Skurriler SeeunfallSchoner “Rara Avis” kommt in Lachsfarm fest

Ursula Meer

 · 18.08.2026

Skurriler Seeunfall: Schoner “Rara Avis” kommt in Lachsfarm festFoto: Achill Island RNLI
Ein Bild mit Seltenheitswert: Die “Rara Avis” liegt sauber vertäut mitten im kreisrunden Becken einer Lachsfarm.
​Es waren skurrile Bilder, die Ende letzter Woche durch die Medien gingen: Der Schoner “Rara Avis” mitten im kreisrunden Becken einer Lachsfarm. Am Donnerstag (12. August 2026) kam das Schiff an dem ungewöhnlichen Ort vor der irischen Insel Clare Island fest. Es hatte am frühen Morgen mit 25 Personen an Bord versehentlich die schwimmenden Ringe einer irischen Lachsfarm passiert. Die Bergung verlief glimpflich – doch über die Ursachen wird seither spekuliert.

Themen in diesem Artikel

​In den frühen Morgenstunden des 12. August 2026 fuhr der französische Schoner „Rara Avis" in eine Lachsfarm östlich von Clare Island in County Mayo ein und blieb im Inneren eines Lachsgeheges stecken. Niemand von den 25 Personen an Bord kam zu Schaden, kein Fisch entkam. Bevor das nach historischem Vorbild gebaute Schiff aus dem Netzgehege befreit werden konnte, mussten jedoch rund 100.000 Junglachse evakuiert werden. Als Unfallursache gilt nach bisherigem Erkenntnisstand ein Navigationsfehler – doch laut französischen Medien könnte die Nachtbeleuchtung der Anlage eine entscheidende Rolle gespielt haben. Die offiziellen Untersuchungen laufen noch.

​Was ist geschehen?

In den frühen Morgenstunden des 12. August 2026 fuhr der Schoner Rara Avis in die “Portlee-Smolt”-Anlage des Lachsproduzenten Mowi Ireland östlich von Clare Island am Eingang zur Clew Bay in County Mayo ein. Das Schiff überquerte dabei den schwimmenden Ring eines Lachsgeheges und kam im Inneren eines zweiten Geheges zum Stillstand. Der Unfall ereignete sich gegen halb fünf Uhr morgens. Unter den 25 Personen an Bord befanden sich Berichten zufolge auch zwei Kinder im Alter zwischen acht und dreizehn Jahren.

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​Das Schiff und seine Geschichte

Die stählerne “Rara Avis” wurde 1957 in den Niederlanden gebaut – ursprünglich für einen wohlhabenden amerikanischen Banker – und ging später in französischen Besitz über. Das Schiff gehört der Vereinigung „Amis de Jeudi-Dimanche" (AJD), die 1973 vom bretonischen Sozialarbeiter und Priester Père Jaouen gegründet wurde. Die AJD hat ihren Sitz in der Nordbretagne und setzt das Schiff – ebenso wie das Schwesterschiff „Bel Espoir" – für Programme ein, die gefährdeten Jugendlichen und Suchtkranken durch das Segeln den Weg zurück in die Gesellschaft ermöglichen sollen.

Die “Rara Avis” wurde nach dem Vorbild der Themse-Bargen als Plattbodenschiff gebaut. Ihre Länge wird je nach Quelle unterschiedlich angegeben – mit 24, 27, 30 oder sogar 38 Metern. Laut AIS-Daten beträgt die Länge 24 Meter.

​Die Rettung

Die Koordinierungsstelle der Küstenwache in Malin Head (MRSC Malin Head) erhielt einen Notruf wegen eines französischen Segelschiffs, das in der Nähe von Clare Island Wasser machte. Das Rettungsboot der RNLI-Station Achill Island lief aus; außerdem machte sich ein Rettungshubschrauber der irischen Küstenwache aus Sligo auf den Weg zum Einsatzort.

Nach der Lageeinschätzung vor Ort wurden 16 Personen von Bord geholt und sicher nach Clare Island gebracht. Die verbleibenden neun Personen – darunter Kapitän, Ingenieur und ein weiteres Crewmitglied – blieben an Bord, um bei der Stabilisierung des Schiffes mitzuwirken.

​Die Bergung: Fisch vor Schiff

Bevor das Schiff befreit werden konnte, mussten zunächst die Tiere in Sicherheit gebracht werden. Die betroffenen Gehege enthielten 100.000 Junglachse mit einem Durchschnittsgewicht von 500 Gramm – also Tiere, die erst kürzlich von Süßwasser- in Meerwasserhaltung umgesetzt worden waren und noch heranwachsen. Sie wurden auf das Spezialschiff „Inter Atlantic" umgeladen, während die Bergung des Schoners vorbereitet wurde.

Bei der „Inter Atlantic" handelt es sich um ein sogenanntes Wellboat – ein Spezialschiff zum Transport lebender Fische in bordeigenen Wassertanks, mit einer Kapazität von 2.200 Kubikmetern. Es war eigens aus dem Süden Irlands nach Clare Island beordert worden.

