Am gestrigen Sonntag gegen 13.30 Uhr erreichte ein Notruf die Rettungsleitstelle See der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchigerin Bremen. Eine Frau meldete, dass ihr Ehemann mit seinem 8,50 Meter langen Segelboot allein in der Lübecker Bucht unterwegs war und einen medizinischen Notfall erlitten hatte. Der 53-Jährige war desorientiert und konnte sich an die zurückliegenden Stunden nicht mehr erinnern. Er lag etwa fünf Seemeilen nordöstlich von Travemünde in Höhe des Ortes Groß Schwansee vor Anker.
Die Seenotretter der Freiwilligenstation Neustadt in Holstein nahmen sofort Kurs auf die Position des Seglers. Parallel alarmierte die Rettungsleitstelle die Freiwilligenstation Travemünde, deren Seenotrettungsboot medizinisches Personal an Bord nahm: die Besatzung eines Rettungswagens der Berufsfeuerwehr Lübeck sowie einen Notarzt und einen Notfallsanitäter. Diese wurden per Rettungshubschrauber „Christoph 12" zum Liegeplatz des Seenotrettungskreuzers gebracht.
Die Seenotretter aus Neustadt erreichten den Einhandsegler zuerst und übernahmen die Erstversorgung. Auf dem Rückweg nach Travemünde stieg das medizinische Team des zweiten Rettungskreuzers über und setzte die weitere Versorgung fort. An Land übergaben die Seenotretter den Mann an einen Rettungswagen, der ihn ins Krankenhaus brachte.
Bereits am vergangenen Donnerstag gegen 16.30 Uhr hatte Bremen Rescue einen schwachen Notruf von östlich der Insel Rügen verzeichnet. Die bruchstückhaft zu vernehmende Nachricht deutete auf einen medizinischen Notfall hin, die genaue Position war zunächst unklar. Erst die polnische Fähre „Polonia" konnte die Position in einem weiteren Funkspruch klar hören: Die Crew befand sich etwa 20 Seemeilen östlich der Ostseeinsel und benötigte dringend medizinische Unterstützung.
Die Seenotretter der Station Sassnitz, ein Rettungshubschrauber und das Minenjagdboot „Bad Bevensen" der Deutschen Marine nahmen Kurs auf das Boot. Angesichts westlicher Wind der Stärke 5 und bis zu zweieinhalb Meter Seegang konnte der Heli Notarzt und Notfallsanitäterin nicht gefahrlos auf das 7,50 Meter lange Segelboot abwinschen. Stattdessen wurden die beiden per Seilwinde auf dem Hubschrauberarbeitsdeck des Seenotrettungskreuzers “Harko Köbke” abgesetzt. Mit dem Tochterboot brachten die Seenotretter die medizinische Crew schließlich zum Havaristen. Dort übernahmen sie den stark seekranken Mann und stabilisierten ihn und brachten ihn nach Sassnitz, wo er weiter medizinisch versorgt wurde.
Am Freitag schließlich gegen 13.15 Uhr erhielt die Rettungsleitstelle See eine Meldung über einen überfälligen Windsurfer. Er war Teilnehmer der „Baltic Crossing Challenge", einem Programmpunkt der diesjährigen „Hanse Sail". Die Regatta führte vom dänischen Gedser ins etwa 26 Seemeilen entfernte Warnemünde.
Wo genau der Wassersportler sich befand, war zunächst unklar. Die Rettungsleitstelle alarmierte die Seenotretter der Station Warnemünde und einen Rettungshubschrauber. Außerdem nahm sie das Küstenstreifenboot „Warnow" der Wasserschutzpolizeiinspektion Rostock, den Hochseebergungsschlepper „Baltic" und das Forschungsschiff „Elisabeth M. Borgese" des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde in den Einsatz auf.
Dank eines Trackers, den alle Teilnehmer trugen, wurde der Surfer etwa eine Stunde nach der Alarmierung gefunden und vom Seenotrettungskreuzer “Arkona” nach Warnemünde gebracht. Der Mann hatte völlig entkräftet und bereits unterkühlt auf seinem Surfbrett ausgeharrt.
Bei einem medizinischen Notfall auf See zählt jede Minute. Der erste Schritt ist stets die sofortige Alarmierung der Rettungsleitstelle See über UKW-Kanal 16, Telefon 0421 53687-0 oder den digitalen Notruf DSC. Wichtig ist eine präzise Positionsangabe – moderne GPS-Geräte und Tracker erleichtern die Ortung erheblich.
Bei Bewusstlosigkeit oder Desorientierung muss die Person aus der Gefahrenzone gebracht und in eine stabile Position gebracht werden. Bei Unterkühlung gilt es, den Betroffenen vor Wind und Wetter zu schützen, nasse Kleidung zu entfernen und vorsichtig aufzuwärmen.
Vor allem bei einem Herzstillstand an Bord ist sofortiges Handeln überlebenswichtig. Auf yacht.de ist nachzulesen, wie man richtig agiert.
Und selbst Seekrankheit ist keine Bagatelle – in schweren Fällen kann sie lebensbedrohlich werden. Der Körper verliert durch Erbrechen große Mengen Flüssigkeit und Elektrolyte, was zu gefährlicher Dehydrierung führt. Betroffene sollten möglichst an Deck an die frische Luft, den Horizont fixieren und kleine Mengen leicht verdaulicher Nahrung zu sich nehmen.
Ingwer in Form von Tee oder Kapseln kann helfen, ebenso wie Akupressurbänder. Bei anhaltender schwerer Seekrankheit mit Kreislaufproblemen ist medizinische Hilfe notwendig. Präventiv helfen Medikamente wie Scopolamin-Pflaster, die rechtzeitig vor dem Törn angewendet werden müssen. Zehn bewährte Tipps gegen Seekrankheit gibt es hier.

Textchef YACHT
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