Eine Deckssalonyacht aus Aluminium für lange Reisen – das klingt zunächst nach viel Gewicht, maximaler Robustheit und eher gemächlichem Vorankommen. Die neue Pure 42 aus Kiel zeigt jedoch, dass sich ein ausgeprägter Blauwasserkurs auch mit überraschend sportlichen Segeleigenschaften verbinden lässt. Im ersten Teil unserer zweiteiligen Video-Vorstellung geht es um das Konzept, die Konstruktion, das Verhalten unter Segeln und die Ausstattung an Deck.
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Pure Yachts ist noch eine junge Marke. Nach den größeren Einzelbauten BM 50 und Pure 49 ist die 42 das erste Modell, das die Kieler in kleiner Serie anbieten. Das Konzept richtet sich an Eigner, die mit einem vergleichsweise kompakten Schiff weit reisen wollen, dabei aber weder bei der Bauqualität noch bei der Ausstattung oder den Segeleigenschaften große Zugeständnisse machen möchten. Entsprechend eigenständig fällt die Konstruktion aus.
Gezeichnet wurde die Pure 42 von Martin Menzner von Berckemeyer Yacht Design. Bei 12,90 Metern Rumpflänge misst sie insgesamt 13,80 Meter, die Breite beträgt 4,20 Meter. Der Rumpf besteht aus seewasserbeständigem Aluminium und wird derzeit noch bei Folmer Yachtbau in den Niederlanden gefertigt. Im Unterwasserschiff kommen bis zu 15 Millimeter starke Platten zum Einsatz, an den Freiborden und auf Deck deutlich dünnere Materialstärken. Das spart Gewicht. Das Kajütdach wiederum wird als leichte GFK-Konstruktion gebaut. So bringt die Yacht segelfertig nur rund 9,7 Tonnen auf die Waage – für eine Fahrtenyacht dieser Größe und Bauart bemerkenswert wenig.
Ein zentrales Element des Konzepts ist der hydraulische Hubkiel. Sein Tiefgang lässt sich auf Knopfdruck zwischen 1,20 und 3,00 Metern verändern. Das ermöglicht nicht nur den Zugang zu flacheren Häfen und Ankerplätzen. Mit aufgeholtem Kiel kann die Yacht zudem auf dem Kiel und den beiden Ruderblättern trockenfallen. Der tiefe T-Kiel mit Bleibombe sorgt ausgefahren gleichzeitig für ein hohes aufrichtendes Moment. Rund 34 Prozent des Gesamtgewichts entfallen auf den Ballast.
Damit bringt die Pure 42 gute Voraussetzungen für aktives Segeln mit. Beim YACHT-Test vor Barcelona zeigte sie sich agil, beschleunigte bereitwillig und ließ sich trotz ihres konsequenten Fahrtenkonzepts überraschend flott bewegen. Bei rund zwölf Knoten Wind erreichte das Testschiff hart am Wind etwa 6,8 Knoten. Mit der großen überlappenden Genua lag der Wendewinkel bei rund 85 Grad. Allerdings war die Baunummer eins mit dem optionalen Performance-Paket ausgerüstet: Kohlefasermast, Rod-Rigg, Laminatsegel und zusätzliche Segelfläche verschärfen das Potenzial deutlich.
Auch im Standard bleibt der Segelplan vielseitig. Neben dem Großsegel gehören sowohl eine überlappende Genua als auch eine kleinere Stagfock zum Paket. Damit kann die Segelfläche bei mehr Wind unkompliziert reduziert werden, ohne das große Vorsegel stark einrollen zu müssen. Für lange Strecken und kleine Crews ist das eine praxisgerechte Lösung.
An Deck setzt Pure Yachts auf eine bewusst hochwertige und großzügig dimensionierte Ausstattung. Schoten und Trimmleinen werden verdeckt nach achtern zu den beiden Steuerständen geführt. Dort stehen kräftige elektrische Winschen zur Verfügung; zusätzliche Trommeln für Code Zero oder Gennaker sitzen weiter achtern. Fallen und Reffleinen bleiben dagegen am Mast. Die Beschläge stammen durchweg von bekannten Qualitätsherstellern und wirken eher eine Nummer zu groß als zu knapp dimensioniert – passend zum Anspruch eines robusten Langfahrtschiffs.
Auffällig ist auch die aufwendige Steueranlage. Beide Ruderblätter werden über getrennte Systeme angesteuert, sodass im Fall eines Defekts Redundanz erhalten bleibt. Beim Testschiff war die Mechanik allerdings noch recht schwergängig, zudem traten bei höherem Tempo Vibrationen am Ruder auf. Hier gab es an der Baunummer eins noch Abstimmungsbedarf.
Typisch für die Pure 42 ist schließlich das Deckssalon-Konzept. Cockpit und Salon liegen nahezu auf einer Ebene, die großen Fensterflächen im Aufbau sorgen für viel Rundumsicht. Damit verbindet die Yacht ein geschütztes, helles Deckshaus mit einem offenen Cockpit, ohne dass zwischen beiden Bereichen eine klassische steile Niedergangssituation entsteht. Die eigentlichen Wohnbereiche befinden sich weiter vorn und auf einem tieferen Niveau.
Wie genau die Kieler diesen ungewöhnlichen Innenausbau umgesetzt haben, welche Lösungen sich bei Kabinen und Stauräumen finden und wie die Bordtechnik organisiert ist, zeigen wir im zweiten Teil unserer Video-Vorstellung am kommenden Samstag, 15. August bei YACHT online.

Redakteur Test & Technik
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