HavarieTrauriges Ende der “Ethel von Brixham” auf steinernem Leitdamm? +++ Update +++

Ursula Meer

 · 05.02.2026

Havarie: Trauriges Ende der “Ethel von Brixham” auf steinernem Leitdamm? +++ Update +++Foto: Mitchy Vidra auf Facebook
Ein Drohnenvideo zeigt das ganze Ausmaß der Havarie der „Ethel von Brixham“ am vergangenen Samstag
Ein herber Schlag für die maritime Tradition: Nach 135 Jahren auf See, nach unzähligen Fangfahrten, Frachtreisen und Segeltörns könnte die Geschichte der „Ethel von Brixham“ auf einem Leitdamm vor Cuxhaven enden. Wie es um das Schiff bestellt ist und was nun geschehen soll.

Am vergangenen Samstag (31. Januar 2026) ist der 135 Jahre alte Brixham-Trawler „Ethel von Brixham“ auf einen Leitdamm vor Cuxhaven aufgelaufen. Freunde der Traditionsschifffahrt kennen ihn aus Kiel, wo er jahrzehntelang seinen Liegeplatz an der Blücherbrücke hatte. Sein neuer Eigner wollte ihn nun nach England überführen. Der Törn fand sein trauriges Ende auf der Elbe, in Sichtweite von der Cuxhavener Kugelbake.

Das einst stolze Schiff ist schwer angeschlagen

Das alte, hölzerne Schiff liegt schwer auf seiner Steuerbordseite. Die Masten weisen Richtung Elbe, der Kiel zum steinernen Damm. Bei Niedrigwasser offenbaren gebrochene Planken das bisherige Ausmaß der Schäden. Bei Hochwasser schaben Eisschollen und die schweren, dunklen Steine des Damms weiter am Rumpf. Dickes Eis hat die Wanten, Tauwerk, Segel und Aufbauten überzogen, die Tür zur Kajüte steht weit offen. Schutzlos ist das Traditionsschiff Kälte, Schnee und Wind, dem Elbstrom und der Tide ausgeliefert.

Kai Ewers ist Pressesprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA) in Cuxhaven. Den genauen Zustand des Schiffes könne das WSA derzeit noch nicht beurteilen, teilt er mit. „Wir waren noch nicht handnah an dem Schiff. Man müsste es schiffbaulich von Experten untersuchen lassen und vor allem auch ins Schiffsinnere schauen, auf die Spanten und deren Zustand“, erklärt er.

Von außen aber offenbaren sich bereits schwere Schäden. Bert Frisch, Stützpunktleiter von Trans-Ocean e. V. in Cuxhaven, hat Bilder des Havaristen in den „Cuxhavener Nachrichten“ gesehen. Sie sind aus nächster Nähe entstanden. Er ist sicher: „Das Schiff ist verloren, daran habe ich keinen Zweifel.“ An der Seite sei eine Planke gebrochen, und es solle auch einen Hohlschliff im Kiel geben, bei dem sich der Kiel nach innen hochgerückt habe. Diese Beobachtung entspricht auch der Meldung der DGzRS vom Hergang in der Nacht, als die Crew von dem Schoner abgeborgen wurde: „Als das Arbeitsboot den Segler an Bord nahm, hatte der Bootsführer den Eindruck, dass sich der Kiel des hölzernen Stagsegelschoners leicht wölbte und ein Auseinanderbrechen drohte“, heißt es dort. „Es ist ein Jammer um das Schiff“, resümiert Bert Frisch.

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Wie es zu der Havarie kam, ist derzeit nicht bekannt. Die Wasserschutzpolizei Cuxhaven ermittelt, kann aber noch keine finalen Aussagen treffen.

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Dieses Video zeigt die „Ethel von Brixham“ am Rande der Elbe:

Noch kein Bergungskonzept

Das WSA Cuxhaven steht in Kontakt mit dem Eigner. Kai Ewers erläutert den aktuellen Stand: „Wir haben angeordnet, dass er bis Freitag ein Konzept einreichen muss, wie er sich die Bergung dort vorstellt, und warten noch auf Rückmeldung von ihm.“

Zunächst warte man ab, ob das Konzept des Eigners überzeuge. Falls dieser jedoch nicht tätig werde, „weil er nicht die Mittel dazu hat“, würde das Amt eingreifen und „die Gefahr dort beseitigen“. Zur Umweltgefahr durch möglicherweise an Bord befindlichen Treibstoff gibt es zunächst unterschiedliche Angaben – die Zahlen reichen von 200 bis 750 Litern Diesel in den zwei Tanks, die je 1.000 Liter fassen können. Um das Risiko einer Gewässerverunreinigung zu minimieren, sollten die Tanks am morgigen Freitag landseitig leergepumpt werden.

