umweltprobleme der Welt nicht lösen wird, ist den Beteiligten klar. Dennoch sind solche Nachhaltigkeitskonzepte wichtig und gut.

Für die Werft ist der Eighty 2 ein großer Schritt in eine Welt, in der anspruchsvolle Kunden eine maßgeschneiderte Yacht in Empfang nehmen wollen. Zumindest was die Raumaufteilung und Innenausstattung betrifft. Man habe mit großen Modellen ausreichend Erfahrung sammeln können. „Seit den Anfängen haben wir 88 Yachten mit einer Länge von über 75 Fuß gebaut. Davon 52 Seventy 7 und Seventy 8 sowie 36 Einzelbauten“, sagt Markendirektor Thomas Gailly.

Die Eighty 3 kommt ohne Mast aus

Auch in ganz anderer Hinsicht stellen die Franzosen ihren Pragmatismus unter Beweis: Den Katamaran entwickelten die Designer in einer zweiten Version ohne Mast, mit nur geringen Änderungen im Profil. Der Lagoon Eighty 3 ähnelt seiner segelnden Schwester sowohl optisch als auch in den Abmessungen.

Exklusiv hat der Lagoon Eighty 2 hingegen weiterhin das ruhige Dahingleiten übers Wasser allein mit der Kraft des Windes. Nicht nur für eingefleischte Segler dürfte dies ein entscheidender Fakt sein, der „Imladris“ den Vorzug zu geben.


Technische Daten des Lagoon Eighty 2

Aufteilung der Decks
Foto: PR
  • Länge über alles: 24.97 m
  • ​​Länge Rumpf: 23,91 m
  • ​Länge Wasserlinie: 23,85 m
  • Breite: 11 m
  • Tiefgang: 1,9 m
  • Segelfläche am Wind: 337 m²
  • Motor: 2 x John Deere N5 - 230 HP
  • ​Tank: 2 x 1400 L
  • Frischwasser: 2 x 800 L
  • Kabinen: 4- 5
  • Konstruktion: VPLP Design
  • Außenlinien: VPLP Design / Patrick Le Quément
  • Interieur: Nauta Design

Buchtipps

Katamaran segeln erklärt, worin sich das Segeln auf zwei Rümpfen vom Umgang mit einer Einrumpfyacht unterscheidet. Tom und Brian Phipps behandeln Katamarantypen, Aufbau und Pflege sowie Manöver wie Wende und Halse.

Kein Sonnenspray an Deck, bitte! setzt einen anderen Schwerpunkt: Johannes Erdmann erzählt vom Charteralltag auf einem 13 Meter langen Katamaran in den Bahamas. Im Mittelpunkt stehen die Begegnungen mit seinen Gästen und die Herausforderung, deren unterschiedliche Erwartungen an einen Törn zusammenzubringen. Statt Segeltechnik vermittelt das Buch Einblicke in das Zusammenleben an Bord – eine Perspektive für Leser, die einen Katamaran chartern möchten.


​Würden Sie für mehr Komfort im Urlaub auf klassische Segelerlebnisse verzichten oder trifft die „Imladris“ die richtige Balance? Diskutieren Sie mit und schreiben Sie Ihre Meinung in die Kommentare.

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Uske Berndt

Redakteurin News & Panorama

Uske hat eine Schwäche für die ganz Großen und schreibt vor allem Geschichten über motorisierte Superyachten: Neubauprojekte, Wasserungen und detaillierte Porträts. Dabei nimmt sie die Leser über alle drei bis sechs der schwimmenden Etagen mit, erklärt die Antriebstechnik und die Finessen des Interieur-Designs. Je exklusiver und spezieller, desto besser.

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