Geisterschiffe faszinieren die Menschen seit Jahrhunderten. Sie stehen für das Ungewisse auf See, für Geschichten, die sich jeder eindeutigen Erklärung entziehen. Manche beruhen auf realen Ereignissen, andere sind reine Legenden, weitergetragen von Generationen von Seeleuten. Der Mystery-Historiker Joslan F. Keller hat in seinem Buch „Seefahrtsmythen“ zahlreiche dieser rätselhaften Fälle zusammengetragen.
Das niederländische Frachtschiff nimmt einen besonderen Platz unter den Geisterschiffen ein. Ein Grund dafür sind die unheimlichen Umstände, unter denen es entdeckt wurde. Aber kann man diese Geschichte für bare Münze nehmen?
Die Geschichte der „SS Ourang Medan“ lässt so manchen alten Seebären erschaudern. Sie beginnt im Juni 1947, als im Südwesten des Nordpazifiks mehrere Schiffe einen Notruf im Morsecode von einem niederländischen Schiff empfingen. Das Schiff gab sich als „Ourang Medan“ aus.
Die erste Nachricht versetzte diejenigen, die sie empfingen, in Schrecken: „SOS Ourang Medan... Wir treiben ... Alle Offiziere, einschließlich des Kapitäns, sind tot, im Kartenraum und auf der Brücke ... Wahrscheinlich ist die gesamte Besatzung tot“. Dann empfingen die Funkgeräte der Schiffe in der Nähe eine Reihe verwirrender Punkte und Striche, als ob der Absender in Panik geraten wäre, und schließlich eine letzte Nachricht: „Ich sterbe“. Danach herrschte völlige Stille.
Der „Silver Star“ gelang es, die Position des in Seenot geratenen Schiffes durch eine Dreiecks-Peilung zu bestimmen. Der Kapitän ließ sein Schiff umkehren, um der „Ourang Medan“ zu Hilfe zu kommen. Das Wetter war klar, die See ruhig. Ungefähr an der vermuteten Stelle stießen die Seeleute der „Silver Star“ auf einen Frachter, der ungewöhnlich still auf dem Wasser trieb. Von ihrer Position aus konnten sie keine Bewegungen an Deck erkennen. Eine unheilvolle Vorahnung beschlich die ratlosen Seeleute. Eine kleine Gruppe von Matrosen setzte von der „Silver Star“ über, um das führerlose Schiff zu entern. Als sie an Deck gelangten und die Kabinen betraten, bot sich ihnen ein schrecklicher Anblick. Die gesamte Besatzung war tot. Das Schrecklichste war jedoch nicht der Tod der Seeleute, sondern der Ausdruck abgrundtiefer Angst, der ihre Gesichtszüge verzerrte, ebenso wie ihre ausgestreckten Arme, die einen letzten Überlebenskampf andeuteten. Als hätten sich diese Unglücklichen gegen einen unerbittlichen Angreifer verteidigen wollen.
Wie im Notruf angegeben, wurden der Kapitän des Frachters und seine Offiziere tot auf der Brücke und im Kartenraum aufgefunden. Die Retter beunruhigte besonders, dass jedes Besatzungsmitglied an seinem Platz saß, das Gesicht auf grauenhafte Weise von derselben Angst verzerrt. Der Funker war an seinem Platz gestorben, den Finger noch auf der Taste, mit der man eine Morse-Nachricht senden kann.
Abgesehen von diesem makabren Anblick lieferte die „Ourang Medan“ keinerlei Hinweise darauf, was sich ereignet haben könnte. Es gab nicht die geringsten Anzeichen für Fremdeinwirkung. Die Leichen wiesen keinerlei Anzeichen von Gewalt oder Verletzungen auf, auch keine Abwehrverletzungen.
Das Einzige, was auffiel, war die sehr kalte Luft auf dem Frachter, während draußen eine drückende Hitze von 43 °C herrschte. Die Matrosen der „Silver Star“ waren zutiefst schockiert und kehrten zu ihrem Schiff zurück, wo der Kapitän befahl, den schwimmenden Friedhof abzuschleppen. Doch zur allgemeinen Überraschung brach, sobald die Matrosen das Schiff verlassen hatten, ein Feuer auf dem Geisterschiff aus. Trotz verzweifelter Bemühungen der Mannschaft der „Silver Star“ explodierte der Todesfrachter kurz darauf und versank im Meer, wobei er sein Geheimnis mit in den Abgrund nahm.
