Orkantief "Sarai"Rekordwellen vor Island

Ursula Meer

 · 10.02.2022

Orkantief "Sarai": Rekordwellen vor IslandFoto: G. Dijkstra

Mit Böen von mehr als 120 Knoten ist ein Orkantief auf Island geprallt und brachte bis zu 30 Meter hohe Wellen. Die Segler in den Häfen kamen glimpflich davon

Wenn die Farbskala in der Wetter-App „Windy“ auf dunkellila wechselt, wird es böse. Wird sie weiß, ist das außerordentlich. So geschehen am letzten Wochenende: Mit Orkantief "Sarai“ zog ein schwerer Sturm auf Island zu und traf die Insel in der Nacht zum Montag mit voller Wucht.

Böen von mehr als 120 Knoten wurden laut „Iceland Monitor“ im Hvalfjörður-Fjord im Westen Islands gemessen. Nie zuvor dokumentierte Wellenhöhen von teils mehr als 30 Metern im Süden der Insel meldet die isländische Straßen- und Küstenverwaltung.

  Bei der Windvorhersage gingen "Windy" am letzten Wochenende die Farben aus, so stark sollten die Böen ausfallenFoto: Windy.com
Bei der Windvorhersage gingen "Windy" am letzten Wochenende die Farben aus, so stark sollten die Böen ausfallen

Einige Segler haben in diesem Winter auf Island festgemacht – wie ist es ihnen ergangen? Die „Freydis“ der sturmerprobten Weltumsegler Heide und Erich Wilts überwintert in Ísafjörður im Nordosten Islands. Die Wilts selbst sind derzeit zu Hause in Heidelberg.

„Die Freydis" liegt direkt unter dem Fenster des Hafenmeisters. Der hätte sich gemeldet, wenn etwas passiert wäre“, sagt Erich Wilts auf Nachfrage. Beunruhigt sei er nicht. Dabei ist es gerade einmal vier Monate her, dass zwei dicht aufeinanderfolgende Orkane die Schiffe in Ísafjörður mächtig durchschüttelten. Damals traf der Wind auf die den Hafen umgebenden Berge. "Die Fallwinde sind dann schnell mal doppelt so stark wie der eigentliche Wind. Da ging einiges zu Bruch“, berichtet Erich Wilts: gerissene Relingstützen, ein zertrümmerter Windgenerator und Schäden am Rigg waren die traurige Sturmbilanz auf der „Freydis“.

  Die "Freydis III" der Weltumsegler Heide und Erich Wilts auf Törn im Nordatlantik. Derzeit überwintert sie auf IslandFoto: Crew der FREYDIS III
Die "Freydis III" der Weltumsegler Heide und Erich Wilts auf Törn im Nordatlantik. Derzeit überwintert sie auf Island

Ebenfalls im Norden liegt die Yacht des segelnden Bloggers Juho Karho, der mit seiner Freundin an Bord überwintert. „Hier in Siglufjördur hat es uns nicht wirklich hart erwischt“, schreibt er am Dienstag in einem Beitrag auf Facebook. „Aber das Verrückte sind die Wellen an der Südwestküste Islands. Die durchschnittliche Wellenhöhe wird morgen mindestens zwölf Meter betragen, ziemlich genau an der Küste.“

Dort, in Reykjavik, hat die "Dagmar Aaen" von Polarforscher und Segler Arved Fuchs festgemacht. „Da war der Sturm noch deutlich stärker als im Norden. Im Hafen wurden über 70 Knoten Wind gemessen, vor der Küste sollen es bis zu 90 gewesen sein und in der Dänemarkstraße in Böen bis 120 Knoten“, berichtet Fuchs.

Der Berufsabenteurer weiter: "Schiff und Crew haben alles so weit gut überstanden: Ein Crewmitglied vor Ort hat rechtzeitig zusätzliche Leinen ausgebracht. Ein Poller ist abgerissen, und ein paar Fender sind geplatzt – ansonsten alles gut. Aber das war schon außergewöhnlich heftig, selbst für isländische Verhältnisse.“

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