Santa Rosa IslandGestrandeter Segler löst Flächenbrand aus

Lasse Johannsen

 · 22.05.2026

Santa Rosa Island: Gestrandeter Segler löst Flächenbrand ausFoto: Lauren Dauphin/Nasa Earth/Planet Pix via ZUMA Press Wire
Santa Rosa am 20. Mai: deutlich zu sehen sind die sich vom Strand ins Landesinnere ausbreitenden Feuer.

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Auf Santa Rosa Island im kalifornischen Channel Islands National Park wütet das größte Feuer in der Geschichte der Kanalinseln. Die Küstenwache vermutet, dass es von einem gestrandeten Segler ausgelöst wurde. Alle Ankerplätze sind gesperrt, damit fällt ein bei Blauwasserseglern beliebter Etappenstop weg.

​Das Feuer wurde am 15. Mai 2026 von einem Flugzeug aus entdeckt, Löschkräfte werden per Boot auf die Insel gebracht. Die Insel ist für Besucher geschlossen, 11 Mitarbeiter des National Park Service wurden per Hubschrauber evakuiert. Für Segler und Motorbootfahrer, die die Channel Islands regelmäßig ansteuern, ist Santa Rosa Island ein zentraler Zwischenstopp – gut geschützte Ankerplätze, verlässlicher Schutz vor Nordwestwinden. Jetzt ist alles dicht.

Havarie mit Folgen

​Die US-Küstenwache geht davon aus, dass das Feuer möglicherweise durch Leuchtraketen eines gestrandeten Seglers ausgelöst wurde. Ein 67-jähriger war am Freitag mit seiner Yacht vor der Insel aufgelaufen und wurde am Sonntag von der Küstenwache gerettet. Das Feuer wurde am Freitagnachmittag gegen 16:20 Uhr zwischen Ford Point und South Point an der Südküste von Santa Rosa Island gemeldet.

Binnen drei Stunden nach Ausbruch hatten bereits über 1.200 Acres gebrannt. Bis zum 19. Mai hatte sich das Feuer auf rund 16.600 Acres (6.700 Hektar) ausgebreitet und erfasste große Teile des südöstlichen Quadranten der Insel. Stand heute: 17.554 Acres, 44 Prozent Eindämmung.

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Gesperrte Ankerplätze

​Santa Rosa Island bietet unter normalen Umständen mehrere bewährte Ankerplätze – Northwest Anchorage in Bechers Bay und Johnsons Lee sind beide exzellent, erfordern nur einen Anker und sind gut vor Schwell geschützt. Die Northwest Anchorage Bechers Bay bietet den besten Schutz aller Santa Rosa Island Ankerplätze.

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​Es gibt keine Häfen auf der Insel, aber Ankerplätze in Bechers Bay und Johnsons Lee, zudem mehrere gute Bootsanlegestellen und ein Pier nahe Northwest Anchorage. Genau diese Infrastruktur ist momentan nicht nutzbar.

Feuerwehrleute versuchen, wichtige Infrastruktur auf der Insel zu retten, darunter das Treibstoffgebäude und den Pier – ohne Pier keine Anlandung, ohne Treibstofflager keine Versorgung für Notfallteams.

Törnplanung: Was sich ändert

Santa Rosa Island ist mit 53.195 Acres (215 km²) die zweitgrößte der Kanalinseln, liegt etwa 26 Meilen vor der Küste von Santa Barbara. Santa Rosa Island ist 15 Meilen lang in westlicher Richtung und hat eine maximale Breite von fast 10 Meilen.

Für mehrtägige Törns durch die Channel Islands war Santa Rosa bisher ein strategischer Stopp – Bechers Bay auf Santa Rosa Island gehört zu den beliebten Ankerplätzen. Jetzt müssen Crews ihre Routen umplanen:

Typische Routen

  1. Ventura → Santa Rosa → San Miguel
    Vorher: Zwei Etappen à 15-20 sm mit Übernachtung in Bechers Bay
    Jetzt: Direkter Schlag (~40 sm) oder Umweg über Santa Cruz
  2. Santa Barbara → Channel Islands Rundtörn
    Vorher: Santa Cruz → Santa Rosa → San Miguel → zurück
    Jetzt: Santa Rosa weiträumig umfahren oder komplett auslassen
  3. Wochenend-Törn ab Oxnard
    Vorher: Anacapa → Santa Rosa → zurück
    Jetzt: Nur Anacapa oder Santa Cruz als Ziel

Auf Santa Rosa sollten Crews unbedingt nach Bechers fahren, an Land gehen und die alte Ranch besuchen; von dort aus kann man weiter nach Johnsons Lee an der Südküste – dort gibt es heftige Sundowner mit Böen bis 40 Knoten. Diese Option fällt komplett weg.