Später, Ende der 1950er Jahre, soll ein Bericht an die CIA geschickt worden sein, der eine Beschreibung der verstorbenen Besatzung enthielt:
Ihre kalten Gesichter waren der Sonne zugewandt, der Mund offen und die Augen weit aufgerissen ... Alle waren tot. Sogar der Schiffshund, ein kleiner Terrier, war leblos, die Zähne vor Wut oder Agonie entblößt.
Diese außergewöhnliche Geschichte sorgte für reichlich Spekulationen, insbesondere über die Todesursache der Besatzung. Eine weit verbreitete Theorie besagte, dass die „Ourang Medan“ – legal oder illegal – ein sehr gefährliches Nervengas transportiert habe, das sich aufgrund unzureichender Schutzmaßnahmen auf dem Schiff ausgebreitet hatte und schnell die gesamte Besatzung tötete. Dieses Gas stammte angeblich aus einem Lagerbestand, den die japanische Armee in China zurückgelassen hatte und den die US-Armee nach dem Ende des Weltkriegs beschlagnahmt hatte. Da das Gas ohne vorherige Genehmigung nicht auf einem normalen Schiff transportiert werden durfte, soll die US-Armee beschlossen haben, die Ladung auf ein nicht registriertes Schiff zu verladen und sie heimlich entweder in die USA oder auf eine Pazifikinsel zu transportieren.
Aber war es wirklich ein Gas, das diese schrecklichen Symptome bei den Seeleuten ausgelöst hat? Dann müsste dieses Gas Halluzinationen erzeugen oder die Muskeln der Opfer in dieser panikartigen Haltung „erstarren“ lassen können. Der Theorie zufolge soll die „Ourang Medan“ in den Schmuggel hochgefährlicher Chemikalien wie Kaliumcyanid, Nitroglycerin oder die Lagerung eines Nervengases verwickelt gewesen sein. Es sei Meerwasser in die Laderäume des Schiffes eingedrungen und habe durch eine Kettenreaktion giftige Gase entstehen lassen, die zum Tod der Besatzung durch Ersticken und/oder Vergiftung geführt haben sollen. Später soll das Meerwasser erneut mit dem Nitroglycerin reagiert und dadurch einen Brand und die für die „Ourang Medan“ fatale Explosion ausgelöst haben.
Man muss zugeben, dass die Geschichte der „Ourang Medan“ von all den oft beängstigenden Geschichten über Geisterschiffe wohl die schlimmste ist. Ein unbekanntes Schiff geriet in Seenot, die gesamte Besatzung war tot, ihre Gesichter in unsäglichem Grauen erstarrt, bevor eine mysteriöse Explosion das Schiff zerstörte und es in Vergessenheit geriet. Die spektakulären und schaurigen Details dieser Entdeckung sind der Hauptgrund dafür, dass diese Geschichte so lebendig geblieben ist. Im Internet (in Blogs) und in sozialen Netzwerken (vor allem YouTube und Facebook) taucht sie regelmäßig in immer gruseligeren Versionen auf. Und natürlich wird die Geschichte des Schiffs fast immer als wahr dargestellt, ohne dass jemals ihre Authentizität bezweifelt wird. Doch über den packenden Inhalt hinaus werfen viele Aspekte Fragen auf.
Tatsächlich findet sich in Schiffsregistern wie dem Lloyd’s Shipping Register keinerlei Hinweis auf ein Frachtschiff namens „Ourang Medan“. Darüber hinaus gibt es, wie der Marinehistoriker Roy Bainton nachgewiesen hat, weder in den Niederlanden noch anderswo Aufzeichnungen über ein Schiff mit diesem Namen.
Man kann nicht ausschließen, dass es sich um ein illegales Schiff handelte, das außerhalb der Gesetze und Vorschriften operierte. Der Geschichte zufolge soll die „Ourang Medan“ in einem kleinen chinesischen Hafen (dessen Name unbekannt ist) in See gestochen sein, um Kurs auf Costa Rica zu nehmen, wobei sie jeglichen Kontakt mit den Seebehörden der angelaufenen Länder vermied, was ebenfalls auf eine unlautere und zweifellos illegale Tätigkeit hindeuten könnte.
