Oyster 825 „Viva La Vida“So lief die Rettung nach dem Riffkontakt

Lars Bolle

 · 27.08.2026

Oyster 825 „Viva La Vida“: So lief die Rettung nach dem RiffkontaktFoto: Queensland Government
Die Oyster 825 “Viva la Vida”, nach der Havarie mit Auftriebssäcken stabilisiert.
Neue Aussagen des Veranstalters und eines Augenzeugen präzisieren die Havarie der Oyster 825 „Viva La Vida“ bei der Hamilton Island Race Week. Die Yacht traf ein Riff, setzte Mayday ab und kenterte trotz einer zusätzlich eingesetzten Pumpe. Alle zehn Menschen an Bord wurden gerettet. Warum nach dem Aufprall so viel Wasser eindrang, ist weiter offen.

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Die Havarie der Oyster 825 „Viva La Vida“ lässt sich inzwischen genauer einordnen. Die Yacht traf während der Hamilton Island Race Week am Freitag, 21. August 2026, ein Riff im Bereich von Long Island in der Whitsunday Passage. Sie setzte Mayday ab, nahm Wasser auf und kenterte später trotz eines zusätzlichen Pumpeneinsatzes. Alle zehn Menschen an Bord kamen nach Angaben des Veranstalters sicher zur Hamilton Island Marina.

Der genaue Punkt der Grundberührung und amtlich bestätigte Koordinaten sind weiter nicht veröffentlicht. Ein lokaler Augenzeuge, Ben Archer, befand sich nach eigener Darstellung nahe dem nördlichen Ende von Long Island, als er den Notruf hörte. Seine Schilderung ergänzt die inzwischen veröffentlichte Stellungnahme des Teams der Hamilton Island Race Week.

Veranstalter bestätigt Riffkontakt

Nach Angaben der Race-Week-Organisation setzte die Crew von „Viva La Vida“ während einer Wettfahrt einen Mayday-Ruf ab, nachdem die Yacht ein Riff getroffen hatte. Vessel Traffic Services sei alarmiert worden und habe die Koordination des Notfalls übernommen. Die Hamilton Island Marina stellte eine zusätzliche Pumpe bereit. Den Wassereinbruch habe sie jedoch nicht stoppen können.

Die Pumpe kam über ein Helferboot an Bord

Die bislang detaillierteste Schilderung der letzten Minuten vor der Kenterung stammt von Ben Archer. Er war mit zwei weiteren Personen auf einer Motoryacht unterwegs, als der Mayday-Ruf einging. Kurz darauf erreichte nach seiner Darstellung eine Barge von Hamilton Island die Stelle. An Bord war eine dieselbetriebene Pumpe.

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Die Pumpe wurde zunächst auf Archers Boot und von dort auf die „Viva La Vida“ gebracht. Die Crew hatte offenbar Schwierigkeiten, sie in Betrieb zu nehmen. Archer ging deshalb selbst an Bord und half beim Start. Die Pumpe lief schließlich, konnte die einströmende Wassermenge aber nicht mehr ausgleichen.

Kurz danach legte sich die Oyster auf die Seite und kenterte wenig später durch. Archer geriet mit zwei Seglern ins Wasser beziehungsweise auf den gekenterten Rumpf. Die übrigen Personen waren zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Helferboot. Nach seiner Schilderung verlief die Evakuierung trotz der Lage geordnet.

Gesichert, aber noch nicht geborgen

Australische Medien berichten, dass die kieloben treibende Yacht gesichert und verankert wurde, damit sie nicht erneut auf Riffe oder andere sensible Bereiche treiben kann. Bei einem Boot dieser Größe geht es dabei nicht nur um den Verlust des Wracks, sondern auch um die Gefahr weiterer Schäden am Riff. Die rund 56 Tonnen schwere Yacht wurde zusätzlich mit Hebesäcken stabilisiert.

Als nächster Schritt ist ein Schlepp nach Mackay vorgesehen. Wann er stattfinden kann, hängt von Wetter- und Bergungsbedingungen ab.

Die Behörden untersuchen den Fall. Maritime Safety Queensland befasst sich mit der Havarie; die Great Barrier Reef Marine Park Authority prüft mögliche Schäden am Riff. Ein Dieselaustritt wurde nach bisher veröffentlichtem Stand nicht gemeldet. Zu möglichen Sanktionen gegen den Skipper, wie hohen Bußgeldern wegen Schäden im Marine Park, gibt es derzeit keine bestätigten Angaben.

Warum drang so viel Wasser ein?

Die entscheidende technische Frage bleibt offen. Oyster erklärte, „Viva La Vida“ sei bei niedrigem Wasserstand schnell vor dem Wind unter Spinnaker unterwegs gewesen, als sie einen Felsen oder ein Riff traf. Dabei sei der untere Teil des Kiels schwer beschädigt worden; der Ballastbulb ging verloren.

Ein Verlust des Ballasts erklärt die spätere Instabilität, beantwortet aber nicht die Frage nach dem Wassereinbruch. Fotos lassen erkennen, dass ein Kielstummel am Rumpf verblieben ist. Weitere Rumpfschäden sind auch auf aktuelleren Aufnahmen nicht zu erkennen.

Was tun nach einer Grundberührung?

Nach einer Grundberührung sollten Schäden an Kielwurzel, Rumpflaminat und Kielbolzen so schnell wie möglich geprüft werden. Sichtbare Risse, Abplatzungen oder eine gelöste Fuge zwischen Kiel und Rumpf können Hinweise auf strukturelle Belastungen sein, wie der Ratgeber zur Kontrolle der Kiel-Rumpf-Verbindung erklärt. Bei akutem Wassereinbruch zählt zunächst die Leckbekämpfung auf See; eine Pumpe kann Zeit schaffen, ersetzt aber keine wirksame Abdichtung oder Evakuierungsentscheidung.

Keine belegte Verbindung zu „Polina Star III“

Der Unfall weckt zwangsläufig Erinnerungen an die 2015 gesunkene Oyster 825 „Polina Star III“. Eine technische Verbindung zwischen beiden Fällen ist aber weiterhin nicht belegt. Das seinerzeit nach der Bergung dokumentierte Schadensbild war deutlich anders: Bei „Polina Star III“ waren Kiel, Kielanschluss und große Bereiche der umgebenden Rumpfstruktur betroffen. Bei „Viva La Vida“ ist bislang lediglich gesichert, dass nach dem Riffkontakt der Ballastbulb verloren ging.

Oyster hält an einer vorläufigen Bewertung fest. Erst die Bergung und eine detaillierte Untersuchung könnten zeigen, welche Schäden der Aufprall verursachte und weshalb der Wassereinbruch so massiv wurde. Bis dahin wäre jede weitergehende Ursache-Wirkungs-Erklärung Spekulation.


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Lars Bolle

Lars Bolle

Chefredakteur Digital

Lars Bolle ist Chefredakteur Digital und Gründer von YACHT-Online. Viele Jahre war der Diplom-Sportwissenschaftler als Redakteur der YACHT in den Bereichen Sport und Seemannschaft tätig und hat die größten Segelsport-Veranstaltungen der Welt begleitet, vom America's Cup bis zu Olympischen Spielen. Seine persönliche Segel-Vita reicht vom Leistungssport in der Jolle (Deutscher Meister 1992 im Finn Dinghi) über historische und moderne Jollenkreuzer bis hin zu europaweiten Charter-Törns.

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