SeenotWeniger Todesfälle auf dem Bodensee - Wasserschutzpolizei zieht Bilanz

YACHT-Redaktion

 · 17.03.2026

Seenot: Weniger Todesfälle auf dem Bodensee - Wasserschutzpolizei zieht BilanzFoto: Wasserschutzpolizei
Wasserschutzpolizei auf dem Bodensee: 2025 mussten die Beamten häufiger ausrücken als im Vorjahr.
Die Wasserschutzpolizeien am Bodensee haben ihre Statistik für 2025 vorgelegt. Darin sind insgesamt 146 Havarien registriert – ein neuer Höchststand auf baden-württembergischer Seite. Elf Menschen verloren ihr Leben, sechs weniger als im Vorjahr. Die meisten Todesfälle ereigneten sich jedoch nicht im Zusammenhang mit Wassersport, sondern beim Baden. Über 250 Personen mussten aus Seenot gerettet werden.

Auf dem über 530 Quadratkilometer großen See und dem 21 Kilometer langen Hochrheinabschnitt zwischen Konstanz und Schaffhausen starben demnach elf Menschen bei Bade- und Bootsunfällen zwischen Bregenz, Romanshorn und Überlingen. Die Zahl der Todesopfer sank damit um sechs gegenüber dem Vorjahr. Auf baden-württembergischer Seite registrierten die Wasserschutzpolizeistationen Friedrichshafen, Konstanz und Überlingen 104 Bootsunfälle – der höchste Stand seit zehn Jahren. Der entstandene Gesamtschaden lag bei rund 2,01 Millionen Euro.

Fünf der elf Todesfälle standen im Zusammenhang mit Badeunfällen, eine weitere Person starb bei einem sonstigen Unfall auf dem See. Die Seepolizei Thurgau verzeichnete auf dem Thurgauer Teil des Bodensees, dem Hochrhein und weiteren Gewässern im Kanton 22 Unfälle. Vier Menschen verloren dabei ihr Leben, fünf wurden verletzt.

Höchststand bei Schiffsunfällen

Die Gesamtzahl der Havarien stieg international leicht auf 146 Fälle. Auf baden-württembergischer Seite markieren die 104 registrierten Unfälle einen neuen Rekord im Zehnjahresvergleich. Gut die Hälfte der Bootsunfälle ereignete sich in Häfen und an Steganlagen beim Manövrieren.

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In der Uferzone bis 300 Meter Entfernung registrierte die Wasserschutzpolizei 28 Unfälle, auf dem offenen See 26 und in Fließgewässern 5. Zu den häufigsten Unfallarten zählten Festkommen nach Grundberührung mit 28 Fällen und Kollisionen mit 27 Fällen.

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Als Hauptursache nennt die Wasserschutzpolizei mangelnde Sorgfalt der Schiffsführer. Dazu zählen menschliche Fehler, Selbstüberschätzung und mangelnde Erfahrung im Umgang mit Booten. Viele Sportbootfahrer seien zu leichtsinnig und könnten die Wettersituation nicht richtig einschätzen, heißt es im Bericht. Der Sachschaden durch Unfälle lag 2025 bei rund 2,01 Millionen Euro – deutlich mehr als im Vorjahr.

Spektakuläre Einzelfälle

Im Mai stürzte in Kressbronn ein fabrikneues Motorboot beim Einkranen ins Hafenbecken, nachdem ein Gurt verrutscht war. Das Boot prallte zunächst gegen die Hafenmauer und fiel anschließend ins Wasser. Die Feuerwehr legte eine Ölsperre. Der Sachschaden lag bei rund 1,5 Millionen Euro.

Im Juli starb bei Überlingen ein 28-jähriger Mann beim Baden. Vor der Insel Reichenau ertrank ein 58-jähriger Schwimmer, seine Leiche wurde erst Tage später gefunden. Im August geriet eine 79-jährige Frau beim Schwimmen bei Ludwigshafen in eine Notlage und verlor das Bewusstsein. Eine Stand-up-Paddlerin bemerkte die Situation und rettete die Frau. Nach einer erfolgreichen Reanimation kam sie ins Krankenhaus.

Ein 27-jähriger Mann starb nach einem Schwimmausflug am Strandbad Hörnle in Konstanz, nachdem er seine Schwimmfähigkeiten überschätzt hatte. Ein weiterer Mann wurde nach einer groß angelegten Suche später tot im Bereich Markelfinger Winkel gefunden.

Umfangreiche Rettungseinsätze

Neben der Unfallstatistik zieht die Wasserschutzpolizei auch eine Bilanz ihrer Einsätze. 241 Seenotfälle wurden 2025 registriert, zudem rückten Einsatzkräfte 309-mal im Sturmwarndienst aus. Dabei retteten die Beamten insgesamt 256 Menschen auf dem Bodensee.

Die Seepolizei Thurgau registrierte 94 Seenotfälle und rettete 174 Personen, die das Ufer nicht mehr aus eigener Kraft erreicht hätten. Außerdem mussten 136 Boote aus Seenot geborgen werden. Ohne Hilfe hätten viele Besatzungen ihre Häfen oder das Ufer nicht mehr erreicht.

Vor Radolfzell ging ein 75-jähriger Bootsführer über Bord, nachdem sich ein Angelhaken in seiner Jacke verfangen hatte und er die Pinne seines Außenbordmotors abrupt einschlug. Ein Angler beobachtete den Vorfall und rettete den Mann. Die Wassersportsaison 2025 verlief für die Seepolizei Thurgau insgesamt durchschnittlich. Dies dürfte unter anderem auf die weniger wassersportfreundlichen Wetterverhältnisse in der ersten Jahreshälfte sowie das Ausbleiben außergewöhnlich starker Sturmereignisse zurückzuführen sein.

Niedriger Wasserstand prägt das Jahr

Der Wasserstand des Bodensees lag während eines Großteils des Jahres deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt und näherte sich teilweise rekordtiefen Werten. Gegen Ende des Jahres normalisierten sich die Pegelstände wieder.

Die Präventionskampagne „Ufm Rhy" wurde auch 2025 gemeinsam mit der Schaffhauser Polizei und der Wasserschutzpolizei Baden-Württemberg weitergeführt. Sie macht Rheinbenutzerinnen und -benutzer mit auffälligen Botschaften auf Gefahren wie Wiffen, Kursschiffe oder Brückenpfeiler aufmerksam und gibt Sicherheitstipps.

Mit Blick auf die kommende Wassersportsaison rät die Wasserschutzpolizei Bootsführern, Wetterlagen genau zu beobachten und Rettungsmittel bereitzuhalten. Besonders wichtig sei die Beachtung der Sturmwarnleuchten am Bodensee. Diese warnen mit 40 Lichtblitzen pro Minute vor Starkwind und mit 90 Blitzen pro Minute vor Sturm – meist etwa eine Stunde bevor gefährliche Bedingungen eintreten.

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