Bedingungen sind denkbar ungünstig

Wetter und Wasserstand werden bei der Bergung des Traditionsschiffs berücksichtigt werden müssen – und beide spielen aktuell nicht mit. Die Lage auf dem Steindamm verbietet selbst bei Hochwasser die Annäherung größerer, tiefgehender Bergungsschiffe. Zudem drückt der anhaltende Ostwind nicht nur auf den Havaristen und gefährdet auch andere Boote, die sich ihm nähern. Er sorgt auch dafür, dass der Wasserstand in der Elbe deutlich niedriger ausfällt als gewöhnlich; für heute meldet das BSH gar einen bis eineinhalb Meter weniger als das mittlere Hochwasser. Wenn auch nicht durchgehend in dieser Höhe, bleiben nach derzeitiger Vorhersage die Wasserstände in der Außenelbe bis mindestens Dienstag kommender Woche signifikant unter dem Durchschnitt. Schnee und Eisregen tun ihr Übriges, Bergungsversuche zu erschweren.

+++ UPDATE 09.02.2025: Eigner lässt Frist verstreichen, Behörde will Bergung einleiten

​Der britische Eigner hat die vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) gesetzte Frist verstreichen lassen, ohne ein Bergungskonzept vorzulegen. Noch am frühen Freitagmorgen schrieb er auf Facebook: „Leider kann ich sie aufgrund der neuen Schäden und der Menge an eingedrungenem Wasser nicht retten und wieder zum Leben erwecken“ - und löschte den Beitrag kurz darauf wieder.

Das WSA prüft nun „die juristischen Randbedingungen, ob kurzfristig eine Angebotsabfrage mit Vergabe an ein Drittunternehmen möglich ist“, heißt es in einer Pressemitteilung der Behörde. Das Unternehmen solle die Gefahr durch den Havaristen beseitigen. Für die Kosten soll der Eigentümer aufkommen.

Noch sei der Havarist lagestabil, erklärt Kai Ewers, Pressesprecher des WSA Elbe-Nordsee: "Das Schiff liegt sozusagen hoch und trocken", was an der seit Tagen vorherrschenden Ostwindlage liege, die für verminderte Wasserstände sorgt. Sollte sich das ändern, der Wind etwa auf Südwest drehen, ergäbe sich eine vollkommen neue Lage, die dann auch neu zu bewerten wäre. In einem solchen Fall müsste das Schiff davor bewahrt werden, bei erhöhten Wasserständen in die Fahrrinne zu treiben und erst recht zur Gefahr für die Schifffahrt zu werden. „Die Lage des Schiffs wird fortlaufend beobachtet, um auch bei kurzfristigen Änderungen gegebenenfalls tätig werden zu können“, erläutert Ewers.

Um eine mögliche Gefahr für die Umwelt zu dämmen, wurden am Freitagvormittag 200 bis 300 Liter Diesel aus einem der beiden Tanks des Havaristen gepumpt. Ein zweiter Tank konnte aufgrund der Schräglage durch die Einsatzkräfte nicht sicher erreicht werden, so das WSA. Wie viel Treibstoff sich darin befindet, ist derzeit nicht bekannt.

"Ein Schock für mich" – Ex-Eigner Gerhard Bialek reagiert erschüttert

Von Kiel aus verfolgt Gerhard Bialek die Ereignisse rund um sein ehemaliges Schiff. Er kaufte die „Ethel" vor 30 Jahren und restaurierte sie. Rund 120 Tage verbrachte er jährlich mit ihr auf See, in der restlichen Zeit kümmerte er sich um ihren Erhalt. Über eine Million Euro habe er in das Schiff investiert, erzählt Bialek in einem Fernsehbericht des NDR.

