Michael Good
· 21.02.2026
Dieser Testbericht beginnt dort, wo viele andere enden: beim Preis. Rund 1,72 Millionen Euro für eine Segelyacht von 15,50 Meter Rumpflänge sind mehr als nur eine Zahl auf einem Preisschild. Es ist ein Statement, eine klare Ansage an Markt, Kundschaft und Konkurrenz – und zugleich ein unmissverständliches Bekenntnis zu den eigenen Markenwerten. Diesen exklusiven Anspruch hat sich Nautor Swan über Jahrzehnte erarbeitet. Die Yachten aus der finnischen Manufaktur markieren seit über 60 Jahren das Top-End dessen, was im Yachtbau möglich ist. Die neue Swan 51 fügt sich nahtlos in diese Tradition ein.
Was die Werfthallen in Pietarsaari verlässt, ist nicht vergleichbar, nicht beliebig, nicht austauschbar. Eine Swan ist eine Swan. Punkt. Deshalb steht der Preis bei Nautor nie isoliert im Raum. Er ist das Resultat einer Bauphilosophie, die sich klar vom industriellen Serien-Yachtbau abgrenzt. Investiert wird dort, wo andere zu rechnen beginnen: in Struktur, Materialien, Fertigungstiefe, Qualität und Ausstattung.
Stand 2026, wie die ausgewiesenen Preise definiert sind, lesen Sie hier!
Ein Blick in das ebenfalls sehr exklusive Wettbewerbsumfeld von Solaris, Grand Soleil, X-Yachts oder in das obere First-Segment von Beneteau zeigt: Auch dort entstehen hervorragend gebaute, hochwertig ausgestattete Yachten – allerdings zu Preisen, die teils nur etwa halb so hoch liegen wie jener der Swan 51. Für den potenziellen Käufer und kritischen Beobachter bleibt damit nur ein sinnvoller Maßstab: die Praxis. Wie segelt die Swan 51? Wie fühlt sie sich auf dem Wasser an? Wie konsequent ist das Konzept umgesetzt? Und vor allem: Wo genau liegt der Mehrwert, der den markanten Preisunterschied zur Konkurrenz rechtfertigen soll? Um das zu klären, reist die YACHT-Testredaktion nach Südfrankreich, wo die Baunummer eins für einen umfangreichen Testschlag zur Verfügung steht.
Die Bedingungen präsentieren sich dabei zurückhaltend. Die spät einsetzende Thermik liefert lediglich rund zehn Knoten Wind. Dennoch erlauben diese Verhältnisse einen aufschlussreichen Eindruck von den Segeleigenschaften. Die Swan 51 kommt schnell in Bewegung, beschleunigt gut und reagiert unmittelbar sowie präzise auf Steuerimpulse. Das Boot wirkt von Beginn an agil und sehr gut ausbalanciert. Das sind Eigenschaften, die gerade bei leichtem Wind keineswegs selbstverständlich sind und auf ein stimmiges Zusammenspiel von Rumpf, Anhängen und Rigg hindeuten – letztlich auch bei mehr Wind. Die Konstruktion der Swan 51 stammt erneut aus dem Studio von Nautors Hauskonstrukteur Germán Frers. Der Argentinier zeichnet für sämtliche aktuellen Modelle der Swan-Linie (51, 55, 58, 65) ebenso verantwortlich wie für die größeren Yachten aus dem Swan-Maxi-Programm (80, 88, 98, 108 und 128).
Die gemessenen Leistungsdaten untermauern den positiven Ersteindruck. Am Wind segelt die Swan 51 mit der kurz überlappenden (106 Prozent) Standard-Genua mit 6,1 Knoten Speed über Grund. Bemerkenswert ist dabei der erzielte Wendewinkel von lediglich rund 80 Grad, der unter den gegebenen Leichtwindbedingungen als ausgesprochen gut einzustufen ist. Auf raumen Kursen zeigt die schöne Finnin ebenfalls ihr Potenzial. Bei halbem Wind (90 Grad wahrer Windeinfall) und mit ausgerolltem Code Zero beschleunigt die Swan 51 mühelos auf bis zu 8,3 Knoten. Das Boot bleibt dabei jederzeit ausgewogen und gut kontrollierbar.
Die Doppelruder-Steuerung wirkt allerdings etwas schwergängig. Ursache dafür ist wohl die ausgesprochen aufwendig installierte Mechanik. Diese stammt von Jefa und funktioniert über zwei getrennte Kettenzüge, die einzeln auf die Quadranten der beiden Ruderblätter wirken. Diese sind wiederum über eine trimm- und justierbare Schubstange miteinander verbunden, sodass sich die Anstellwinkel der Ruderblätter fein abstimmen lassen. Die Steueranlage ist vollständig redundant ausgelegt. Zudem greift der Autopilot direkt auf einen der Quadranten zu, was zusätzliche Sicherheit im Falle eines Defekts bietet.
