GolfstaatenTorpediert der Iran-Krieg auch die Dubai International Boat Show?

Morten Strauch

 · 06.03.2026

Ungewisse Aussichten für die Vereinigten Arabischen Emirate
Foto: dpa/pa
Der Iran-Krieg sorgt auch in den Golfstaaten weiter für große Unruhe. Seit dem Angriff am vergangenen Samstag nimmt der Iran gezielt die Infrastruktur in der Region ins Visier. Die Straße von Hormus ist praktisch blockiert, Schiffe kommen nicht mehr durch. Damit gerät auch die Bootsmesse in Dubai, die für den 8. April geplant ist, ins Wanken.

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) stehen seit Samstagnachmittag unter massivem Beschuss. Nach offiziellen Angaben wurden von etwa 600 Drohnen rund 560 durch das Abwehrsystem erfolgreich abgefangen. Auch alle größeren Raketen konnten demnach abgeschossen werden. Die Situation bleibt angespannt, gilt jedoch weitgehend als unter Kontrolle.

Wir haben mit Max Waimer telefoniert. Er leitet gemeinsam mit seinem Bruder Hannes das Unternehmen Premier Composite Technologies in Dubai, wo unter anderem High-Tech-Rümpfe für Segelyachten gefertigt werden.

​YACHT: Wie ist die aktuelle Sicherheitslage bei euch?

Max Waimer: Bislang sind hier vier Menschen ums Leben gekommen, rund 60 wurden verletzt. Ein Todesfall ereignete sich in einem privaten Umfeld, die anderen drei im Hafen, wo Treibstofflager getroffen wurden. Zudem entstanden Schäden an Privathäusern und Hotelanlagen.

Wie wirkt sich der Iran-Krieg auf den Alltag aus?

Am Montag und Dienstag hatten wir unseren Betrieb sicherheitshalber geschlossen, doch seit Mittwoch läuft die Produktion wieder. Die Schulen bleiben weiterhin zu, und Homeschooling über das Internet ist angeordnet. Das bringt viele Familien in Schwierigkeiten – vor allem dann, wenn beide Eltern arbeiten müssen. Offenbar wurden die Abschussrampen verlegt, weg aus der Stadt. Für die Abfangsysteme machen zehn Kilometer Entfernung keinen Unterschied, für die Menschen vor Ort jedoch schon. Wird ein Interceptor gestartet, bleibt er zunächst einige Sekunden über der Abschussstelle stehen, erfasst sein Ziel und beschleunigt dann auf Überschallgeschwindigkeit. Die beiden lauten Knallgeräusche halten viele für Einschläge – tatsächlich ist es „nur“ die Abwehr.

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Ist die Dubai International Boat Show gefährdet?

Die Straße von Hormus ist de facto zu. Transportschiffe, die für die Messe unterwegs sind, kommen nicht mehr durch. Bleibt nur noch der Landtransport über Saudi-Arabien. Von Jeddah aus sind es 2.200 Kilometer quer durch die Wüste, keine einfache Route für Bootstransporte. Große Schiffe, die auf eigenem Kiel kommen, schaffen es ohnehin nicht.

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Wird die Messe trotzdem stattfinden?

Normalerweise treffen die Schiffe zwei bis drei Wochen vor der Messe ein – diesmal reicht die Zeit dafür nicht. Einige Yachten sind zwar schon vor Ort, doch wie viele am Ende tatsächlich zur Messe kommen, bleibt offen. Die Dubai International Boat Show soll am 8. April starten, also in vier Wochen. Ob sich der Iran-Krieg bis dahin beruhigt, lässt sich nicht seriös prognostizieren. Die Veranstalter werden die Messe voraussichtlich trotzdem stattfinden lassen, auch wenn einzelne Aussteller kurzfristig absagen oder gar nicht anreisen. In Dubai läuft der Alltag inzwischen weitgehend normal weiter, als wäre nichts passiert: Selbst wenn gelegentlich Interceptor-Raketen aufsteigen, bleibt die Stadt funktionsfähig.


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Was bezweckt der Iran mit den Angriffen auf die Golfstaaten?

Der Iran greift nicht nur amerikanische Basen an, sondern gezielt auch die Infrastruktur der Golfstaaten. VAE, Qatar, Saudi-Arabien und Bahrain sind potenzielle Ziele. Diese Länder leben nicht mehr nur vom Öl, sondern auch von Wirtschaft, Sportveranstaltungen und Tourismus. Der Iran will diese Länder in den Konflikt hineinziehen, damit sie Druck auf Israel und die USA ausüben.

Könntet ihr ausreisen, wenn es euch zu heiß wird?

Derzeit dürfen alle VAE-Residenten das Land nicht verlassen. Die meisten Flüge wurden gestrichen, und die wenigen Verbindungen, die noch abheben, bringen zunächst Touristen außer Landes. Wie lange der Iran-Krieg dauern wird, ist weiterhin unklar. Unternehmen arbeiten, soweit es möglich ist, weiter.

Gibt es erste Versorgungsengpässe bei euch?

Logistische Probleme gibt es wegen dem Iran-Krieg noch nicht, das ist zu früh. Die meisten Rohmaterialien sind vor Ort, große Lager sorgen für Flexibilität. Viele Zulieferer haben ebenfalls große Lager in der Region, um unabhängig zu bleiben. Standardmaterialien wie Glasfaser und Kohlefaser sind verfügbar. Die Projekte, die laufen, sind gut bestückt. Ob sich das ändert, wenn der Konflikt länger dauert, bleibt abzuwarten.


Morten Strauch

Morten Strauch

Redakteur News & Panorama

Morten Strauch entdeckte als Teenager seine Liebe zum Segeln. Angefangen mit der Jolle auf dem Steinhuder Meer, folgten Chartertörns auf der Ostsee und im Mittelmeer. Bisheriger Höhepunkt war eine Zweihand-Atlantiküberquerung auf einem GFK-Klassiker von Miami nach Cuxhaven. Mit dem eigenen Boot zieht es ihn meist in die dänischen Gewässer. Seit 2022 ist er Redakteur bei der YACHT im Ressort Panorama mit einem Faible für historische Schiffe und Abenteurer.

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