Esse 890Die Schweizer Anwort auf den Crossover-Trend

Michael Good

 · 03.03.2026

Schön schlank. Die neue Esse 890 ist bei einer Länge von 8,90 Metern nur 2,48 Meter breit. Damit kann das Boot auch einfach auf dem Trailer transportiert werden.
Foto: Esseboats
​Die Schweizer Werft Esseboats erweitert ihr Portfolio und setzt mit der neuen Esse 890 ein frisches Ausrufezeichen in der Welt der sportlichen Segelyachten. Konzipiert als vielseitiger Daysailer, Racer und Weekendcruiser, richtet sich das Konzept der Esse 890 gleichermaßen an ambitionierte Regattasegler wie auch an anspruchsvolle Freizeitsegler. Die neue Esse 890 befindet sich offenbar bereits in Fertigstellung und soll im Frühjahr für erste Tests auf dem Zürichsee ins Wasser gelassen werden.

​Der Entwurf stammt – wie bei Esseboats üblich – von Felci Yacht Design. Der Rumpf wird in moderner Sandwichbauweise im Vakuuminfusionsverfahren gefertigt, was eine hohe Steifigkeit bei vergleichsweise geringem Gewicht verspricht. Bei einer Länge von 8,90 Metern bringt die Esse 890 voll ausgestattet nur rund 1600 Kilogramm auf die Waage, davon hängen 780 Kilogramm (49 Prozent) als Ballast am T-Kiel mit Bleibombe. Wie alle Boote der Werft zeigt auch die neue 890 eine schlanke Konstruktionslinie: Der hohe Streckungsfaktor von 3,6 liegt deutlich über dem Mittelwert. Dank einer Breite von knapp 2,50 Metern soll sich die Esse 890 damit problemlos auf einem Straßentrailer transportieren lassen.

Einfach aber dennoch schnell und sportlich

​Mit rund 50 Quadratmetern Segelfläche am Wind und einem 85 Quadratmeter großen Gennaker verspricht die Esse 890 sportliche Segeleigenschaften. Zum serienmäßigen Ausstattungskonzept gehören ein Rigg aus Kohlefaser mit Selbstwendefock sowie ein Hubkiel, der für den Transport und, wenn nötig, im Hafen hydraulisch um 40 Zentimeter aufgeholt werden kann. Für den Gennaker oder Code Zero ist ein rund 1,50 Meter langer Gennakerbaum aus Kohlefaser seitlich aus dem Rumpf ausfahrbar.

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​Der Kiel ist wahlweise mit 2,10 Metern Tiefgang (Standard) oder in einer Kurzversion mit 1,90 Metern erhältlich. Der weiterentwickelte Rumpf, das fein abgestimmte Rigg und ein klar strukturiertes Cockpitlayout sollen ein müheloses Handling ermöglichen – auch mit kleiner Crew oder im Einhandbetrieb.

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Drei Varianten, drei Preise

​Unter Deck setzt Esseboats auf ein modulares Ausbaukonzept. Je nach Nutzung kann die Esse 890 als puristischer Daysailer, sportlicher Racer oder als Weekender mit einfacher Übernachtungsmöglichkeit konfiguriert werden. Damit richtet sich das Boot an Seglerinnen und Segler, die Performance suchen, ohne auf Flexibilität zu verzichten. Was sicherlich ins Auge springt, ist die Lounge über dem Kielkasten, welche asymmetrisch angeordnet ist und so den Durchgang zur Koje im Vorschiff frei lässt.

