Im ersten Teil geht es um Cockpit, Hardtop und Segeleigenschaften der Hanse 461. Jetzt stehen Innenausbau, Kabinenvarianten, Bordtechnik und Preis im Mittelpunkt.
Wer die mit kräftigen Edelstahl-Handläufen bestückte Niedergangstreppe der Hanse 461 hinuntersteigt, findet sich in einem Raum, der auf Anhieb verblüfft: bis zu 2,05 Meter Stehhöhe, Licht durch vier Decksluken, große Aufbaufenster und sechs Rumpffenster. Im ganzen Schiff gibt es nicht weniger als 21 Fenster und Luken – und alle lassen sich öffnen. Sämtliche Wohnbereiche können quer belüftet werden, und die Nasszellen profitieren von Frischluft und Tageslicht. Augenscheinlichste Änderungen zur Hanse 460: Die Pantry ist nach Backbord umgezogen, und statt der Naviecke gibt es nun einen kleinen Tisch, der sich die Sitzbank mit der Salonsitzgruppe teilt.
Das Ausbaumaterial des Testboots nennt sich Nordic Oak, ein heller und gleichzeitig warmer Holzton in seidenmatter Lackierung. Dazu der neue, optionale Echtholzboden, der edler wirkt als die üblichen Holznachbildungen, aber auch empfindlicher ist. Wer die robustere Variante vorzieht, kann sie nach wie vor bestellen. Der helle Ausbau nebst Holzboden kostet rund 10.400 Euro. Standard sind Mahagoni und Kunststoffboden.
Ebenfalls auffällig sind die Schappfronten in weißem Klavierlack. Sie können künftig auch in anderen Farben geordert werden. Arbeitsfläche und Spüle aus Kunststein in gedecktem Weiß sind eine weitere Option und wirken schön einheitlich.
Doch unter Deck wurde nicht nur das Design angepasst. Es gibt auch ganz praktische Änderungen, wie der deutlich breitere und damit komfortablere Durchgang ins Vorschiff. Er ist möglich, weil die große Nasszelle im Bug aufgeteilt wurde. Dusche und WC sind jetzt auf beide Seiten verteilt, dadurch bleibt mehr Platz zur Maststütze in der Mitte. Somit konnte auch eine größere Tür eingebaut werden.
Das Testboot ist eine Eigner-Variante mit großem Inselbett. Alternativ teilt das sogenannte A2-Layout den Bug in zwei getrennte Kabinen, jeweils mit eigenem Bad. Diese Lösung verschiebt den Schwerpunkt von maximalem Privatraum für zwei Personen hin zu häufigem Gästebesuch oder Vercharterung. Um die maximale Kojenzahl zu erreichen, lässt sich an Stelle des auf dem Testboot vorhandenen Wirtschaftsraums und des Navitisches eine weitere Kammer mit Stockbett ordern. Dann steigt die Zahl der festen Kojen auf zehn. Im Salon bietet die gleichfalls größer gewordene Sitzinsel Stauraum, Zugang zu den Kielbolzen und in der Rückenlehne ein Flaschenfach oder Platz für einen ausfahrbaren Fernseher.
Die Elektrik ist gut zugänglich hinter der Rückenlehne der Sitzgruppe untergebracht. Die Standardbatteriekapazität beträgt nur 190 Amperestunden, was für ein derartiges Boot weniger als knapp bemessen ist. Optional lassen sich LiFePo4-Akkus mit 760 Amperestunden ordern, was deutlich besser zum Bootskonzept passt (11.781 Euro).
Bemerkenswert ist die Pantry an Backbord. Je nach Budget kann sie mit zwei Kühlschränken (2.975 Euro), Mikrowelle (2.661 Euro) und einer Spülmaschine ausgerüstet werden (2.975 Euro). Zudem lässt sich statt des Gasherdes ein Induktionsfeld mit Ofen ordern (7.540 Euro). Dann ist allerdings auch ein Generator nötig. Im Utility Room lassen sich Waschmaschine mit Trockner (4.344 Euro) und ein Tiefkühler unterbringen (2.975 Euro).