Wenn schon die bloße Existenz des Schiffes unklar ist, so ist sein Auftauchen umso rätselhafter. Es fehlen zuverlässige Quellen, die die Echtheit des Vorfalls belegen. Lange Zeit glaubte man, dass der erste Hinweis auf die „Ourang Medan“ in einer Reihe von drei Artikeln zu finden sei, die am 2. und 28. Februar 1948 sowie am 13. März 1948 in der indonesisch-niederländischen Zeitung De Locomotief veröffentlicht wurden. In jedem dieser Artikel sind die Grundzüge der Geschichte weitgehend identisch: der Notruf, die Entdeckung des Schiffes, die Explosion und der Untergang sowie eine Angabe zu Datum und Ort: Juni 1947, etwa 700 Kilometer südöstlich der Marshallinseln. Der Name des Schiffes, das den Frachter entdeckt haben soll, wird jedoch nicht erwähnt, was darauf hindeutet, dass er später hinzugefügt wurde.
Im zweiten und dritten Artikel der Zeitung De Locomotief ist von einem einzigen Überlebenden deutscher Staatsangehörigkeit die Rede, der von einem Missionar auf dem Taongi-Atoll entdeckt wurde. Dieser anonyme Überlebende soll dem Missionar vor seinem Tod erzählt haben, dass die „Ourang Medan“ tatsächlich eine große Ladung Schwefelsäure geladen hatte. Giftige Dämpfe aus beschädigten Containern hätten den Tod der Besatzungsmitglieder verursacht. Er allein habe es geschafft, mit einem Rettungsboot die Küste zu erreichen. Anschließend soll der Missionar die Geschichte einem Italiener aus Triest (einem zwischen 1947 und 1954 bestehenden Freistaat in der Nähe Italiens) namens Silvio Scherli erzählt haben, der sie dann an die Presse weitergab. So gelangte die Geschichte zurück nach Indonesien.
In ihrem dritten Artikel schließt die niederländische Zeitung ihre „Untersuchung“ mit folgender Warnung ab:
Dies ist der letzte Teil unserer Geschichte über das Geheimnis der „Ourang Medan“. Wir müssen noch einmal betonen, dass wir keine weiteren Informationen zu diesem „Rätsel der Ozeane“ haben. Wir können auch nicht alle unbeantworteten Fragen rund um diese Geschichte beantworten. Es scheint offensichtlich, dass es sich um einen spannenden Roman, der auf dem Ozean spielt, handelt. Andererseits behauptet der Autor Silvio Scherli, dass seine Geschichte wahr ist.
Die niederländische Zeitung schien sich Ende der 1940er Jahre zwischen Mythos und Realität entschieden zu haben. Wir sollten aber bedenken, dass all ihre Erkenntnis von ein und derselben Person stammte, die nichts selbst beobachtet hatte und deren Informationen mindestens aus dritter Hand stammten.
Trotz der Zweifel wurde die Geschichte von der Nachrichtenagentur Associated Press aufgegriffen und dann von mehreren Zeitungen verbreitet. Es gab einige Unterschiede, wie beispielsweise den Fundort (eher die Salomonen als die Marshallinseln) und den Wortlaut des Notrufs. In dem Artikel „Secrets of the Sea“ (Geheimnisse der See) von Win Brooks vom Oktober 1948 wird der Fundort des Schiffes in die Straße von Malakka zwischen der malaysischen Halbinsel und der indonesischen Insel Sumatra verlegt.
Die Geschichte erhielt zweifellos einen Stempel der Authentizität, als sie in englischer Sprache in den Proceedings of The Merchant Marine Council, einer Veröffentlichung der US-Küstenwache, wiedergegeben wurde. Der Leitartikel „We Sail Together“ vom 9. Mai 1952 befasst sich mit verschiedenen berühmten Meeresrätseln. In einem Absatz gab er dieselbe Version der Ereignisse wieder, mit zwei Änderungen: Das Ereignis geschah im Februar 1948 (und nicht im Juni 1947) in der Straße von Malakka (wo es eine Stadt namens Medan gibt, was möglicherweise zu Verwirrung geführt haben könnte). Innerhalb weniger Jahre veränderte sich die ursprüngliche Erzählung jedenfalls grundlegend. Jahrzehntelang blieb die Geschichte der „Ourang Medan“ eine Art urbane Legende der See, die durch keine Untersuchung wirklich bestätigt werden konnte.
Der Aufstieg des Internets und der sozialen Netzwerke ermöglicht es Neugierigen, selbst neue Nachforschungen anhand von bisher unzugänglichen oder unbekannten Dokumenten anzustellen. Zunächst war es der Blogger Alexander Butzige, der 2013 im Forum Bermuda Triangle Central berichtete, dass er in der französischen Zeitschrift Sept Jours vom 7. September 1941 einen Artikel gefunden habe mit dem Titel: „Nach 20 Monaten ist das Geheimnis der „Ourang Medan“ gelüftet“. Er verwies auch auf einen anderen Artikel in einer Ausgabe vom 29. Dezember 1940 mit dem Titel „Der erste Bericht über ein großes Geheimnis des Meeres“. Alexander Butzige schlussfolgerte daraus, dass sich der Vorfall am 13. November 1939 ereignet haben müsse. Es soll also Presseartikel aus dem Jahr 1941 über einen Vorfall geben, der sich anderen Quellen zufolge erst 1947 ereignet hat? Wie ist das möglich?
