SeenotMehrere Rettungseinsätze in der Ostsee

Morten Strauch

 · 11.07.2022

Seenot: Mehrere Rettungseinsätze in der OstseeFoto: DSRS Lynæs

Die deutschen Seenotretter befreien auf der Ostsee vier Segler aus unterschiedlichen Situationen. In Dänemark konnte ein Boot bisher nicht geborgen werden

Die Seenotretter der Station Warnemünde sind Freitagnacht, 8. Juli 2022, auf der Ostsee unweit der vielbefahrenen Kadetrinne einer Segelyacht mit sichtlich erschöpfter Besatzung bei sehr ruppiger See und Starkwind zu Hilfe gekommen. Etwas später waren die Seenotretter der DGzRS-Station Sassnitz ebenfalls bei rauem Seegang für eine manövrierunfähige Segelyacht östlich der Insel Rügen im Einsatz. Die dänischen Retter von der DSRS-Station in Lynæs auf Nordseeland eilten einem Motorsegler zu Hilfe, der mit Motorschaden auf die Küste zutrieb.

Warnemünde, 8. Juli 2022, 20 Uhr: Bei etwa zwei Meter hohen Wellen und einem steifen Westwind mit bis zu sieben Beaufort machte die zweiköpfige Besatzung mit ihrer Segelyacht keine Fahrt mehr über Grund. Sie seien durchnässt, sehr erschöpft und bräuchten wegen der einsetzenden Dunkelheit dringend Hilfe. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die Frau und der Mann etwa siebeneinhalb Seemeilen westlich von Ahrenshoop in der Nähe der Kadetrinne – mit rund 55.000 Durchfahrten jährlich eine der am stärksten befahrenen Großschifffahrtsstraßen Europas.

Die deutsche Rettungsleitstelle See der DGzRS alarmierte sofort die in Warnemünde stationierten Seenotretter, die bereits wenige Minuten später mit dem Seenotrettungskreuzer "Arkona" zur Segelyacht ausliefen. Vor Ort stellten sie trotz schwieriger Bedingungen schnell eine Leinenverbindung her und befreiten die Segler aus ihrer gefährlichen Lage. Anschließend brachten die Seenotretter die etwa zehn Meter lange Segelyacht und ihre erleichterte Besatzung sicher in den Hafen von Warnemünde. Die Schleppreise dauerte aufgrund der rauen See rund dreieinhalb Stunden.

Sassnitz, 9. Juli 2022, 0:30 Uhr: Notruf per Smartphone in der deutschen Rettungsleitstelle See: Östlich der Insel Rügen hat eine Segelyacht Mastbruch erlitten und zusätzlich eine Leine im Propeller gefangen. Die bereits entkräfteten Segler trieben zu diesem Zeitpunkt manövrierunfähig mit ihrer etwa neun Meter langen Yacht bei ebenfalls sehr ruppiger See und starkem Westwind mit Böen der Stärke sieben.

Die Seenotretter der Station Sassnitz nahmen mit dem Seenotrettungskreuzer "Harro Koebke" sofort Kurs auf den Havaristen. Aufgrund der nicht eindeutigen Positionsangabe und der sehr schlechten, immer wieder abbrechenden Mobilfunkverbindung mussten die Seenotretter zunächst eine Zeit in dem angegebenen Seegebiet suchen, ehe sie die Segelyacht schließlich gegen 2 Uhr etwa 13 Seemeilen östlich von Sassnitz entdeckten.

Bei bis zu zwei Meter hohen Wellen nahm der Seenotrettungskreuzer die Segelyacht in den Windschatten, damit die Besatzung des Tochterbootes "Notarius" eine Leinenverbindung herstellen konnte. Danach schleppte die "Notarius" den Havaristen samt der Crew sicher nach Sassnitz.

Bereits am Donnerstag, 7. Juli 2022, ist ein dänischer Motorsegler vor der Küste Nordseelands in Seenot geraten, als der Motor ausfiel und der 42-Fußer auf Legerwall geriet. Der ausgeworfene Anker konnte das 18 Tonnen schwere Schiff bei hohem Wellengang nicht halten, sodass es unaufhaltsam auf die Küste trieb. Das junge Seglerpaar setzte darauf Notrufe ab und feuerte Notsignale in den Himmel.

Die Feuerwehr aus Gilleleje sowie die Seenotretter der DSRS aus Lynæs kamen zu Hilfe, konnten das Schiff aufgrund dessen Größe und des flachen Wassers jedoch nicht aus der prekären Lage befreien. Nachdem die Crew sicher an Land war, wurde der Einsatz daher abgebrochen und der Motorsegler sich selbst überlassen.

Die beiden Segler stehen vorläufig vor den Trümmern ihres Traumes einer Weltumsegelung. Alles Ersparte ging in das Boot, für eine Versicherung reichte es tragischerweise nicht. Nun hoffen sie auf ein kleines Wunder, dass ihr Boot doch noch gerettet werden kann, bevor es von der Brandung aufgerieben wird.

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