Blinklichter an Rettungswesten sollen über Bord gegangene Menschen nachts sichtbar machen. Doch wie weit sind sie unter realistischen Bedingungen zu erkennen? Versuche auf der Nordsee zeigen: Eine höhere gemessene Lichtstärke bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein Licht auf See früher entdeckt wird.
Wer nachts über Bord geht, ist zwischen Wellen und Gischt selbst aus geringer Entfernung nur schwer zu erkennen. Neben Signalfarbe, Reflexstreifen und Signalpfeife gehört deshalb ein Blinklicht zur wichtigen Ausstattung einer Rettungsweste. Es soll Suchmannschaften auf die im Wasser treibende Person aufmerksam machen. Meist sind Rettungswesten nicht standardmäßig mit solchen Leuchten ausgestattet; Kunden können sie nachrüsten und haben dabei die Wahl zwischen verschiedenen Modellen von der klassischen Glühlampe über einzelne LED-Lichter bis hin zu einen Licht, das den gesamten Schwimmkörper der Weste von innen beleuchtet.
Doch wie weit ist ein solches Rettungswestenlicht unter realistischen Bedingungen tatsächlich sichtbar? Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hat diese Frage gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) untersucht. Verglichen wurden zugelassene Position-Indicating Lights, kurz PIL, mit zwei unterschiedlichen Leuchtmitteln: einer modernen LED und einer klassischen Glühlampe. Konkrete Hersteller und Typen von Rettungswesten und Lichtern werden in dem Testbericht nicht genannt.
Zunächst bestimmten die Forscher die Lichtstärke beider Modelle. Dabei lag das LED-Licht erwartungsgemäß vorn: Bei Raumtemperatur erreichte es eine effektive Lichtstärke von 1,71 Candela, das Glühlampenmodell 1,27 Candela. Auch bei Temperaturen von sechs und 14 Grad, entsprechend den Wassertemperaturen während der Versuche, blieb die LED stärker.
Beide Leuchten übertrafen damit die für zugelassene Lichter an Rettungswesten vorgeschriebene Mindestlichtstärke von 0,75 Candela. Nach den üblichen Berechnungsmodellen hätte die LED daher bei allen Versuchen aus größerer Entfernung zu erkennen sein müssen.
Vergleichstests an Land bestätigten diese Erwartung: Dort erschien die LED heller und war aus größerer Entfernung sichtbar als das Glühlampenlicht.
Auf See jedoch änderte sich das Bild. Die beiden Leuchtentypen wurden auf frei treibenden Versuchskörpern befestigt und mit AIS-Sendern versehen. Anschließend näherten sich Schiffe von BSH und DGzRS den Zielen nachts in einer Suchformation. Mehrere Beobachter hielten fest, aus welcher Entfernung sie die Blinklichter erstmals erkennen konnten – mit bloßem Auge oder bei einigen Versuchen mit Ferngläsern.
Das überraschende Ergebnis: In drei von vier Versuchen wurde das eigentlich lichtschwächere Glühlampenmodell aus größerer Entfernung entdeckt als die LED. Nur bei einem Versuch entsprach die Reihenfolge den Labormessungen und den Beobachtungen an Land.
Bei einem der Tests waren beide Leuchten jeweils 445 Meter von den Beobachtern entfernt. Auf den dabei entstandenen Aufnahmen erscheint das Licht der Glühlampe größer und etwas heller als das der LED.
Eine abschließende Erklärung für den Effekt gibt es noch nicht. Die Forscher vermuten, dass die unterschiedliche spektrale Zusammensetzung der beiden Lichtquellen eine Rolle spielen könnte.
Weiße LEDs und Glühlampen erzeugen ihr Licht auf unterschiedliche Weise. Entsprechend unterscheiden sich die Wellenlängen, aus denen sich ihr Licht zusammensetzt. Direkt über der Wasseroberfläche - wie an Rettungswesten - könnten Feuchtigkeit, Gischt, Schaum und Wellen bestimmte Lichtanteile stärker streuen oder abschwächen als andere. Das LED-Licht könnte dadurch mehr von seiner Erkennbarkeit verlieren, obwohl es im Labor die höhere Lichtstärke erreicht.
Dass dieser Effekt bei den Versuchen an Land nicht beobachtet wurde, stützt die Vermutung. Auch der einzige Seetest, bei dem die LED zuerst gesehen wurde, fand an einem anderen, küstennäheren Ort und unter abweichenden Bedingungen statt. Bewiesen ist die Hypothese damit jedoch nicht.
Aus der Untersuchung lässt sich nicht ableiten, dass LED-Rettungswestenlichter grundsätzlich schlechter zu erkennen sind. Dafür ist die Zahl von vier Versuchen auf See zu gering. Zudem wurden zwei konkrete Leuchtentypen verglichen. LEDs können sich unter anderem in ihrer Lichtfarbe, spektralen Zusammensetzung und Abstrahlung erheblich unterscheiden.
Die Ergebnisse stellen daher weder die Zulassung von LED-Leuchten infrage, noch rechtfertigen sie eine pauschale Empfehlung für alte Glühlampenmodelle. Sie weisen vielmehr darauf hin, dass die im Labor gemessene Lichtstärke allein möglicherweise nicht ausreicht, um die praktische Erkennbarkeit eines Rettungswestenlichts auf See zu beurteilen.
Das BSH will die Untersuchungen gemeinsam mit der DGzRS fortsetzen. Geplant sind Versuche mit Leuchtmitteln unterschiedlicher spektraler Zusammensetzung sowie Messungen bei wechselnden Wetter- und Seegangsbedingungen. Schmalbandige Lichtquellen und Spektrometer sollen dabei helfen, eine mögliche wellenlängenabhängige Abschwächung unmittelbar über dem Wasser nachzuweisen.
Der Test ist Teil einer größeren Forschungskooperation von BSH und DGzRS zur Verbesserung der Suche und Rettung auf See.

Redakteurin Panorama und Reise
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