Linjett 36Die sportliche Schwedin im Segelcheck – das Test-Video

Michael Good

 · 17.08.2026

Das Achterstag ist gut untersetzt und kräftig genug um das Selden-Rigg zu trimmen.
Foto: YACHT / Nils Günter
Mit der neuen Linjett 36 wollen die Schweden von Rosättra Båtvarv Performance, Kontrolle und Fahrtenkomfort zusammenbringen. Im ersten Teil der zweiteiligen Video-Vorstellung bei YACHT-TV geht es um das Konzept, die Konstruktion und vor allem um die Frage, wie gut die neue Schwedin tatsächlich segelt.

Die Linjett 36 steht für einen gewissen Kurswechsel bei der traditionsreichen schwedischen Werft Rosättra Båtvarv. Frühere Linjett-Modelle waren eher schlank, vergleichsweise filigran und durchaus anspruchsvoll zu segeln. Die neue Generation bietet dagegen deutlich mehr Volumen und Komfort und soll gleichzeitig einfacher zu beherrschen sein. Der sportliche Charakter der Marke soll dabei aber keineswegs auf der Strecke bleiben.

Wie gut dieser Spagat gelingt, konnten wir beim Test der neuen Linjett 36 in den Stockholmer Schären ausführlich ausprobieren. Die Bedingungen waren dafür geradezu ideal: Ein kalter und kräftiger Nordwind blies durch die Inselwelt, zahlreiche Dreher und harte Böen sorgten für ständig wechselnde Verhältnisse. Entsprechend gefordert waren Boot und Crew.

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Gerade dabei zeigte die neue Schwedin eine ihrer größten Stärken. Die Linjett 36 bleibt auch bei ordentlich Druck erstaunlich gutmütig und vermittelt jederzeit ein hohes Maß an Kontrolle. Das gilt besonders für das Ruder. Das einzelne, tief reichende Blatt bietet viel Grip und eine sehr direkte Rückmeldung. Nähert sich die Strömung am Ruder dem Abriss, kündigt sich das frühzeitig mit leichten Vibrationen an den Rädern an. Der Steuermann bekommt damit eine deutliche Rückmeldung, noch bevor die Yacht aus dem Ruder laufen könnte.

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Schnell unter Gennaker, stark auf der Kreuz

Besonders eindrucksvoll zeigt sich das Potenzial der Linjett 36 unter Gennaker. Bei frischem Wind beschleunigte das Boot schnell auf 7,5 bis 8 Knoten, in stärkeren Böen ging es noch deutlich schneller. Trotz des Tempos blieb die Yacht jederzeit kontrollierbar. Selbst mit ordentlich Druck im Segel ließ sie sich sauber abfallen, ohne dass das Ruder an Wirkung verlor.



Nicht weniger überzeugend präsentiert sich die Linjett 36 auf der Kreuz. Bei kräftigem Wind und gerefftem Groß lief sie im Test zwischen 5,7 und 6,2 Knoten hoch am Wind. Die Wendewinkel lagen bei rund 80 Grad. Bemerkenswert ist dabei vor allem, wie hoch die Schwedin trotz ihres gegenüber früheren Linjett-Modellen deutlich voluminöseren Rumpfes gefahren werden kann. Auch in der Welle arbeitet sich das Schiff erstaunlich unbeeindruckt nach Luv.

Aufwendiger Leichtbau aus Schweden

Die guten Segeleigenschaften sind auch eine Folge der aufwendigen Konstruktion. Rosättra setzt beim Rumpf auf einen leichten Schaumsandwich-Aufbau in Vakuuminfusion. Präzise vorgefräste Schaumkerne helfen dabei, den Harzanteil und damit das Gewicht niedrig zu halten. Die Kräfte von Rigg und Kiel werden über eine solide GFK-Bodengruppe in den Rumpf eingeleitet.

Auch beim Kiel setzt die Werft auf eine robuste Lösung. Der Bleikiel wird nicht einfach flach an den Rumpf geschraubt, sondern sitzt auf einem angeformten GFK-Stummel. Damit sollen die bei einer möglichen Grundberührung auftretenden Kräfte besser in die Rumpfstruktur eingeleitet werden. Insgesamt verbindet die Bauweise geringes Gewicht mit einem hohen Anspruch an Festigkeit und Verarbeitung.

Typisch Linjett ist zudem die konsequente Auslegung für kleine Crews und Einhandsegler. Die wesentlichen Leinen werden bis unmittelbar zu den Steuerständen geführt. Schoten, Fallen, Reff- und Trimmleinen lassen sich damit bedienen, ohne dass der Rudergänger seinen Arbeitsplatz verlassen muss. Das sorgt zwar für einiges an Tauwerk im hinteren Cockpit, ermöglicht dafür aber eine sehr konzentrierte Bedienung.

Wie es unter Deck aussieht, wie die Linjett 36 ausgebaut ist und welchen Wohnkomfort sie bietet, folgt im zweiten Teil unserer Video-Vorstellung.

Technische Daten Linjett 36:

  • Konstrukteur: Linjett Design Team
  • CE-Entwurfskategorie: A
  • Rumpflänge: 11,00 m
  • Gesamtlänge mit Bugspriet: 11,50 m
  • Länge Wasserlinie: 10,20 m
  • Breite: 3,66 m
  • Tiefgang/alternativ: 1,95 / 1,80 m
  • Masthöhe über Wasserlinie: 17,50 m
  • Gewicht: 6,8 t
  • Ballast/-anteil: 2,85 t/ 42 %
  • Großsegel: 41,9 m²
  • Rollgenua (150%): 42 m²
  • Motorisierung (Yanmar): 29 kW/40 PS, Saildrive
  • Kraftstofftank: 150 l
  • Frischwassertank (2): 290 l
  • Fäkaltank: 105 l
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Michael Good

Michael Good

Redakteur Test & Technik

Michael Good ist Testredakteur bei der YACHT und kümmert sich in der Funktion in erster Linie um neue Boote, deren Vorstellung sowie um die Produktion von Testberichten. Michael Good lebt und arbeitet in der Schweiz am unteren Bodensee. Er segelt seit Kindertagen und ist neben seiner beruflichen Tätigkeit auch seit vielen Jahren als aktiver Regattasegler unterwegs, derzeit vor allem in den Klassen Finn Dinghi und Melges 24. Zudem ist er Miteigner von einem 45er Nationalen Kreuzer mit Baujahr 1917. Michael Good arbeitet seit Januar 2005 für die YACHT-Redaktion und hat in der Zeit gegen 500 Yachten, Katamarane und Jollen getestet.

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