Sechs Segler haben gestern (23. April 2026) eine äußerst brenzlige Rettung auf dem offenen Atlantik erlebt. 155 Seemeilen westlich von Vigo mussten sie sich bei 30 Knoten Wind und entsprechendem Seegang von ihrer leckgeschlagenen Yacht in ein Rettungsfloss fallen lassen, bevor der Hubschrauber Pesca 1 der galizischen Küstenwache sie einzeln aufwinschte. Die Operation gilt als Grenzfall – sowohl was die Entfernung als auch die Wetterbedingungen anging.
Gegen 9:30 Uhr aktiviert die sechsköpfige Crew – vier Männer und zwei Frauen – die EPIRB. Sie hat gleich zwei Probleme: Wassereinbruch und Motorausfall. Die Ursache des Lecks ist bisher nicht bekannt. Die Crew meldet zwar, das Leck vorübergehend unter Kontrolle zu haben, bittet aber angesichts des kritischen Zustands dennoch um Evakuierung.
Das Centro de Salvamento Marítimo in Finisterre alarmiert einen Hubschrauber der Guardacostas de Galicia, der galizischen Küstenwache. Als Backup wird ein weiterer Helikopter aus A Coruña alarmiert. Auch ein portugiesisches Fischereifahrzeug in der Nähe wird über die kritische Situation informiert.
Die Herausforderung: Bei 30 Knoten Wind und 155 Seemeilen Distanz muss der Heli “Pesca 1”, ein Eurocopter AS 365 Dauphin mit einer theoretischen Reichweite von 230 Seemeilen, seine Kapazität bis ans absolute Limit ausreizen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kommunikation zunächst nicht funktioniert. Erst über das Satellitensystem Starlink und eine Kontaktperson in Estland gelingt der Funkkontakt; ein denkbar weites Mayday-Relay-Szenario.
Als der Helikopter den Havaristen erreicht, beginnt für die Crew ein waghalsiges Unterfangen. Ein Video der galizischen Küstenwache zeigt die brenzlige Rettung: Bei starkem Seegang müssen sich alle sechs Crewmitglieder vom Deck auf ein gelbes Rettungsfloss fallen lassen, bevor der Hubschrauber sie einzeln aufwinschen kann.
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Alle wurden wohlbehalten nach Vigo geflogen. Ob das Boot weiterhin irgendwo im Atlantik treibt oder inzwischen gesunken ist, ist derzeit nicht bekannt. Das letzte AIS-Signal wurde am Mittag der Havarie gesendet. Zugleich warnte eine regionale Meldung vor dem treibenden Boot, letzte Position: 42°46.73'N 011°52.33'W vor Finisterre.
AIS-Daten und Informationen der Küstenwache lassen darauf schließen, dass es sich bei dem Havaristen um die „Cekritito“ handelt, ein Segelschulschiff unter estnischer Flagge. Im AIS war gestern zu sehen, wie sich der 12-Meter-Segler nach einer Kursänderung zunächst mit acht, dann aber mit teils weniger als einem Knoten vorwärtsbewegte. In seiner Nähe hielt sich ein Fischerboot auf.
Die in Schweden als Abschlussprojekt an einer Berufsschule für Schiffbau nach einem Bruce Roberts-Entwurf gebaute Ketch ist seit 2021 für Sail-Training-Fahrten im Einsatz. Gerade befand sie sich auf dem Rückweg aus der Karibik. Laut Sail Training International waren eine Teilnahme an den Tall Ships Races 2026 als Teil der Heimreise geplant. Die prestigeträchtige Rennserie startet am 24. Juni in Aarhus (Dänemark) und führt über Harlingen, Antwerpen und Stavanger bis zum Finale in Aalborg Ende Juli/Anfang August.

Redakteurin Panorama und Reise