Im August 2025 hat der 69-jährige den hölzernen Schoner für einen symbolischen Euro an einen neuen Eigner gegeben, „dem ich sehr viel zugetraut habe“, erzählt Bialek. Seine größte Sorge – dass die "Ethel" verschrottet werden müsste – schien sich zunächst aufgelöst zu haben. Doch schon Ende 2025 fand die „Ethel“ erneut einen neuen Eigentümer, einen jungen Briten. Er wollte sie in ihre alte Heimat zurückbringen. Aber „um diese Jahreszeit den sicheren Hafen von Cuxhaven zu verlassen, um diese eigentlich einfache Überführung nach Lowestoft fortzusetzen, war eigentlich idiotisch“, stellt Bialek klar und ergänzt: „Und so ist es leider dann auch jetzt gekommen, dass die „Ethel von Brixham“ wahrscheinlich ihr Grab vor Cuxhaven an der Kugelbake gefunden hat.“ +++

Die „Ethel von Brixham“ und ihre Eigner

Die „Ethel von Brixham“ blickt auf 135 bewegte Jahre zurück. 1890 in Südengland vom Stapel gelaufen, war sie ursprünglich für die harte Fischerei unter Segeln zwischen Nordmeer und Biskaya ausgelegt. In den 1920er-Jahren kam sie nach Norwegen, wo sie als Fischerei- und Frachtschiff „Steine und Schweine“ transportierte, wie ein ehemaliges Crewmitglied berichtet.

1981 wurde sie nach Deutschland überführt und zum Stagsegelschoner umgeriggt, 2011 erhielt sie wieder ihre charakteristische Gaffelschoner-Takelage. Von 1996 bis 2025 gehörte die „Ethel“ dem Kieler Gerhard Bialek, der für sie seine Karriere in der Automobilindustrie aufgab. Mit ihrem markanten roten Rumpf lag sie jahrzehntelang an der Blücherbrücke und wurde zum festen Bestandteil der Kieler Traditionsschiffsflotte. 2023 spielte sie die Hauptrolle im Guy-Ritchie-Kriegsfilm „The Ministry of Ungentlemanly Warfare“.

Steigende gesetzliche Anforderungen zwangen Bialek 2024 zum Verkauf. Im August 2025 fand sich mit der britischen Organisation „Wine Dark Sea Research“ eine neue britische Eignerin. Bialek übereignete ihr das Schiff gratis, damit das für den Kauf geplante Geld in dessen Sanierung fließen konnte. Die neue Eignerin wollte das Schiff zurück nach England bringen, doch bereits im Oktober drohte die „Ethel“ nach einem Wassereinbruch im Brunsbütteler Hafen zu sinken.

„Wine Dark Sea Research“ stellt nun laut „Cuxhavener Nachrichten“ klar, dass sie nicht mehr Eignerin der „Ethel“ sei; das Schiff sei am 29. November 2025 in neue Hände gegangen. Tatsächlich vermeldete im Dezember 2025 ein junger Brite auf Facebook, er sei der neue Eigner. Auch das WSA bestätigt, dass es sich bei dem Eigner um einen Briten handelt, kann jedoch derzeit keine näheren Angaben machen.

Der junge Brite startete sofort eine Crowdfunding-Kampagne. „Ich möchte sie nach Hause bringen und restaurieren, damit unsere großartige britische Gemeinschaft sie noch viele Jahre genießen kann“, schrieb er. Das Schiff befand sich zu dem Zeitpunkt in Deutschland und sollte über die Nordsee nach Den Helder gebracht werden, wo es für die Überfahrt nach Großbritannien vorbereitet werden sollte.

Nach 120 Jahren in Norwegen und Deutschland wollte er die „atemberaubende Holzstruktur“ wieder in britische Gewässer zurückbringen. Nach der Restaurierung sollte das Schiff nicht nur wieder fahren, sondern auch „Mittel für andere maritime Geschichtsprojekte sammeln“. Spender lud er ein, die „Ethel von Brixham“ während der Renovierung oder nach ihrer Fertigstellung zu besuchen. Ob aus diesem ambitionierten Plan nach der erneuten Havarie noch etwas wird, ist mehr als fraglich.

Ursula Meer

Ursula Meer

Redakteurin Panorama und Reise

Ursula Meer ist Redakteurin für Reisen, News und Panorama. Sie schreibt Segler-Porträts, Reportagen von Booten, Küsten & Meer und berichtet über Seenot und Sicherheit an Bord. Die Schönheit der Ostsee und ihrer Landschaften, erfahren auf langen Sommertörns, beschrieb sie im Bildband „Mare Balticum“. Ihr Fokus liegt jedoch auf Gezeitenrevieren, besonders der Nordsee und dem Wattenmeer, ihrem Heimatrevier.

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