Historische Verluste

Das Feuer hat zwei historische Strukturen zerstört: Johnson's Lee Equipment Shed und Wreck Line Camp Cabin. Beide Gebäude stammten aus der Zeit der Vieh- und Jagdwirtschaft auf der Insel. Die Eigentümerfamilie Vail & Vickers verkaufte die Insel 1986 für fast 30 Millionen Dollar an den National Park Service.

Es gibt mehrere gute Bootsanlegestellen und einen Pier nahe Northwest Anchorage – genau diese Infrastruktur steht im Fokus der Löscharbeiten. Ohne funktionierenden Pier können auch nach Ende des Feuers keine Fährverbindungen oder größeren Yachten anlegen.

Schwierige Löscharbeiten

Der abgelegene Inselzugang und Kommunikationseinschränkungen bleiben eine Herausforderung. Alle Ausrüstung und Personal für die Feuerwehr werden per Boot angeliefert. Lösch-Crews versuchten, Wasser aus der Luft abzuwerfen, aber Sturmböen machten diese Taktik wirkungslos; je nach Wetterlage werden die Teams die Strategie neu bewerten.

Erst am Dienstagabend konnten wasserfallende Hubschrauber das Gebiet erreichen und mit der Brandbekämpfung beginnen. Bis dahin waren die Teams auf Handarbeit am Boden angewiesen – mindestens 70 Feuerwehrleute und Park Ranger kämpfen gegen die Flammen.

Anspruchsvolles Revier

Die fünf Inseln des National Park (Anacapa, Santa Cruz, Santa Rosa, San Miguel und Santa Barbara) liegen an der Kreuzung zweier großer Meeresströmungen, was zu bemerkenswerter Artenvielfalt führt. Nebel und Winde stellen selbst für erfahrene Bootsfahrer eine Herausforderung dar.

Der vorherrschende Wind weht das ganze Jahr über aus West bis Nordwest, typischerweise zwischen 11 Uhr und 20 Uhr mit durchschnittlichen Geschwindigkeiten zwischen 10 und 20 mph. Von November bis April sind bei warmem Wind aus Nordost hohe Winde mit klarem Himmel und guter Sicht zu erwarten; auch bei Drehung auf Nordwest gibt es hohe Winde.

Santa Rosa ist die zweitgrößte Insel im Park und Heimat seltener Pflanzen, darunter sechs Arten, die nur auf dieser Insel vorkommen. Die Insel beherbergt eine der seltensten Kiefernarten, die Santa-Rosa-Unterart der Torrey-Kiefer, die nirgendwo sonst auf der Welt vorkommt. Genau diese endemischen Arten sind jetzt durch das Feuer bedroht.

Was Segler jetzt tun sollten

  • ​Aktuelle Bedingungen beim National Park Service prüfen
  • Notice to Mariners der US Coast Guard beachten
  • Mindestabstand zur Insel einhalten (Empfehlung: 1 Seemeile)
  • Alternative Ankerplätze in Törnplanung einbeziehen
  • Bei Rauchentwicklung: Sicht kann drastisch eingeschränkt sein

Private Bootsfahrer dürfen das ganze Jahr über auf allen fünf Inseln des Channel Islands National Park anlanden; Landegenehmigungen sind nicht erforderlich, außer für das Eigentum von The Nature Conservancy auf Santa Cruz Island. Aber: Die Ursache des Feuers wird noch untersucht – möglicherweise folgen verschärfte Regelungen für Notraketen in Küstennähe.

Feuer zu 44 Prozent eingedämmt

​Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung (22. Mai 2026) ist das Feuer zu 44 % eingedämmt. Die Situation kann sich täglich ändern – Bootsfahrer sollten vor Törnbeginn die aktuellen Bedingungen beim National Park Service prüfen.

Lasse Johannsen

Lasse Johannsen

Stellvertretender Chefredakteur YACHT

Geboren in Kiel, aufgewachsen am Wasser und an Bord, seglerisch ausgebildet im Verein und beim Segeln auf Nord- und Ostsee. Nach Schule, Marine und juristischer Ausbildung 2007-2009 Volontariat bei der YACHT im Ressort Panorama, welches er heute leitet. Daneben verantwortet er die Sonderausgabe YACHT classic, veröffentlichte mehrere Bücher im Verlag Delius-Klasing und ist stellvertretender Chefredakteur der YACHT. Johannsen ist begeisterter Fahrtensegler auf eigenem Kiel und aktiver Begleiter der deutschen Klassiker-Szene.

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