​KenterungKatamaran kopfüber im Pazifik – drei Segler gerettet

Lars Bolle

 · 17.03.2026

Bild aus der Falcon 50: Ein Crewmitglied auf dem Backbordrumpf winkt, ein zweites liegt auf dem Steuerbord-Bug.
Foto: Haut commissariat de la République en Polynésie française
​Drei Segler überleben die Kenterung ihres Katamarans mitten im Pazifik. Hunderte Meilen westlich von Maupiti beginnt eine aufwendige Rettungsaktion mit Flugzeug, Frachter und vielen offenen Fragen zur Ursache des Unglücks.

Ein Katamaran ist westlich von Maupiti in Französisch-Polynesien gekentert. Drei Menschen konnten nach einer groß angelegten Rettungsaktion geborgen werden.

Der Notfall ereignete sich am Mittwoch, 11. März 2026. Ausgelöst wurde der Einsatz durch das Signal einer Seenotbake. Die Position der Havarie lag mehr als 260 Seemeilen westlich von Maupiti und rund 420 Seemeilen von Tahiti entfernt. Damit befanden sich Boot und Besatzung weit außerhalb der unmittelbaren Reichweite von Hubschraubern. Das Joint Rescue Coordination Centre Tahiti bestätigte den Notruf und setzte daraufhin einen Falcon 50 der französischen Streitkräfte in Polynesien ein.

Wrack und Rettungsinsel entdeckt

Das Flugzeug lokalisierte einen gekenterten Katamaran mit drei Personen an Bord. Zwei Menschen hielten sich auf dem umgedrehten Wrack auf. Eine dritte Person befand sich in einer beschädigten Rettungsinsel, die Luft verlor und Wasser nahm.

Die Besatzung des Falcon warf ein Überlebenspaket ab. Es enthielt unter anderem ein selbstaufblasendes Rettungsfloß, Wasser, Nahrung, Lampen und weitere Sicherheitsausrüstung.

Bergung durch Frachter

Da eine Rettung aus der Luft nicht möglich war, wurde das nächstgelegene Schiff zur Hilfe angefordert. Dabei handelte es sich um ein Handelsschiff unter der Flagge der Bahamas. Es befand sich nach den vorliegenden Angaben rund 13 Stunden vom Unglücksort entfernt.

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Während der Wartezeit flog der Falcon die Position erneut an. Ein weiterer Überflug diente dazu, die treibende Rettungsinsel neu zu lokalisieren und dem herbeigerufenen Schiff aktuelle Positionsdaten zu übermitteln. Der nächtliche Einsatz sollte zudem den Schiffbrüchigen Signale geben.

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Am Donnerstag, 12. März, führte der Falcon das Handelsschiff ein weiteres Mal an die Position der Rettungsinsel heran. Trotz schwieriger Seebedingungen gelang es der Besatzung des Frachters, die drei Schiffbrüchigen aufzunehmen.

Verletzung und Weiterfahrt nach Neuseeland

Einer der Geretteten wurde beim Kentern verletzt. Nach einer medizinischen Telekonsultation wurde der Gesundheitszustand aller drei Personen jedoch als zufriedenstellend eingestuft. Eine medizinische Evakuierung war demnach nicht erforderlich.

Das Handelsschiff setzte seine Reise nach Neuseeland fort. Dort sollten die Geretteten an Land gebracht werden.

Warnung vor treibendem Wrack

Nach der Rettung wurde eine Warnung an die Schifffahrt herausgegeben. Hintergrund war das gekenterte Wrack, das als mögliches Hindernis für die Navigation gilt.

In den Berichten wird darauf hingewiesen, dass ein treibendes Wrack nur schwer präzise zu orten ist. Schiffe in dem Gebiet wurden daher zu besonderer Aufmerksamkeit aufgerufen.

Umfangreicher Sucheinsatz

Die Rettungsaktion dauerte insgesamt 14 Stunden. Nach den vorliegenden Angaben kamen drei Flüge des Falcon 50 zum Einsatz. Beteiligt waren zwei Flugbesatzungen mit jeweils sechs Personen sowie drei Mitarbeiter des JRCC Tahiti an Land.

Ein lokaler Bericht beziffert die gesamte Flugstrecke des Einsatzes mit 7.500 Kilometern.