Beide Achterkabinen bieten komfortable Doppelkojen, gute Stehhöhen und viel Licht. Da das Trennschott leicht nach Steuerbord versetzt ist, gibt es in der Backbordkabine etwas mehr Bewegungsfreiheit und die Möglichkeit, seitlich in die Koje zu klettern. Weniger gelungen sind die schmalen Türen und der begrenzte Stauraum in den Kammern. Praktisch ist der Tagesdusche genannte Waschraum an Backbord. Er beherbergt eine geräumige Dusche und ein WC und ist vom Salon als auch aus der Backbordachterkammer zugänglich.
Auf dem Testboot ist der optionale 80-PS-Yanmar installiert (Aufpreis 8.508 Euro); Standard sind 57 PS. Akustisch fällt der Diesel positiv auf: Die Schallwerte liegen durchweg im grünen Bereich, zudem ist der Motorraum dank aufklappbarer Niedergangsstufen und großer Serviceluken gut zugänglich. Der versenkbare Bugstrahler mit Vario-Speed (16.660 Euro) ist de facto Pflichtausstattung: Bei 14,60 Meter Länge und beachtlichem Freibord wird es in fast jedem Hafen früher oder später eng.
Segelfertig kostet die Hanse 461 ab 392.581 Euro. Mit sinnvoller Grundausstattung wie elektrischer Ankerwinsch, Navigationspaket mit Autopilot und Heizung landet man beim YACHT-Komfortpreis von 458.864 Euro. Das Testboot mit Rollmast, Hardtop, Klimaanlagen, Generator, Waschmaschine und Beachclub kostet rund 725.000 Euro und das, obwohl es nur mit 60 der rund 150 möglichen Optionen bestückt ist.
Stand 2026, wie die ausgewiesenen Preise definiert sind, lesen Sie hier.
Als Modellpflege ist die 461 gelungen. Dass Linien, Anhänge und Rigg nicht verändert wurden, ist kein Nachteil. Sportlicher orientierte Segler hätten sich beim Cockpitlayout und der Beschlagsausstattung Optimierungen gewünscht. Diese Fraktion gehört aber sicher nicht zur Kernzielgruppe dieses Bootstyps. Die Neuerungen unter Deck werten das Interieur weiter auf. Vor allem aber lässt sich die Hanse dank der zusätzlichen Layout-Varianten noch besser als zuvor an individuelle Ansprüche anpassen.
Variantenreiches Interieur
Flexibles Hardtop
Kleine Winschen, E-Winschen nur als Option
Konsequent einhandtauglich
Segelfläche gut unterteilbar
Großschot ohne Hardtop ineffizient
Enormes Raumangebot
Große Kojen in allen Kammern
Knapper Stauraum in den Achterkabinen
Gute Belüftungsmöglichkeiten in Salon, Kabinen und Bädern
Backskisten schwer zugänglich
Knappe Grundausstattung
In der Grundausstattung sind Batterien und Winschen sehr knapp ausgelegt, selbst die optionale Ankerwinsch ist für die Bootsgröße schwach. Es sollte jeweils die stärkste Option gewählt werden.
Der Motorraum ist sehr gut zugänglich, von oben durch den Niedergang und seitlich über große Serviceluken in beiden Achterkabinen. Optional sind E-Antriebe erhältlich.
Hanseyachts AG, 17493 Greifswald; Vertrieb: Händlernetz www.hanseyachts.com
* Angebot von Yachting24, gültig für Versicherungssumme 392.000 Euro (bei Zeitwertdeckung), Selbstbeteiligung: 2.800 Euro, Haftpflicht-Deckungssumme: 8 Millionen Euro.
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Redakteur Test & Technik
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