Seenot

Havarie: Kielverlust von neuer Class 40 sorgt für Rätsel

Havarie: Kielverlust von neuer Class 40 sorgt für RätselFoto: Salvamento Marítimo

Eine erst vor wenigen Monaten fertiggestellte Class 40 von Cape Racing Yachts verliert ihren Kiel und kentert im Atlantik vor Spanien; Solosegler überlebt

Am Montag löste der französische Einhandsegler Laurent Camprubi, der sich auf der Qualifikationsstrecke für die Route du Rhum 2022 befand, kurz nach 20 Uhr seinen Notrufsender aus. Seine neue Class 40 hatte 14 Seemeilen vor den Sisargas-Inseln im Nordwesten Spaniens ohne Vorankündigung ihren Kiel verloren und war daraufhin gekentert.

Es folgte eine groß angelegte Rettungsaktion, die von der Salvamento Maritimo, den staatlichen spanischen Seenotrettern, koordiniert wurde. Die Rettungsleitstelle entsandte sofort einen Hubschrauber, der das Schiff nur drei Minuten nach dem Notruf lokalisierte. Außerdem waren mehrere Schiffe, Taucher sowie weitere Hubschrauber im Einsatz.

Die Class 40 trieb ohne Kiel bei hohem Seegang und starkem Wind. Fünf Rettungstaucher überprüften zunächst, ob der Skipper noch an Bord war. Offenbar gab es Lebenszeichen. Vor seiner eigentlichen Rettung musste jedoch zunächst die Rennyacht mit Hilfe von drei Bojen am Sinken gehindert werden. Erst dann konnten die Retter das gekenterte Boot genauer untersuchen und entdeckten, dass der Skipper im Inneren noch am Leben war.

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Laurent Camprubi war auf einem Qualifikationstörn, um im November die Route du Rhum zu bestreiten. Ähnlich wie bei einer Farr X2, die vor Kurzem vor Australien ihren Kiel verlor, hatte der Skipper sein Boot, eine Cape 40 V2 nach dem Plan von Étienne Bertrand, erst einige Monate zuvor zu Wasser gelassen.

Wie der Kiel bei ungefähr zwei Meter Welle und 25 Knoten Wind verloren gehen konnte, ist bisher noch unklar.

"Der Unfall passierte innerhalb von 15 Sekunden. Ich war am Segeln, und es geschah plötzlich, einfach so", erklärte der Segler selbst gegenüber der spanischen Nachrichtenagentur EFE. Er habe sofort ein Notsignal abgegeben und hörte kurz vor Einbruch der Dunkelheit erstmals den Hubschrauber der spanischen Seenotretter.

  Die spanischen Seenotretter bei der aufwändigen BergungsaktionFoto: Salvamento Marítimo
Die spanischen Seenotretter bei der aufwändigen Bergungsaktion

Der 62-jährige Solosegler wurde derweil auf eine harte Probe gestellt, denn die Bergung erwies sich aufgrund der herrschenden Bedingungen als äußerst anspruchsvoll. Währenddessen kauerte der Franzose im Überlebensanzug zur Hälfte unter Wasser im Inneren seines Schiffes. Der Anzug und ungefähr gerade mal 30 Zentimeter Luft hielten ihn am Leben.

Der Seegang machte es den Tauchern zunächst unmöglich, an ihn heranzukommen. Erst am Dienstagmittag, 16 Stunden später, war es ihnen möglich, von unten an das Boot zu gelangen und Camprubi tatsächlich lebendig zu bergen.

Dieser wurde umgehend an Land geflogen und leicht unterkühlt ins Krankenhaus eingeliefert. Während er wieder wohlauf ist, wurde das Boot zunächst immer noch umgedreht in den Hafen von Oza in A Coruña geschleppt.

  Die Class 40 "Jeanne" vor ihrem ersten Testschlag im Mai 2022Foto: Facebook/Cape Racing Yachts
Die Class 40 "Jeanne" vor ihrem ersten Testschlag im Mai 2022

Die Bauwerft dieser Class 40, Cape Racing Yachts in Kapstadt, teilte auf ihrer Facebook-Seite bisher lediglich mit, dass sie "derzeit mit dem Team zusammenarbeiten, um festzustellen, was passiert ist".

Auch das Konstruktionsbüro Owen Clarke Design, das in den letzten Jahren zwei seiner Class 40 der fünften Generation von Cape Racing Yachts bauen lassen hatte, schaltete sich ein. In seinem Statement distanziert es sich klar von dem Vorfall und betont, dass es sich bei der verunglückten Class 40 nicht um sein Design handelt.

Die letzten beiden von Cape Racing Yachts gebauten Class 40 seien von Étienne Bertrand gezeichnet worden. Außerdem warnt Owen Clarke Design in seinem Statement gegenüber der YACHT vor voreiligen Mutmaßungen zu den möglichen Ursachen und Schuldigen: "Viele werden vorschnell zu dem Schluss kommen, dass der Konstrukteur oder der Bauherr für das Versagen verantwortlich ist, aber das ist viel zu einfach." Zudem plädieren die britischen Designer dafür, aus dem Vorfall zu lernen, um das Vertrauen in die Sicherheit der Klasse aufrechtzuerhalten.

Hier die Mitteilung im Wortlaut:

„In recent years Cape Racing Yachts built two of our fifth-generation design Class 40s; #149 and #157. The latter was self-sponsored/named for some of its early races as Cape Racing Yachts. Because of this and our significant web/internet visibility with those boats and the Cape Racing Yachts brand we feel we need to avoid confusion by informing all parties that the two most recent boats they built, # 168 and #179 were designed by Etienne Bertrand.

We also caution all parties not to jump to conclusions regarding incidents like this. The reasons for such failures are rarely as simple as the outsider might think. Many will jump to the conclusion that the failure is the responsibility of the designer or the builder, but that is way too simplistic. The failure may not even be the keel itself and if it were there could be metallurgical, operational, installation and corrosion issues; any of which or a multiple of these that have initiated the problem.

OC send our best wishes to #179s crew and owner for the recovery of their yacht and hope to see them at the start of the Route du Rhum. Our thoughts also go out to Andrew Thomson of Cape Racing Yachts and Etienne Bertrand at what we know will be a particularly worrying and stressful time for them.

Clearly there may be lessons to be learnt by all, including the Class with regard to the management of the design and construction of appendages in the future. The Class has an excellent safety record, one that needs to be maintained. Practically we must not and certainly cannot be seen to be resting on our laurels. This was a serious incident. Had it happened at night, in the first week of the Route du Rhum, the result could have been very different.“

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