TragödieSchon wieder: Segelyacht verliert ihren Kiel

Michael Good

 · 10.12.2017

Tragödie: Schon wieder: Segelyacht verliert ihren KielFoto: Swiss Sailing Connection
"Tyger of London", eine Comet 45S
Die Tyger of London kenterte innerhalb von Sekunden durch. Die fünfköpfige Mannschaft konnte gesund abgeborgen werden. Die Ursachen bleiben aber unklar

Das Unglück ereignete sich am Donnerstag, 7. Dezember bei den Kanarischen Inseln. Zu dieser Zeit war die "Tyger of London", eine Yacht vom Typ Comet 45S, südlich von Teneriffa unterwegs, mit unbekanntem Ziel. An Bord: vier Männer und eine Frau. Ganz in der Nähe und auf gleichem Kurs segelte zur selben Zeit die "St Barbara V", eine Rustler 42 aus England, von La Gomera kommend. Beide Yachten kreuzten in Sichtweite voneinander gegen einen starken Ostwind und hohe Wellen auf. Zum Zeitpunkt herrschten 5 Windstärken, in Böen 6 bis 7.

Wie die Mannschaft der "St Barbara V" später berichtete, kenterte die "Tyger of London" plötzlich, nachdem sie zuvor kurz aus dem Ruder gelaufen war. Innerhalb von 30 Sekunden sei das Boot dann durchgekentert, Mast nach unten. Zu diesem Zeitpunkt war der Kiel offenbar bereits komplett abgerissen und nicht mehr am Schiff. Auf der "St Barbara V" wurde augenblicklich ein Notruf abgesetzt, das Großsegel geborgen, die Maschine gestartet und Kurs auf das gekenterte Schiff genommen. Zum Zeitpunkt des Zusammentreffens schwammen die fünf Crewmitglieder der "Tyger of London" bereits im Wasser unweit ihrer durchgekenterten Yacht. Nach mehreren Versuchen im hohen Wellengang konnte die Mannschaft der "St Barbara V" die Schiffbrüchigen schließlich abbergen und in den Hafen von Las Galletas überführen. Alle fünf Segler haben zum Zeitpunkt des Unglücks Automatik-Rettungswesten getragen.

Die durchgekenterte und im Wasser treibende Yacht wurde von den Bergungskräften und der spanischen Küstenwache bis vor den Hafen von Acantilao de los Gigantes geschleppt und dort zunächst gesichert. In den kommenden Tagen soll das Schiff dann aufgerichtet und an Land gekrant werden. Dort werden sich die Experten der Unfalluntersuchungsbehörden mit den Hintergründen für den Kielabriss beschäftigen.

Die "Tyger of London" läuft unter englischer Flagge und wird von einem Unternehmen mit Sitz in der Schweiz für Hochseetörns und für Skipper-Trainings eingesetzt. Die 14,20 Meter lange Yacht vom Typ Comet 45S wurde bei Comar Yachts in Italien gebaut und steht seit acht Jahren intensiv im Einsatz. Der Skipper wollte auf Anfrage von YACHT online am Telefon keine Aussagen zum Unfallhergang machen. Nur so viel: "Wir haben unglaubliches Glück gehabt, dass wir noch am Leben sind." Auch lobt der Schiffsführer die Seemannschaft der Crew auf der "St Barbara V". "Die haben super reagiert und genau das Richtige getan. Wir sind ihnen sehr dankbar."

Der Chef der Comar-Werft in Italien Massimo Guardigli hat erst auf Anfrage von YACHT online vom Unglück der "Tyger of London" erfahren. Mehr als 1200 Yachten, so sagt er, habe Comar Yachts bereits gebaut, und noch nie zuvor seien Probleme an den Kielen oder an den Kielaufhängungen bekannt geworden. Vielmehr vermutet Guardigli, dass dem Vorfall möglicherweise eine Grundberührung und damit Strukturschäden vorausgegangen sein müssten. Sobald die "Tyger of London" an Land steht, will er selbst nach Teneriffa fliegen und sich vor Ort ein Bild von den Beschädigungen an Rumpf und Kielaufhängung machen.

Artikel teilen:
Michael Good

Michael Good

Redakteur Test & Technik

Michael Good ist Testredakteur bei der YACHT und kümmert sich in der Funktion in erster Linie um neue Boote, deren Vorstellung sowie um die Produktion von Testberichten. Michael Good lebt und arbeitet in der Schweiz am unteren Bodensee. Er segelt seit Kindertagen und ist neben seiner beruflichen Tätigkeit auch seit vielen Jahren als aktiver Regattasegler unterwegs, derzeit vor allem in den Klassen Finn Dinghi und Melges 24. Zudem ist er Miteigner von einem 45er Nationalen Kreuzer mit Baujahr 1917. Michael Good arbeitet seit Januar 2005 für die YACHT-Redaktion und hat in der Zeit gegen 500 Yachten, Katamarane und Jollen getestet.

Meistgelesen in der Rubrik Special