​Bootstyp und offene Fragen

Zum gekenterten Katamaran liegen bislang nur wenige gesicherte Angaben vor. Mehrere Berichte sprechen von einem rund 44 Fuß langen Boot. Ein bestätigter Modellname wurde bislang nicht veröffentlicht. Nach Ansicht der Fotos könnte es sich nach YACHT-Meinung um einen Nautitech Open 44 oder 48.

Spekulationen zur Ursache

Auch zur Ursache der Kenterung gibt es bisher keine gesicherten Informationen. Die Gründe wurden von offizieller Seite nicht genannt.

In Diskussionen außerhalb der offiziellen Berichte wird über Starkwind, plötzliche Böen in den Tropen, mögliche Überlastung des Bootes und das Kenterverhalten größerer Fahrtenkatamarane gesprochen. Dazu kommen Überlegungen, ob besondere Seezustände oder ein Zusammenspiel aus Wind und Welle eine Rolle gespielt haben könnten.

Belastbare Belege dafür liegen bislang nicht vor. Ebenso wenig gibt es derzeit öffentlich bestätigte Angaben dazu, ob technische Probleme, ein Strukturversagen oder Wassereinbruch zum Verlust des Bootes beigetragen haben könnten.

Wie kentersicher sind Fahrtenkatamarane?

Die Kenterung wirft auch die grundsätzliche Frage auf, wie kentersicher moderne Fahrtenkatamarane sind. Pauschale Antworten gibt es darauf nicht. Klar ist jedoch, dass sich ein Katamaran im Grenzbereich anders verhält als eine Kielyacht.

Einrumpfboote kündigen Überlastung meist deutlicher an. Sie krängen stark, laufen aus dem Ruder oder legen sich in Böen auf die Seite. Fahrtenkatamarane bleiben dagegen lange vergleichsweise stabil.

Hohe Anfangsstabilität, wenig Vorwarnung

Gerade diese hohe Formstabilität ist ihr großer Vorteil. Sie ist aber auch der Punkt, an dem das Risiko beginnt. Ein Fahrtenkatamaran krängt im normalen Betrieb nur wenig. Er vermittelt dadurch lange den Eindruck großer Sicherheitsreserven. Wird die Grenze überschritten, kann die Situation jedoch abrupt kippen. Die lange Vorwarnung, wie man sie von einer Kielyacht kennt, bleibt oft aus.

Das aufrichtende Moment verläuft anders

Der Grund liegt in der Stabilitätskurve. Bei Katamaranen ist das aufrichtende Moment anfangs sehr hoch. Es erreicht seinen Höchstwert aber früh.

Wie in unserem Spezial-Artikel zu lesen, liegt dieses Maximum schon bei etwa zehn Grad Lage. Danach nimmt das aufrichtende Moment deutlich ab. Bei einer Kielyacht steigt es mit zunehmender Krängung zunächst weiter an und wird erst bei sehr großen Winkeln negativ.

Fahrtenkatamarane gelten nicht grundsätzlich als unsicher. Ihre Stabilität folgt jedoch einer anderen Logik als die eines Einrumpfers.

Seemannschaft bleibt entscheidend

Die hohe Anfangsstabilität eines Katamarans ersetzt weder gute Vorbereitung noch vorsichtiges Wettermanagement. Frühes Reffen, eine saubere Gewichtsbalance und ein wacher Blick auf Böen und Seegang bleiben zentrale Punkte.

Gerade weil das Boot lange unbeeindruckt wirken kann, kommt der Einschätzung der Lage besondere Bedeutung zu.


Lars Bolle

Lars Bolle

Chefredakteur Digital

Lars Bolle ist Chefredakteur Digital und Gründer von YACHT-Online. Viele Jahre war der Diplom-Sportwissenschaftler als Redakteur der YACHT in den Bereichen Sport und Seemannschaft tätig und hat die größten Segelsport-Veranstaltungen der Welt begleitet, vom America's Cup bis zu Olympischen Spielen. Seine persönliche Segel-Vita reicht vom Leistungssport in der Jolle (Deutscher Meister 1992 im Finn Dinghi) über historische und moderne Jollenkreuzer bis hin zu europaweiten Charter-Törns.

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