Unwetter über MarsalaTornado-Doppel trifft auf Sizilien

Unwetter über Marsala: Tornado-Doppel trifft auf SizilienFoto: Screenshot Facebook (Rosaria Pipitone)
Während eines schweren Gewitters bildeten sich die gewaltigen Wasserhosen vor der Westküste Siziliens.
Gleich zwei mächtige Wasserhosen sind heute (am 9. Oktober 2026) vor Sizilien entstanden und als Tornados mit voller Wucht über die Hafenstadt von Marsala hinweggezogen. Im Süden der Stadt und im benachbarten Petrosino hinterlassen die Wirbel schwere Schäden und mehrere Verletzte. Das Ereignis trifft auf eine ohnehin unruhige Wetterphase im Mittelmeer.

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Am heutigen Freitagvormittag, dem 9. Oktober 2026, haben sich vor Marsala an der Westküste Siziliens zwei Wasserhosen gebildet. Aufnahmen in den sozialen Medien zeigen die beiden Trichter gleichzeitig über dem Meer. Anschließend erreichten die Wirbel offenbar die Küste und zogen als Tornados über den Süden Marsalas und das benachbarte Petrosino. Der sizilianische Zivilschutz datiert den Einschlag auf etwa 10 Uhr. Gebäude wurden beschädigt, Dächer abgedeckt, Bäume und Strommasten umgerissen sowie Fahrzeuge umgeworfen. Straßen- und Bahnverbindungen waren zeitweise unterbrochen.

Schwere Schäden und mehrere Verletzte

Eine Schule, Wohnhäuser, Gewerbebetriebe und landwirtschaftlich genutzte Gebäude wurden teils schwer beschädigt. Mehrere Fahrzeuge wurden von der Straße geschleudert; zwei Menschen erlitten dabei schwere Verletzungen. Die Bürgermeisterin von Marsala kündigte an, die Ausrufung des Katastrophenzustands zu beantragen.

Wie viele voneinander unabhängige Tornados tatsächlich an Land gingen, ist noch nicht abschließend geklärt. Über dem Meer waren zwei Trichter gleichzeitig zu sehen. Der sizilianische Zivilschutz spricht in seiner ersten Mitteilung von einem besonders starken Wirbel, andere lokale Behörden und Medien berichten von zwei Tornados. Eine offizielle Einstufung ihrer Stärke liegt bislang nicht vor.

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Wasserhosen unmittelbar vor der Hafenzone

Die Aufnahmen aus dem Seegebiet vor Marsala sehen alarmierend aus. Die beiden Wasserhosen entstanden nach übereinstimmenden Berichten unmittelbar vor der Hafenzone. Von dort bewegten sie sich in Richtung der südlichen Stadtteile und weiter nach Petrosino.

Berichte über Schäden an Yachten, Stegen, Molen oder anderen Hafenanlagen liegen bislang nicht vor. Weder die Feuerwehr noch der regionale Zivilschutz erwähnen in ihren ersten Schadensbilanzen zerstörte Sportboote oder Hafeninfrastruktur.

Dass sich eine Wasserhose vor dem Hafen bildet, muss zudem nicht zwangsläufig bedeuten, dass sie das Hafenbecken durchquert. Die bisher bekannten schweren Schäden konzentrieren sich auf einen Streifen südlich des Stadtzentrums und entlang der Verbindung zwischen Marsala und Petrosino.

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Warum sich die Wasserhosen bilden konnten

Über Sizilien lag eine sehr instabile Luftmasse. Kalte Luft in höheren Schichten traf auf warme und feuchte Luft über dem noch vergleichsweise warmen Mittelmeer. Dadurch konnten kräftige Gewitterwolken entstehen. Das Meer lieferte zusätzliche Feuchtigkeit und Wärme für die Konvektion.

Für die Entstehung eines Tornados reicht warmes Wasser allein jedoch nicht aus. Hinzukommen müssen geeignete Windverhältnisse, bodennahe Konvergenz und – je nach Tornadotyp – Änderungen von Windrichtung und Windgeschwindigkeit mit der Höhe. Satellitenbilder können die kräftige Gewitterzelle zeigen, nicht aber zweifelsfrei den kleinräumigen Tornado selbst. Das macht dieses Wetterphänomen so unberechenbar.