Doppelte Ruderblätter zählen zu den Markenzeichen von Konstrukteur Germán Frers. Die Vorteile liegen auf der Hand: mehr Kontrolle bei zunehmender Lage, ein stets angeströmtes Ruderblatt sowie ein hohes Maß an Sicherheit und Präzision unter allen Bedingungen. Ergänzt wird das Konzept durch einen modernen, effizienten T-Kiel aus Gusseisen mit gehärteter Bleibombe. Für die Swan 51 stehen Varianten mit 2,45 Metern Tiefgang (Standard) oder 2,05 Metern (Kurzkiel) zur Verfügung, die mit angepassten Ballastanteilen unterschiedliche Reviere und Einsatzprofile abdecken. Optional bietet die Werft sogar einen hydraulischen Teleskopkiel mit einer Tiefgangsvarianz von 2,00 bis 2,75 Metern an.
Gegenüber dem nur wenig kürzeren Vorgängermodell Swan 48 wächst die nutzbare Fläche im Cockpit um rund 35 Prozent. Das ist ein Zugewinn, der sich insbesondere den neuen Rumpfformen mit deutlich breiterem Heck verdankt. Neu sind zudem zwei separate Cockpittische, die einen ungehinderten Weg durch die Plicht ermöglichen. Beide Tische lassen sich absenken und mit Einlagepolstern zu Sonnenliegen umfunktionieren.
Die Süllränder sind jedoch flach geraten, was zwar der eleganten, fließenden Linienführung zugutekommt, jedoch spürbare Kompromisse bei Sitzkomfort und Schutz mit sich bringt. Betreffend Layout im Cockpit zeigt die Swan 51 eine konsequent durchdachte Anordnung. Sämtliche Fallen und Schoten werden verdeckt unter Deck nach achtern ins Cockpit geführt und laufen auf zwei üppig dimensionierte 60er-Schotwinschen auf den Süllrändern. Die Abstände zwischen den Stopperbatterien und den Winschen sind so gewählt, dass sich alle relevanten Funktionen wahlweise über die vordere oder die hintere Winsch bedienen lassen, je nach Besegelung oder Crewstärke. Auch Solisten kommen mit diesem Arrangement gut zurecht, zumal die insgesamt vier großen Winschen bereits ab Werft mit elektrischen Antrieben ausgestattet sind.
Dazu passt, dass die Großschot über eine sogenannte kaptive Winsch gefahren wird, die unter dem Cockpitboden verbaut und vom Steuerstand aus per Knopfdruck zu bedienen ist. Diese Einrichtung gehört zur Standardausstattung ab Werft. Einen Traveller für die Großschotführung bietet die Werft allerdings nicht an.
Unter Deck folgt die Swan 51 einem klaren, funktionalen Layout. In der Standardausführung ist die Yacht als Dreikabiner ausgelegt und verfügt über zwei ausgesprochen großzügig dimensionierte Nasszellen, jeweils mit separaten Duschbereichen. Das generelle Layout orientiert sich am Vorgängermodell Swan 48, fällt jedoch in allen Wohnbereichen spürbar großzügiger aus. Die neue 51er profitiert dabei von rund 80 Zentimetern mehr Rumpflänge und deutlich mehr Breite, vor allem im hinteren Schiffsbereich. Zudem ist der Freibord etwas höher geworden. Die Werft errechnet daraus ein Mehrvolumen im Rumpf von nicht weniger als 22 Prozent.
Gestaltungsfreiheit bietet Nautor für die Achterkabine auf der Steuerbordseite. Alternativ zum großen Doppelbett kann dieser Bereich auch mit zwei vollwertigen Einzelkojen in vernünftiger Größe ausgestattet werden. Um dies zu ermöglichen, fällt die Steuerbordkabine breiter aus als ihr Pendant auf der Backbordseite. Auch kann die hintere Kabine auf Wunsch unterschiedlich genutzt werden, etwa als begehbarer Stauraum, als Büro oder als Werkstatt. Diese Ausbauvarianten unterstreichen die Möglichkeiten zur individuellen Gestaltung im Rahmen des Semi-Custom-Konzepts. Die Werft zeigt hier hohe Flexibilität, um auf spezielle Kundenwünsche einzugehen.
Die Eignerkabine im Vorschiff folgt ebenfalls der klaren Linie des Gesamtkonzepts. Im Zentrum steht ein nahezu vollständig frei eingebautes Inselbett mit rechteckiger Gestaltung, was einer expliziten Vorgabe des Nautor-Chefs entspricht. In der Praxis bedeutet das klare Linien und gute Zugänglichkeit, auch wenn die Breite mit 1,50 Metern nicht gerade üppig ausfällt. Gegenüber dem Vorgängermodell Swan 48 ist die Fläche der Vorschiffskabine insgesamt um rund 16 Prozent gewachsen. Davon profitiert insbesondere auch die Nasszelle, die deutlich größer ausfällt und komfortable Bewegungsfreiheit bietet. Dem bei großen Yachten zunehmenden Trend, Toilette und Dusche räumlich zu trennen, folgt Nautor allerdings nicht. Stattdessen bleibt man bei der klassischen, integrierten Lösung.