​Die Esse 890 wird in drei Ausführungen angeboten werden. In der einfachen Version als Daysailer kommt das Boot segelfertig mit Selbstwendefock, Großsegel und Gennaker sowie mit einem einfachen Ausbau unter Deck. Auch wird das Boot schon ab Werft mit einem Antifouling-Anstrich versehen. Der Grundpreis liegt bei 145.000 Euro (netto) oder 172.550 Euro brutto inkl. 19 % Mehrwertsteuer. In der Ausführung Racer rüstet die Werft das Boot mit einem kompletten Satz hochwertiger Laminatsegel aus, inklusive einer kurz überlappenden Genua mit leinenverstellbaren Holepunkten auf dem Kajütaufbau. Die Preise für dieses Performance-Boot liegen bei 150.000 Euro (netto) oder 178.500 Euro (brutto). In der Variante als Weekender ist die neue Esse unter Deck schöner und hochwertiger ausgebaut und erhält zusätzlich Rumpffenster für mehr Licht und Transparenz unter Deck. Für diese tourentaugliche Ausführung werden 155.000 Euro (netto) oder 184.450 Euro (brutto) fällig.

Technische Daten Esse 890

  • Konstrukteur: Felci Yacht Design
  • Rumpflänge: 8,90 m
  • Länge Wasserlinie: 8,30 m
  • Breite: 2,48 m
  • Tiefgang mit Hubkiel (standar): 1,70 - 2,10 m
  • Tiefgang mit Hubkiel (kurz): 1,50 - 1,90 m
  • Gewicht: 1,6 t
  • Ballast/-anteil: 780 kg / 49 %
  • Segelfläche am Wind: 50,0 m2
  • Segeltragezahl: 6,04
  • Gennaker: 85,0 m2
  • Motorisierung: Aussenborder oder Schachtmotor

Esse - eine Erfolgsstory

Als der Schweizer Josef Schuchter vor rund 20 Jahren begann, über ein eigenes Sportboot nachzudenken, war an eine solche Erfolgsgeschichte kaum zu denken. Die Esse 850 entwickelte sich jedoch schneller als erwartet zu einem Referenzboot im Segment: Bereits im ersten Jahr segelte Schuchter selbst mit der Baunummer 1 zahlreiche Regattaerfolge ein, gleichzeitig übertraf die Nachfrage die Erwartungen deutlich. Spätestens mit der Auszeichnung zur „Europäischen Yacht des Jahres 2005“ erhielt die junge Werft internationale Aufmerksamkeit.

Bis heute wurden von der Esse 850 nicht weniger als 185 Exemplare ausgeliefert – eine bemerkenswerte Stückzahl für einen kleinen Schweizer Hersteller. Der Erfolg bildete die Grundlage für den systematischen Ausbau der Modellpalette. Gemeinsam mit dem langjährigen Designpartner Umberto Felci entstanden weitere Modelle, die kleinere Esse 750, ein konsequent auf Leistung ausgelegtes Kohlefaserboot für ambitionierte Regattasegler sowie die Esse 850 LE, als etwas gezähmte Ausführung der Einheitsklasse Esse 850.

Am anderen Ende der Skala folgte die Esse 990, die zwar die sportliche Handschrift bewahrte, konzeptionell jedoch stärker als exklusiver Daysailer gedacht war. Allerdings kam sie auf dem Markt nur schleppend in die Gänge. Mit der Esse 330 letztlich wurde das Konzept vor zwei Jahren rundum erneuert. Basierend auf dem Rumpf der Esse 990 ist ein Boot entstanden, das deutlich mehr Nutzungsspielraum bietet und deren Konzept mit einem vollwertigen, wohnlichen Innenausbau erstmals auch klar in Richtung Weekender rückt.

Michael Good

Michael Good

Redakteur Test & Technik

Michael Good ist Testredakteur bei der YACHT und kümmert sich in der Funktion in erster Linie um neue Boote, deren Vorstellung sowie um die Produktion von Testberichten. Michael Good lebt und arbeitet in der Schweiz am unteren Bodensee. Er segelt seit Kindertagen und ist neben seiner beruflichen Tätigkeit auch seit vielen Jahren als aktiver Regattasegler unterwegs, derzeit vor allem in den Klassen Finn Dinghi und Melges 24. Zudem ist er Miteigner von einem 45er Nationalen Kreuzer mit Baujahr 1917. Michael Good arbeitet seit Januar 2005 für die YACHT-Redaktion und hat in der Zeit gegen 500 Yachten, Katamarane und Jollen getestet.

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