Für ganz Sizilien galt für den heutigen Freitag eine gelbe Unwetterwarnung. Erwartet wurden weitere Gewitter, Starkregen und kräftige Böen. Auch am Samstag soll die Wetterlage instabil bleiben; im Kanal von Sizilien wurden zunehmender Wind und ein schwere See vorhergesagt.

Das Mittelmeer kommt nicht zur Ruhe

Das Ereignis von Marsala reiht sich in eine Serie schwerer Wetterlagen im Mittelmeer ein. Dabei handelt es sich zwar nicht um ein einziges zusammenhängendes Wettersystem; die Ereignisse zeigen aber, wie anfällig das Revier besonders im Herbst ist, wenn erste Kaltluftvorstöße auf ein noch sehr warmes Meer treffen.

In diesem Jahr wird der Effekt noch verstärkt: Das Mittelmeer ist nach den langen Hitzewellen des Sommers 2026 ungewöhnlich warm. Im westlichen und zentralen Mittelmeer wurden im Sommer teils Rekordtemperaturen an der Meeresoberfläche gemessen; am 6. Oktober lag die mittlere Oberflächentemperatur des gesamten Mittelmeers noch 1,2 Grad Celsius über dem üblichen Wert. Luft- und Meereshitze hängen zusammen und können sich gegenseitig verstärken. Ein warmes Meer liefert zudem mehr Feuchtigkeit und Energie für Unwetter. Ob und wie stark es das hier beschriebene Ereignis beeinflusst hat, lässt sich daraus allein jedoch nicht ableiten.

Erst Mitte September hatten Modellrechnungen und Medienberichte vor der möglichen Bildung eines Medicanes gewarnt. Das Tief sollte sich über dem zentralen Mittelmeer organisieren und in Richtung Griechenland und Kreta ziehen. Die befürchtete Entwicklung zu einem tropenähnlichen Wirbelsturm bestätigte sich letztlich nicht. Stattdessen erreichte ein schwächeres Mittelmeertief Griechenland und Kreta mit Regen und örtlichen Gewittern.

Nur rund zwei Wochen später wurde Kreta tatsächlich von schweren Unwettern getroffen – allerdings durch ein anderes System. Vom 30. September bis zum 4. Oktober galt für die Insel die höchste Bereitschaftsstufe „Red Code“. Der griechische Wetterdienst warnte vor heftigen Regenfällen, Gewittern und Nordostwind mit acht bis neun Beaufort über der Ägäis.

Auf Kreta führten die Niederschläge zu Überschwemmungen, Erdrutschen und Stromausfällen. Straßen und landwirtschaftliche Flächen wurden schwer beschädigt, Autos teilweise bis ins Meer gespült. Auf der Lassithi-Hochebene wurden große Gebiete von Wasser und Schlamm bedeckt.

Eine direkte meteorologische Verbindung zwischen der Medicane-Prognose im September, den Überschwemmungen auf Kreta und den Wasserhosen vor Marsala gibt es nicht. Gemeinsam ist den Ereignissen jedoch der saisonale Hintergrund: Im Herbst kann das warme Mittelmeer viel Feuchtigkeit an die Atmosphäre abgeben, während kalte Luft in der Höhe für starke Instabilität sorgt.

Erste Wetterbombe schon im Januar

Sizilien wurde in diesem Jahr schon einmal von einem heftigen Unwetter heimgesucht: Im Januar traf das Sturmtief „Harry“ Sizilien und Malta. Das System brachte Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 Kilometern pro Stunde und außergewöhnlich hohen Seegang. Zwischen der Südspitze Siziliens und Malta wurde eine maximale Einzelwelle von mehr als 16 Metern registriert. Damals entstanden gerade in Häfen schwere Schäden: Pontons brachen, Boote sanken oder wurden an Land gespült.

Meteorologisch unterscheiden sich die Ereignisse deutlich. „Harry“ war ein großräumiger mediterraner Zyklon mit starkem Windfeld, lang anhaltendem Seegang und extremen Niederschlägen. Die Tornados von Marsala entstanden dagegen innerhalb einer einzelnen, räumlich begrenzten Gewitterzelle.

Beide Fälle zeigen jedoch, dass Häfen im Mittelmeer nicht bei jeder Wetterlage automatisch sichere Rückzugsorte sind. Während großräumige Sturmtiefs gefährlichen Schwell in Hafenbecken drücken können, stellen Gewitter vor allem durch Fallböen, Blitzschlag, Hagel und plötzlich entstehende Wasserhosen ein Risiko dar.

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