Beim Stauraumangebot setzt die Swan 51 ebenfalls Maßstäbe in ihrer Klasse. Unter Deck steht außergewöhnlich viel Stauraum zur Verfügung, der sehr durchdacht organisiert ist und zu einem großen Teil aus hochwertigen Auszugsschubladen besteht. Um erneut den Vergleich zur Swan 48 zu bemühen: Die gesamte Stauraumkapazität ist im Vergleich zum Vorgängermodell laut Kalkulation der Werft um rund 35 Prozent gewachsen.
Für den Vortrieb unter Motor setzt Nautor Swan auf einen konventionellen Dieselantrieb. Verbaut ist eine 80 PS starke Einbaumaschine von Yanmar. Unter Volllast erreicht die Swan 51 damit solide 9,0 Knoten. Alternativ bietet die Werft ein Elektro-Hybrid-System von Oceanvolt an. Der elektrische Antrieb leistet 30 kW, die Energieversorgung übernimmt ein Generator von Fischer Panda.
Beispielhaft ist die bemerkenswerte Bau- und Ausbauqualität von Nautor. Die strukturelle Verarbeitung, die Installation der Bordtechnik und die vielen detailverliebten Lösungen bewegen sich auf einem Niveau, das selbst im gehobenen Marktumfeld selten ist. Hinzu kommt eine ungewöhnlich umfangreiche Serienausstattung: Autopilot, Navigationselektronik, Ankerwinsch, Hydraulik für Baumniederholer und Achterstag, Bugstrahlruder sowie zahlreiche weitere kostspielige Komfortkomponenten sind bereits im Standard enthalten.
Klar, die Swan 51 ist kein Angebot für Schnäppchenjäger, sondern für Eigner, die Substanz, Konsequenz und Werterhalt über bloße Zahlen stellen. Dafür liefert sie im Test überzeugende Argumente.
Hochwertige Bauweise
Aufregende Optik
Selbstbewusste Preisansage
Süllrand flach und unbequem
Hohes Leistungspotenzial
Sehr gute Höhe am Wind
Funktionierendes Handling
Steuerung etwas schwergängig
Bester Ausbaustandard
Hohe Individualisierbarkeit
Gut zugängliche Stauräume
Schmale Doppelkoje vorne
Hochwertige Grundausstattung
Elektro-Hybrid als Option
Redundante Steuerung
Kein Traveller erhältlich
GFK-Sandwich mit Schaumkern und Vinylesterharz. Aufgebaut im Vakuuminfusionsverfahren.
Die Segel sind im Grundpreis nicht enthalten. Die Kosten für einen Satz Anmwindsegel (Groß und Genua) liegen bei mindestens 60.000 Euro brutto.
Ab Werft wird ein Vierzylinder-Dieselmotor von Janmar mit Saildrive-Antrieb und einer Leistung von 80 PS eingebaut. Optional ist auch ein Elektro-Hybrid-System mit Generator erhältlich.
Standard: Aluminium-Mast mit zwei Salingen, weiß lackiert mit Wanten aus Rod. Hydraulische Verstellung (Kombi) für Achterstag, Baumniederholer und Unterliekstrecker. Optional ist ein Kohlefasermast und/oder Rollbaum von Hersteller Mainfurl erhältlich.
Oy Nautor AB, Nautor Swan, 68600 Pietarsaari (Finnland); www.nautorswan.com
Nautor Swan Germany, Hamburg; www.nautorswan.com
Die Konstruktion für das Flaggschiff der schwedischen Werft kommt von Niels Jeppesen. Das durchdachte Konzept, die gute Bauqualität und das schöne Ausstattungsniveau setzen in der Klasse hohe Standards. Hier lesen Sie den Test.
Mit ihren exzellenten Segeleigenschaften kann die First 53 von Beneteau im Test überzeugen. Das Cockpit mit Walkaround-Layout funktioniert gut und erlaubt ein sportliches Handling für die Mannschaft. Den Test lesen Sie hier.
Der leistungsstarke Fast Cruiser von Cantiere del Pardo in Italien ist etwas größer als die Wettbewerber, passt aber dennoch gut zur Gruppe. Das Schiff ist wahlweise mit zwei Layouts für Cruising oder für Racing erhältlich.
Optisch aufregend und unter Segeln stark. Der schöne Gran Turismo aus der Yachtbaumanufaktur Solaris zeigt viele spannende Details an und unter Deck. Die Bau- und Ausbauqualität spielt in der obersten Liga. Hier lesen Sie den Test.

Redakteur Test & Technik
Michael Good ist Testredakteur bei der YACHT und kümmert sich in der Funktion in erster Linie um neue Boote, deren Vorstellung sowie um die Produktion von Testberichten. Michael Good lebt und arbeitet in der Schweiz am unteren Bodensee. Er segelt seit Kindertagen und ist neben seiner beruflichen Tätigkeit auch seit vielen Jahren als aktiver Regattasegler unterwegs, derzeit vor allem in den Klassen Finn Dinghi und Melges 24. Zudem ist er Miteigner von einem 45er Nationalen Kreuzer mit Baujahr 1917. Michael Good arbeitet seit Januar 2005 für die YACHT-Redaktion und hat in der Zeit gegen 500 Yachten, Katamarane und Jollen getestet.