Jan Brügge BootsbauWoy 28: Die große Schwester des Erfolgsmodells

Fridtjof Gunkel

 · 16.10.2026

Die auffällige Rumpffarbe, das Holzdeck und der dunkle Aufbau bilden einen markanten Mix.
Foto: Jan Brügge Bootsbau
Erste Segelbilder der Woy 28.
Der hölzerne Daysailer soll mehr Komfort als die Woy 26 bieten, bleibt mit Carbonrigg, Hubkiel und viel Segelfläche aber klar auf sportliches Segeln ausgelegt. Und begeistert optisch.

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Die erste Woy 28 ist am Bodensee ausgeliefert worden. Der 8,70 Meter lange Daysailer verbindet einen Holzrumpf in Leistenbauweise mit Carbonrigg, Hubkiel und vier Kojen unter Deck. Bei einem angepeilten Gewicht von 1,5 Tonnen trägt er 45,5 Quadratmeter Segelfläche am Wind. Damit bleibt die etwas komfortabler ausgelegte Schwester der Woy 26 sportlich ambitioniert. Auch optisch geht sie mit flachem Freibord und negativem Bug einen eigenständigen Weg. Hinter der Marke Woy, kurz für wooden yachts, steht Jan Brügge Bootsbau.

Der Erstling Woy 26 überraschte durch komplett eigenständige, ja völlig frische Linien: Flacher Freibord, gemäßigte Breite, negativer Bug, harmonischer Spant und obendrauf brachiale Segelfläche mit Fathead-Großsegel und achterstaglosem Rigg. Das Boot verdrehte optisch die Köpfe, zeigte sich als seglerische Wucht und gewann direkt die Wahl zu Europas Yacht des Jahres 2026, feierte eine viel beachtete Messe-Premiere in Düsseldorf. Und dann überraschte die Woy 26 noch mit inneren Werten: Sie entstand mit der von Werftchef Jan Brügge selbst ausgetüftelten neuen Fertigungsmethode der Vakuum-Holzinfusion.

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Woy 28: Leistenbauweise statt Holzinfusion

Die Woy 26 entsteht per Holz-Infusion. Das Verfahren ähnelt der Vakuum-Infusion für Kunststoffyachten. Das Baumaterial aus Gelegen oder Holzfurnieren, eventuell kombiniert mit einem Sandwichkern aus Balsaholz oder Schaum wird auf der Bauform positioniert. Es liegt auf einer Trennschicht und wird außen mit einem Gittergewebe und dann mit einer Vakuum­folie abgedeckt. Eine Vakuumpumpe saugt das gut fließend formulierte Ep­oxidharz-Härter-Gemisch aus einem Behälter durch die Werkstoffe, die Vakuumfolie drückt dabei die Holzlagen (oder die Gelege) zusammen.

Das neue Boot sollte jedoch etwas preisbewusster, sprich simpler herzustellen sein. Es wird in Leistenbauweise gefertigt und innen, wie außen mit Gelegen und Epoxidharz überlaminiert. Innen bleiben die hölzernen Leisten sichtbar, außen wird das Boot lackiert. Zumindest der Rumpf. Cockpit und Deck zeigen Holz natur. Beides bildet einen schönen Kontrast.

Woy 28: Hubkiel, viel Segelfläche und Linien zum Niederknien.

Mörderische Segeltragezahl

Leicht wird es auch mit der konventionellen Bauweise: 1,5 Tonnen soll es auf die Waage bringen, wobei bereits 0,6 Tonnen auf die Bombe entfallen, während die Finne aus Carbon besteht, um den Gewichtsschwerpunkt zu senken. Auch sonst gibt sich die Woy 28 performant: Die Segelfläche aus Fathead-Großsegel und Fock beträgt 45,5 Quadratmeter. Diese mit dem Gewicht ins Verhältnis gesetzt bedeutet eine satte Segeltragezahl von 5,9 (dimensionslos). Damit sortiert sich das Boot als gleitfähiger Racer ein. Dabei hilft dann auch der 85 Quadratmeter große Gennaker, der an einem ausziehbaren Bugspriet gefahren wird.

Anleihen von der LA 28

Das Boot ist eine komplette Neukonstruktion, so Martin Menzner von Berckemeyer Yacht Design. Es orientiere sich aber an der LA 28, jener Preziose aus Sicht-Mahagoni mit konvexem Bug und nach oben eingezogenem Freibord, die zu den aufregendsten Booten ihrer Größe gehört. Während die LA jedoch Anleihen von klassischen Regattabooten entnimmt, zeigt sich die neue Woy ebenso wie die kleinere Schwester als hochmodern, ohne einer bekannten Racer-Optik hinterherzulaufen.

Hochwertige Ausstattung

Das Boot erhält ein Carbonrigg von Pauger, Carbonruderblätter und einen ausziehbaren Elektro-Podmotor mit drei Kilowatt Leistung. Es wird mit einem Hubkiel ausgestattet, mit dem sich der Tiefgang von 2,00 Metern auf 1,05 Meter elektrohydraulisch reduzieren lässt. Das Cockpit ist groß und offen. Die Duchten sind nur halb so lang wie die Plicht, die übrige Fläche lässt sich zum Liegen und Sonnenbaden nutzen. Unter Deck sind vier Kojen vorgesehen, der Kunde des ersten, nun am Bodensee ausgelieferten Bootes wünschte keine weiteren Komfortmerkmale.

Technische Daten Woy 28

  • Rumpflänge 8,70 m
  • LWL 7,80 m
  • Breite 2,55 m
  • Tiefgang 1,05 - 2,00 m
  • Großsegel 28,0 m²
  • Fock 17,5 m²
  • Gennaker 85,0 m²
  • Motor 3 kW Podmotor

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Fridtjof Gunkel

Fridtjof Gunkel

Stellvertretender Chefredakteur YACHT

Fridtjof Gunkel, geboren auf Helgoland, startete dort seine Segelkarriere im Opti und stieg schnell auf Kielboote um. Admiral’s Cup, Weltmeisterschaften und weitere internationale Regatten sowie eine Teilnahme im Whitbread Round the World Race Race waren seine prägenden seglerischen Stationen, ebenso wie ausgedehnte Fahrtentörns in Europa und Übersee. Bei der YACHT ist er bereits seit 1985. Er segelt privat einen Performance/Cruiser mit Liegeplatz an der Ostseeküste, seine Lieblingsreviere sind die schwedischen Schären und die Bretagne.

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