Die Besatzung des Seenotrettungskreuzers “Bremen” beobachtete am 3. Februar zwei Kitesurfer auf dem Großenbroder Binnensee. Bei sechs bis sieben Beaufort Ostwind nutzen die beiden Lübecker die für ihren Sport guten Bedingungen. Der zur Ostsee hin offene Binnensee bietet bei starkem Ostwind in der Regel gute Voraussetzungen fürs Kitesurfen. Einer der beiden verlor dabei sein Kiteboard. Die Seenotretter sichteten die Männer zunächst gemeinsam auf dem zugefrorenen Teil des Binnensees auf dem Weg zum Ufer. Doch dann kehrte einer der beiden um, offenbar um sein Kiteboard zu bergen. Wenige Minuten später brach der mit einem Neoprenanzug bekleidete Wassersportler ins Eis ein. Die Seenotretter ließen sofort das Tochterboot “Vegesack” zu Wasser.
Das Eis befand sich zu diesem Zeitpunkt in einer Gefrierungsphase, die aus der Wasseroberfläche eine dicke, aber extrem brüchige, trübe Eisschicht macht. Die Schicht hat noch keinen festen Zusammenhalt. In der Fachliteratur wird dieses schlammartige Eis als Eisgries bezeichnet. Den Seenotrettern gelang es, dem Kiter im Eisgries so weit entgegenzufahren, dass er sich selbst durchs Eis bis zum Tochterboot bewegen konnte. Aus eigener Kraft wäre es dem Mann nicht gelungen, wieder an Land zu gelangen. Die Lufttemperatur betrug minus drei Grad Celsius, die Wassertemperatur lag um null Grad. Die Seenotretter nahmen auch sein Kiteboard auf und brachten den Geretteten sicher an Land.
Neben der starken Gefahr von Unterkühlungen wird von den Brett-Sportlern ein weiteres Frost-Phänomen manchmal unterschätzt, das jedoch aus der sonstigen Seefahrt durchaus bekannt ist: Das Vereisen von Aufbauten und Riggs. Dabei gefriert die von Schaumkronen abgerissene Gischt bei niedrigen Luft und Wassertemperaturen dort, wo die Wassertröpfchen auf das Boot treffen. Besonders bei Segelschiffen kann das gefährlich werden, wenn Spieren, Wanten und Stage immer mehr in einen Eispanzer gehüllt werden. Das führt zu einer Schwerpunktverschiebung nach oben, verminderter Stabilität und zusätzlicher Gewichtsbelastung. Außerdem erhöht sich die “Segelfläche” wegen der größeren Angriffsflächen. Insgesamt steigt die Kentergefahr. Dagegen hilft nur Eisklopfen der Crew.
Bei Wingfoilern kann dieses Phänomen dazu führen, dass Wing oder Foil vereisen und immer schwerer werden, bis hin zur Unbedienbarkeit durch den Piloten. So gibt es auf Instagram- einen aktuellen Bericht eines Wingfoilers, der bei Minusgraden unterwegs war und genau dieses Problem erlebte. Der Sportler berichtet, dass er versuchte, das Eis im Wasser aufzutauen, aber dadurch bildete sich noch mehr Eis auf den Tubes (den aufblasbaren Schläuchen des Wings). Er erwähnt, dass er sowohl einen Naish- als auch einen DuotoneWing dabei hatte, die beide von diesem Problem betroffen waren.