Die Linjett 36 steht für einen gewissen Kurswechsel bei der traditionsreichen schwedischen Werft Rosättra Båtvarv. Frühere Linjett-Modelle waren eher schlank, vergleichsweise filigran und durchaus anspruchsvoll zu segeln. Die neue Generation bietet dagegen deutlich mehr Volumen und Komfort und soll gleichzeitig einfacher zu beherrschen sein. Der sportliche Charakter der Marke soll dabei aber keineswegs auf der Strecke bleiben.
Wie gut dieser Spagat gelingt, konnten wir beim Test der neuen Linjett 36 in den Stockholmer Schären ausführlich ausprobieren. Die Bedingungen waren dafür geradezu ideal: Ein kalter und kräftiger Nordwind blies durch die Inselwelt, zahlreiche Dreher und harte Böen sorgten für ständig wechselnde Verhältnisse. Entsprechend gefordert waren Boot und Crew.
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Gerade dabei zeigte die neue Schwedin eine ihrer größten Stärken. Die Linjett 36 bleibt auch bei ordentlich Druck erstaunlich gutmütig und vermittelt jederzeit ein hohes Maß an Kontrolle. Das gilt besonders für das Ruder. Das einzelne, tief reichende Blatt bietet viel Grip und eine sehr direkte Rückmeldung. Nähert sich die Strömung am Ruder dem Abriss, kündigt sich das frühzeitig mit leichten Vibrationen an den Rädern an. Der Steuermann bekommt damit eine deutliche Rückmeldung, noch bevor die Yacht aus dem Ruder laufen könnte.
Besonders eindrucksvoll zeigt sich das Potenzial der Linjett 36 unter Gennaker. Bei frischem Wind beschleunigte das Boot schnell auf 7,5 bis 8 Knoten, in stärkeren Böen ging es noch deutlich schneller. Trotz des Tempos blieb die Yacht jederzeit kontrollierbar. Selbst mit ordentlich Druck im Segel ließ sie sich sauber abfallen, ohne dass das Ruder an Wirkung verlor.
Nicht weniger überzeugend präsentiert sich die Linjett 36 auf der Kreuz. Bei kräftigem Wind und gerefftem Groß lief sie im Test zwischen 5,7 und 6,2 Knoten hoch am Wind. Die Wendewinkel lagen bei rund 80 Grad. Bemerkenswert ist dabei vor allem, wie hoch die Schwedin trotz ihres gegenüber früheren Linjett-Modellen deutlich voluminöseren Rumpfes gefahren werden kann. Auch in der Welle arbeitet sich das Schiff erstaunlich unbeeindruckt nach Luv.
Die guten Segeleigenschaften sind auch eine Folge der aufwendigen Konstruktion. Rosättra setzt beim Rumpf auf einen leichten Schaumsandwich-Aufbau in Vakuuminfusion. Präzise vorgefräste Schaumkerne helfen dabei, den Harzanteil und damit das Gewicht niedrig zu halten. Die Kräfte von Rigg und Kiel werden über eine solide GFK-Bodengruppe in den Rumpf eingeleitet.
Auch beim Kiel setzt die Werft auf eine robuste Lösung. Der Bleikiel wird nicht einfach flach an den Rumpf geschraubt, sondern sitzt auf einem angeformten GFK-Stummel. Damit sollen die bei einer möglichen Grundberührung auftretenden Kräfte besser in die Rumpfstruktur eingeleitet werden. Insgesamt verbindet die Bauweise geringes Gewicht mit einem hohen Anspruch an Festigkeit und Verarbeitung.
Typisch Linjett ist zudem die konsequente Auslegung für kleine Crews und Einhandsegler. Die wesentlichen Leinen werden bis unmittelbar zu den Steuerständen geführt. Schoten, Fallen, Reff- und Trimmleinen lassen sich damit bedienen, ohne dass der Rudergänger seinen Arbeitsplatz verlassen muss. Das sorgt zwar für einiges an Tauwerk im hinteren Cockpit, ermöglicht dafür aber eine sehr konzentrierte Bedienung.
Wie es unter Deck aussieht, wie die Linjett 36 ausgebaut ist und welchen Wohnkomfort sie bietet, folgt im zweiten Teil unserer Video-Vorstellung.

Redakteur Test & Technik
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