Woy, das steht ganz simpel für wooden yachts. Die jedoch gerade nicht simpel sind. Der erstling überraschte durch komplett eigenständige, ja völlig frische Linien: Flacher Freibord, gemäßigte Breite, negativer Bug, harmonischer Spant und obendrauf brachiale Segelfläche mit Fatheadgroßsegel und achterstaglosem Rigg. Das Boot verdrehte optisch die Köpfe, zeigte sich als seglerische Wucht und gewann direkt die Wahl zu Europas Yacht des Jahres 2026, feierte eine viel beachtete Messe-Premiere in Düsseldorf. Und dann überraschte die Woy 26 noch mit inneren Werten: sie entstand mit der von Werftchef Jan Brügge selbst ausgetüftelten neuen Fertigungsmethode der Vakuum-Holzinfusion gebaut.
Die Woy 26 entsteht per Holz-Infusion. Das Verfahren ähnelt der Vakuum-Infusion für Kunststoffyachten. Das Baumaterial aus Gelegen oder Holzfurnieren, eventuell kombiniert mit einem Sandwichkern aus Balsaholz oder Schaum wird auf der Bauform positioniert. Es liegt auf einer Trennschicht und wird außen mit einem Gittergewebe und dann mit einer Vakuumfolie abgedeckt. Eine Vakuumpumpe saugt das gut fließend formulierte Epoxidharz-Härter-Gemisch aus einem Behälter durch die Werkstoffe, die Vakuumfolie drückt dabei die Holzlagen (oder die Gelege) zusammen.
Das neue Boot sollte jedoch preisbewusster herzustellen sein. Es wird in Leistenbauweise gefertigt und innen wie außen mit Gelegen und Epoxidharz überlaminiert. Innen bleiben die hölzernen Leisten sichtbar, außen wird das Boot lackiert.
Leicht wird es auch mit der konventionellen Bauweise: 1,5 Tonnen soll es auf die Waage bringen, wobei bereits 0,6 Tonnen auf die Bombe entfallen, während die Finne aus Carbon besteht, um den Gewichtsschwerpunkt zu senken. Auch sonst gibt sich die Woy 28 performant: Die Segelfläche aus Fathead-Großsegel und Fock beträgt 45,5 Quadratmeter. Die mit dem Gewicht ins Verhältnis gesetzt bedeutet eine satte Segeltragezahl von 5,9 (dimensionslos). Damit sortiert sich das Boot als gleitfähiger Racer ein. Dabei hilft dann auch der 85 Quadratmeter große Gennaker, der an einem ausziehbaren Bugspriet gefahren wird.
Das Boot ist eine komplette Neukonstruktion, so Martin Menzner von Berckemeyer Yacht Design. Es orientiere sich aber an der LA 28, jene Präziose aus Sicht-Mahagoni mit konvexem Bug und nach oben eingezogenem Freibord, die zu den aufregendsten Booten ihrer Größe gehört. Während die LA jedoch Anleihen von klassischen Regattabooten nimmt, zeigt sich die neue Woy ebenso wie die kleinere Schwester als hochmodern, ohne einer bekannten Racer-Optik hinterherzulaufen.
Das Boot erhält ein Carbonrigg von Pauger, Carbonruderblätter und einen ausziehbaren Elektro-Podmotor mit 3 Kilowatt Leistung. Es erhält einen Hubkiel, mit dem sich der Tiefgang von 2,00 Meter auf 1,05 Meter elektrohydraulisch reduzieren lässt. Das Cockpit ist groß und offen. Die Duchten sind nur halb so lang wie die Plicht, die übrige Fläche lässt sich zum Liegen und Sonnenbaden nutzen. Unter Deck sind vier Kojen vorgesehen, der Kunde des ersten Bootes wünscht keine weiteren Komfortmerkmale.

Stellvertretender Chefredakteur YACHT