OrkanwarnungBoote sichern, es droht ein Orkan über Nord- und Ostsee!

Ursula Meer

 · 15.02.2022

Orkanwarnung: Boote sichern, es droht ein Orkan über Nord- und Ostsee!Foto: Charterzentrum Heiligenhafen

Starken Sturm und Orkan sagen Wetterdienste ab heute Abend vorher. Dazu Sturmfluten an Nordsee, Elbe und Weser – und extrem fallende Wasserstände an der Ostsee

Gleich mehrere Tiefdruckgebiete nehmen gerade über dem Nordatlantik Anlauf und werden in den nächsten Tagen und Nächten kaum zur Ruhe kommen. „Ab heute Abend befinden wir uns in einem Tiefdruckkomplex über ganz Nordeuropa“, sagt Meteorologe Sebastian Wache von der Kieler Firma WetterWelt voraus. „Er bringt teils starke Stürme und Orkanböen mit. Ab dem späten Freitag ist mit einem Orkan zu rechnen“, so Wache weiter. Auf der Nordsee sind großflächig sagenhafte Windgeschwindigkeiten von 140 km/h vorhergesagt, der Luftdruck fällt teils bis auf 970 hPa.

  Die Kette von Tiefdruckgebieten zieht über Deutschland hinweg. Links in der MItte ein kleines Hoch, das am Freitag für eine kleine Verschnaufpause sorgen kann.Foto: Deutscher Wetterdienst (DWD)
Die Kette von Tiefdruckgebieten zieht über Deutschland hinweg. Links in der MItte ein kleines Hoch, das am Freitag für eine kleine Verschnaufpause sorgen kann.

Schon heute Nacht wird Tief „Xandra“ mit kräftigem Sturm und viel Regen besonders die Nordseeküste treffen. Danach ist für ein paar Stunden Ruhe, ehe der Wind aus Westen am Mittwoch wieder Fahrt aufnimmt und mit kräftigen Sturmböen an Winterplanen und Festmachern zerrt. Er wird von West nach Ost über ganz Deutschland hinwegziehen, „allenfalls Bayern bleibt von dem Orkan am Freitag und Samstag verschont“, berichtet Wache.

Der Wind kommt zwar zunächst nicht aus der besonders für die Elbe kritischen nordwestlichen Richtung, sondern mehr aus Westen. Er lässt aber wohl 24 Stunden nicht nach und drückt das Wasser konstant gegen die Küste – es kann auch bei Ebbe nicht weichen. Spätestens, wenn er am Sonntag auf Nordwest dreht, ist mit schweren Sturmfluten an der Nordseeküste und an Elbe und Weser zu rechnen.

  Zunächst anhaltender Sturm aus Westen, später Orkan aus Nordwest können besonders an der Elbe für Überschwemmungen sorgenFoto: Windy.com
Zunächst anhaltender Sturm aus Westen, später Orkan aus Nordwest können besonders an der Elbe für Überschwemmungen sorgen

In der Ostsee hingegen kann der Wasserstand um bis zu einen Meter sinken. Wer hier sein Boot im Wasser hat, sollte die Festmacher verlängern und es womöglich an einen Platz mit tieferem Wasser verholen. Voraussichtlich ab Freitagmittag könnte dafür ein guter Zeitpunkt sein, wenn ein winziges Hochdruckgebiet ein paar Stunden Windpause mit sich bringt, bevor am späten Freitagnachmittag ein Orkan über Deutschland hereinbricht.

An allen Küsten und auch den Binnenseen werden die ungewöhnlich langanhaltenden und starken Stürme wohl zu einer Materialbelastung für Boote, die im Wasser liegen. Fender und Festmacher werden auf eine harte Zerreißprobe gestellt. Ein paar zusätzliche Leinen und Fender sind angebracht, denn auch in der kommenden Woche gibt der Wind keine Ruhe.

  Ob im Wasser oder draußen im Freilager: ein paar zusätzliche Leinen schützen Boot und Planen bei lang andauernden StürmenFoto: Anders Dahl
Ob im Wasser oder draußen im Freilager: ein paar zusätzliche Leinen schützen Boot und Planen bei lang andauernden Stürmen

Dafür gibt es zwei Gründe: Über dem Nordpol wirbelt unvermindert stark der „Polar-Vortex“, der jüngst für einen kräftigen Orkan bei Island mit 30 Meter hohen Wellen gesorgt hat. Für gewöhnlich teilt sich dieser Wirbel in 30 bis 60 km Höhe im Frühjahr auf oder zerfällt ganz, wenn die Temperatur über dem Pol steigt. In diesem Jahr hält er sich hartnäckig und feuert den Jetstream an, der in 10 km Höhe über Nord- und Mitteleuropa hinwegzieht.

Noch schneller wird der Jetstream wegen des großen Temperaturkontrasts auf kleinem Raum: In Südeuropa ist es sehr warm, Skandinavien hingegen bibbert noch bei zweistelligen Minusgraden.

Ruhe in der Luft ist so bald nicht in Sicht. Das einzig Beständige an Wind und Wetter wird in der nächsten Zeit deren Unbeständigkeit sein.

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