Um kurz vor 18 Uhr am selben Abend konnten die Schiffe von Mowi Ireland die “Rara Avis” schließlich binnen 15 Minuten aus ihrem ungewöhnlichen Käfig befreien. Das RNLI-Rettungsboot begleitete sie schließlich nach Achill Island, wo sie um 20 Uhr eintraf.

​Keine Verletzten, keine entwichenen Fische

Der flache Rumpf der “Rara Avis” dürfte wesentlich dazu beigetragen haben, dass das Schiff in beide Gehege eindringen konnte – und sorgte gleichzeitig dafür, dass die Unterwassernetze dabei unbeschädigt blieben. Taucher inspizierten die Gehege nach der Bergung und bestätigten, dass die Haltungsnetze keine Lecks aufwiesen. Oberhalb der Wasserlinie hatte der Schoner allerdings Fluchtnetze sowie Vogelschutznetze beschädigt; dennoch entkam kein Fisch.

Laut dem französischen Segelmagazin „Voiles et Voiliers" gab es an Bord der “Rara Avis” einen kleinen Wassereinbruch im Maschinenraum, der rasch abgedichtet werden konnte. Aktuelle AIS-Daten zeigen, dass das Schiff seine Fahrt inzwischen fortgesetzt hat sich derzeit im Südwesten Irlands befindet.

Defekte Beleuchtung als Ursache?

Die Spekulationen zur Unfallursache reichen von fehlender Aufmerksamkeit bis zu defekter Beleuchtung. Irische Behörden, darunter das Marine Survey Office, haben offizielle Untersuchungen eingeleitet. Als erste mögliche Erklärung galt ein Navigationsfehler der Schiffsführung. Doch laut dem französischen Fachblatt „Le Marin" könnte die Nachtbeleuchtung der Aquakulturanlage ausgefallen oder mangelhaft gewesen sein – was die Verantwortlichkeit buchstäblich in einem anderen Licht erscheinen ließe.

​Kennzeichnung von Aquakulturanlagen: Vorschrift und Wirklichkeit

​Fischfarmen auf See sind grundsätzlich als Navigationshindernisse zu behandeln und zu markieren, so sieht es die “International Association of Marine Aids to Navigation and Lighthouse Authorities” (IALA) vor, die zuständige internationale Organisation für Seezeichen und Navigationshilfen.

Aquakulturanlagen sollen gemäß IALA-Empfehlung O-139 über die Kennzeichnung künstlicher Offshore-Strukturen markiert werden; als Kennzeichnung kommen Sonderzeichen, Lateral- oder Kardinaltonnen infrage, während Fahrwasser zwischen Anlagen in der Regel mit Lateralzeichen markiert werden sollen. Sonderzeichen – die häufigste Variante für Aquakulturanlagen – sind gelbe Tonnen oder Pfosten mit einem Andreaskreuz als Toppzeichen. Bei Nacht zeigen beleuchtete Sonderzeichen gelbes Licht in einem Rhythmus, der nicht mit anderen Seezeichen verwechselt werden kann.

Dass eine Farm auch in der Seekarte eingezeichnet ist, ist allerdings nicht selbstverständlich: So sind beispielsweise in Norwegen nicht alle Fischfarmen in den Seekarten verzeichnet, da ihre Positionen sich häufig ändern – Segler werden ausdrücklich darauf hingewiesen, Ausschau nach ihnen zu halten.

In Irland ist die Situation besonders komplex geregelt: Die “Commissioners of Irish Lights” sind als “General Lighthouse Authority” für ganz Irland zuständig – und damit auch für die Genehmigung der Kennzeichnung und Beleuchtung von Fischfarmen. Die irische Meeresfrüchteagentur Bord Iascaigh Mhara (BIM) arbeitet gemeinsam mit den Commissioners of Irish Lights daran, vereinfachte Navigationskennzeichnungen entlang der Küste zu installieren. Ziel der sogenannten Special Unified Marking Schemes (SUMS) ist es, alle Aquakulturproduzenten in einem Gebiet dazu zu bringen, ihre Grenzmarkierungen in ein einheitliches Schema zu integrieren – und damit die zuvor oft unübersichtliche Vielzahl unterschiedlicher Zeichen zu vereinheitlichen. Das irische Merchant Shipping Act schreibt vor, dass keine Tonne oder Bake ohne Genehmigung der Commissioners of Irish Lights installiert, entfernt oder verändert werden darf – die Irish Lights sind damit auch für die Genehmigung aller Navigationshilfen an Aquakulturstandorten verantwortlich.

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Ursula Meer

Ursula Meer

Redakteurin Panorama und Reise

Ursula Meer ist Redakteurin für Reisen, News und Panorama. Sie schreibt Segler-Porträts, Reportagen von Booten, Küsten & Meer und berichtet über Seenot und Sicherheit an Bord. Die Schönheit der Ostsee und ihrer Landschaften, erfahren auf langen Sommertörns, beschrieb sie im Bildband „Mare Balticum“. Ihr Fokus liegt jedoch auf Gezeitenrevieren, besonders der Nordsee und dem Wattenmeer, ihrem Heimatrevier.

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