âNach fĂŒnf Tagen dramatischer Rettungsversuche hat der gestrandete Buckelwal vor Niendorf die Sandbank verlassen können. Der Wal sei weiter drauĂen in der Bucht gesichtet worden, sagte auch Stephanie GroĂ vom Institut fĂŒr Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW). Am Freitagmorgen suchten Fotografen und Journalisten vergeblich nach dem Tier am Strand â es war nicht mehr zu sehen.
Nun komme es darauf an, dass der 12 bis 15 Meter lange MeeressĂ€uger im offenen Wasser bleibe und möglichst in die Nordsee schwimme, erklĂ€rte Lehmann gegenĂŒber der Deutschen Presseagentur (dpa). Am Tag zuvor war er zu dem Tier geschnorchelt und hatte versucht, es durch die Rinne zu fĂŒhren. Noch sei der Wal nicht in Sicherheit, betonte Lehmann. Seine Befreiung von der Sandbank sei bisher nicht seine Rettung, sondern nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.
"Das GefĂŒhl ist vorsichtige Euphorie. Der Wal ist ja in keinem guten Gesundheitszustand", erklĂ€rte Lehmann vor Reportern am Freitagmorgen. Zu Hause sei er erst im Atlantik. "Vielleicht finden wir ihn wieder und vielleicht sehen wir ihn nie wieder. Oder vielleicht liegt er einen Monat spĂ€ter tot am Strand."
âDie Ostsee ist fĂŒr Buckelwale kein natĂŒrlicher Lebensraum. Der Salzgehalt im Wasser ist zu gering und kann die Haut der Tiere schĂ€digen. Zudem gibt es nicht genug Nahrung fĂŒr die Meeresriesen. Selbst nach der Befreiung von der Sandbank bleiben die Ăberlebenschancen des geschwĂ€chten Tieres gering â es sei denn, es findet den Weg zurĂŒck in die Nordsee und schlieĂlich in den Atlantik.
Erst, wenn das Tier in den kommenden Wochen nicht an einem anderen Ostseestrand auftaucht, kann vorsichtige Entwarnung gegeben werden.
Bis in die Dunkelheit und bei Scheinwerferlicht hatten EinsatzkrĂ€fte noch am Donnerstag an der Rettung des Buckelwals gearbeitet. Doch auch dann musste der Einsatz erfolglos beendet werden. Dabei hatte es am Abend Momente der Hoffnung gegeben: Das Tier konnte immerhin ein StĂŒck seine Position verĂ€ndern.
Stundenlang waren zuvor Bagger im Einsatz, vom Wasser und vom Land aus. Ein schwimmender Schaufelbagger hob eine Rinne aus. Ein weiterer Bagger schuf sich vom Strand aus einen Damm, um dichter an das Tier zu gelangen. Zwischenzeitlich waren bis zu fĂŒnf Bagger im Einsatz, um den GroĂwal zu befreien. Das Ziel: Eine etwa 50 Meter lange, sechs Meter breite und 1,20 Meter tiefe Rinne vor dem Kopf des Wals zu graben, durch die das Tier ins tiefere Wasser gelangen könnte.
Nach EinschĂ€tzung der Experten vor Ort kamen andere MaĂnahmen zur Befreiung des Tieres nicht infrage.
Das ZDF hatte die Arbeiten und die Rettungsaktion im Livestream ĂŒbertragen. Die meiste Zeit war Biologe Lehmann in einem Tauchanzug im Wasser, um den GroĂwal zu beruhigen und dem Baggerteam Anweisungen zu geben. In den Aufnahmen war zeitweise zu sehen, wie die Baggerschaufel dem Kopf des Tiers sehr nahe kam.
Er merke, dass der Wal ihm vertraue, sagte Lehmann den "LĂŒbecker Nachrichten". "Er ist ganz ruhig, wenn ich bei ihm bin." Der Wal habe Ăberlebenswillen: "Er will starten."
Die Helfer versuchten es am Abend auch mit LĂ€rm, das Tier zu animieren - durch Hupen, Trommeln oder Rufen. Auch das Tier selbst gab immer wieder lautes Brummen von sich. Am Ende hĂ€tten am Abend nur noch wenige Meter bis ins tiefere Wasser gefehlt, sagte der BĂŒrgermeister von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke, als die Aktion wegen der Dunkelheit abgebrochen wurde. Offenbar hat der Wal diese letzten Meter in der Nacht aus eigener Kraft geschafft.
Der Buckelwal war in der Nacht zum Montag (23. MĂ€rz 2026) gegen 1.50 Uhr vor Niendorf gesichtet worden, nachdem ein nahegelegenes Hotel ungewöhnliche GerĂ€usche gemeldet hatte. Das etwa zehn bis 15 Meter lange Tier lag seitdem auf einer Sandbank im flachen Wasser fest. Messungen hatten ergeben, dass der Buckelwal gröĂer war, als zunĂ€chst angenommen: Er wiege geschĂ€tzt rund 15 Tonnen. Bei einem so massiven Tier sei es umso schwieriger, es wieder in tieferes Wasser zu bringen.
Seit Montag waren Polizei und Feuerwehr im Dauereinsatz, unterstĂŒtzt von Fachleuten des ITAW, der Deutschen Meeresstiftung sowie einem Team der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd. Auch Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt und MinisterprĂ€sident Daniel GĂŒnther hatten sich vor Ort ein Bild der Lage gemacht.
Bereits am Montag hatten Helfer versucht, den Wal in tieferes Wasser zu bringen â ohne Erfolg. Am Nachmittag nĂ€herten sich Experten des ITAW dem Tier mit Schlauchbooten. Der Wal drehte sich kurz mit der Schnauze in Richtung der offenen Bucht â doch dann drĂŒckten ihn Wellen wieder auf die Sandbank zurĂŒck. Auch Versuche mit Polizeibooten, durch Wellenbildung das Tier freizuschwimmen, blieben erfolglos.
Am Dienstag scheiterte ein Rettungsversuch mit einem kleineren Saugbagger am zu festen Sandboden. Am Mittwoch und Donnerstag rĂŒckten dann die groĂen Bagger an.
Möglicherweise handelte es sich bei dem gestrandeten Tier um denselben Wal, der sich vor zwei Wochen vor der KĂŒste Mecklenburg-Vorpommerns bei Steinbeck in einem Fischernetz verfangen hatte. Anfang MĂ€rz war er im Wismarer Hafen entdeckt worden, wo EinsatzkrĂ€fte ihn weitgehend von einem Netz befreiten. Am vergangenen Freitag befreite Sea Shepherd den Wal vor TravemĂŒnde von weiteren Netzresten. Die restlichen Leinen konnte am Montag die Feuerwehr Niendorf beseitigen.
TÀglich versammelten sich Hunderte Neugierige am Strand von Niendorf, um das Drama mitzuverfolgen. Die Polizei hatte den Strandabschnitt sowie den Bereich um den Niendorfer Hafen weitrÀumig abgesperrt und appellierte eindringlich an Schaulustige, sich dem Tier weder zu Land noch zu Wasser noch aus der Luft zu nÀhern.

Redakteurin Panorama und Reise