Es ist 2:30 Uhr, als ein Notruf die Routine an Bord der "Raven" durchbricht. Die fünfköpfige Crew überführt gerade die 25-Meter-Charteryacht nach Antigua als sie mitten in der Nacht ein Notruf erreicht: Das Joint Rescue Coordination Centre (JRCC) Mindelo auf den Kap Verden meldet sich.
Eine Solo-Atlantikruderin treibe manövrierunfähig auf See, heißt es. Die Leitstelle übermittelt ihre Position. Sie befindet sich etwa 70 Seemeilen westlich der “Raven”. “Binnen 30 Minuten hatten wir alle nötigen Informationen beisammen”, berichtet Dietmar Henke später dem Trans-Ocean Verein. “Danach stand fest: Wir ändern den Kurs.”
Am nächsten Morgen gegen zehn Uhr erreicht die unter britischer Flagge fahrende "Raven" das Ruderboot. Henke berichtet, die Frau sei erschöpft gewesen, aber sichtlich erleichtert, als die Segelyacht längsseits kommt. Die Bedingungen waren zu dem Zeitpunkt moderat: zehn bis 15 Knoten Wind, Wellenhöhen zwischen ein und eineinhalb Metern. Die Crew nimmt das Ruderboot ins Schlepp – es trägt ebenfalls den Namen "Raven".
Unter Motor steuern sie den nächstgelegenen Hafen an, nämlich den von Mindelo auf der kapverdischen Insel São Vicente, etwa 200 Seemeilen entfernt. Nach rund 30 Stunden erreichen sie sicher die Marina. Henke betont: Ohne moderne Technik wie AIS, Tracker und Satellitenkommunikation wäre die Rettung nicht möglich gewesen.
Rebecca Ferry war am 15. Dezember von Gran Canaria aufgebrochen, offiziell gelistet bei der Ocean Rowing Society. Ihr Ziel: Barbados. Doch bereits gut eine Woche nach dem Start verlor sie die Manövrierfähigkeit. Die genaue Ursache ist unbekannt.