HavarieDer Fall "Brainstorm": kleine Ursache – fatale Wirkung

Michael Good

 · 22.02.2022

Havarie: Der Fall "Brainstorm": kleine Ursache – fatale WirkungFoto: World Cruising Club / Jésus de Leon

War eine lose Feststellschraube der Grund für den Ruderverlust auf der X 4.9 während der ARC? Die Werft zeichnet Ursachen für das Unglück auf hoher See auf

Eine lose Madenschraube an einer Manschette war letztlich wohl die Ursache, dass sich das Ruder auf der X 4.9 "Brainstorm" aus dem oberen Lager gelöst hat. Nach einer Inspektion des havarierten Schiffs auf Gran Canaria zeichnet die Herstellerwerft X-Yachts in Dänemark jetzt mögliche Ursachen für den verheerenden Ruderverlust auf. Untersucht haben die Experten vor Ort insbesondere, wie sich die Verschraubung überhaupt hatte lösen können. X-Yachts’ Chefingenieur Thomas Mielec sagt, es sei noch zu früh, um definitive Schlüsse über die Schadensursache zu ziehen. Dennoch nennt Mielec aus Sicht von X-Yachts zwei mögliche Szenarien:

1) Wenn festgestellt wird, dass keine Spuren einer Sicherungspaste auf der Verschraubung vorhanden sind, wäre es möglich, dass die Schraube bei der Herstellung des Ruderlagers irrtümlich nie mit Loctite gesichert wurde und sich deshalb unbemerkt über einen Zeitraum von zwei Jahren hat lockern können.

2) Sollten Analysen zeigen dass Loctite-Spuren an der Verschraubung vorhanden sind, könnte die Ursache darin liegen, dass die Schrauben bei Servicearbeiten versehentlich entfernt oder gelöst worden sind. Solche Arbeiten wurden von einem Service-Betrieb im November in Spanien durchgeführt.

Gemäß einer jüngst veröffentlichen Pressemitteilung von X-Yachts zum Vorgang "Brainstorm" hält Thomas Mielec als Vertreter der Werft das zweite Szenario für das wahrscheinlichere. Die Schadensermittlung sei allerdings noch nicht vollständig abgeschlossen. Die nachfolgende Zeichnung illustriert die Führung der Ruderwelle im oberen Lager.

Foto: X-Yachts

Die vierköpfige Mannschaft der "Brainstorm" hat den Notruf am 18. Januar 2022 abgesetzt, neun Tage nach dem Start zur Transatlantik-Regatta ARC January in Grand Canaria. Auf dem Schiff, einer 14,50 Meter langen Yacht vom Typ X 4.9 aus der Werft X-Yachts in Dänemark, wurde ein plötzlicher Wassereinbruch festgestellt – nachdem sich offenbar das Ruder aus dem oberen Lager gelöst und die nicht mehr über die ganze Länge geführte Ruderwelle das Kokerrohr aus GFK zerschlagen hatte. Die Mannschaft aus Holland war zwar in der Lage, den Wassereinbruch zunächst zu kontrollieren, schaffte es aber nicht, das Ruder wieder in die obere Führung einzusetzen.

Die Crew hat sich daraufhin entschlossen, die "Brainstorm" aus Sorge vor weiteren Beschädigungen am Rumpf aufzugeben. Zwei in der Nähe befindliche Yachten von ARC-Teilnehmern haben die vier unversehrten Segler aus Holland an Bord aufgenommen. Zwei Tage später konnte die verlassene Yacht durch ein Bergungsunternehmen geortet und 1.400 Seemeilen zurück nach Gran Canaria geschleppt werden. YACHT online hat über die dramatischen Vorgänge auf hoher See bereits berichtet.

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