Ich habe diese beiden Artikel auf der Website www.gallica.fr recherchiert. Tatsächlich wird die Sache kompliziert, denn laut diesen beiden nicht signierten Artikeln sollen sich die Ereignisse im November 1939 in der Nähe der Fidschi-Inseln in Melanesien zugetragen haben (wo der einzige Überlebende des Rettungsbootes gelandet sein soll), und die „Silver Star“ sei in Wirklichkeit ein amerikanisches Torpedoboot gewesen. Mehr noch: Die „Ourang Medan“ sei gar kein niederländisches Schiff, sondern ein Schiff der australischen Regierung, das Strafgefangene transportierte, und sie soll an einen Schmuggler verkauft worden sein.
Die andere wichtige Entdeckung im Zeitalter der digitalen Information ist das Werk von Estelle Hargraves, einer englischen Amateurhistorikerin der Skittish Library. Im Jahr 2015 stöberte sie in britischen Zeitungen aus der Vorkriegszeit und fand heraus, dass Berichte über die „Ourang Medan“ in mehreren britischen Zeitungen wie The Daily Mirror, The Yorkshire Evening Post oder The Hampshire Telegraph im November 1940 erschienen waren. Dies sind die ältesten bisher bekannten gedruckten Hinweise auf den Fall. All diese Zeitungen übernehmen syndizierte Inhalte der Associated Press.
Diese erste Version der Geschichte ist fast identisch, mit einigen wenigen Abweichungen: Der Vorfall ereignete sich südöstlich der Salomonen, das Rettungsschiff hat keinen Namen, es handelt sich jedoch um ein britisches Handelsschiff, der Text des Notrufs war anders und es gab keinen einzigen Überlebenden, der in einem Rettungsboot an Land ging. Alles, was wir über die Fakten wissen, stammt demnach von einem (anonymen) Offizier eines (ebenfalls anonymen) britischen Handelsschiffes.
An diesem Punkt angelangt, weiß man ehrlich gesagt nicht mehr, was man davon halten soll. Hat die „Ourang Medan“ wirklich existiert? Hat sich der Vorfall 1939, 1940, 1947 oder 1948 ereignet? Wo genau? In der Nähe der Marshallinseln? Vor Malaysia? Oder in der Nähe der Salomonen? Wenn sich die Geschichte Anfang der 1940er Jahre zugetragen hat, ist es jedenfalls unmöglich, dass die „Ourang Medan“ von der „Silver Star“ entdeckt wurde, da diese erst 1942 unter dem Namen „Silver Star Park“ gebaut und 1945 in „Santa Cecilia“ umbenannt wurde, um nach Brasilien überführt zu werden. Bis 1947 wurde sie kurzzeitig wieder in „Silver Star“ umbenannt, dann hieß sie bis zu ihrer Verschrottung 1971 „Santa Juana“. Es ist also offensichtlich, dass die „Silver Star“ 1947 nicht im Pazifik unterwegs gewesen sein kann, und ihre mehr als ungewisse Rolle ist daher eine reine Erfindung.
Die Frage ist: Wer war die Quelle der Associated Press im Jahr 1940? Die Sache ist eindeutig, denn die Herkunftsstadt war ... Triest. Seltsamerweise war dies der Geburtsort von Silvio Scherli, der acht Jahre später der Zeitung De Locomotief eine überarbeitete Version der Geschichte erzählte. Es scheint also, dass Silvio Scherli 1940 der Associated Press eine Geschichte erzählte, die in britischen Zeitungen und später auch anderswo weitgehend übernommen wurde. Doch die Ereignisse um den Zweiten Weltkrieg traten in den Vordergrund und ließen die Geschichte der „Ourang Medan“ in Vergessenheit geraten.
Silvio Scherli muss darüber sehr enttäuscht gewesen sein, da er bereits am 16. Oktober 1940 seine eigene Version der Geschichte in der Zeitung Il Piccolo veröffentlicht hatte. 1947 legte der Italiener erneut los und schlug De Locomotief eine verbesserte Version vor, deren Authentizität er garantierte. Unbeirrt veröffentlichte er 1959 erneut einen Artikel unter seinem Namen für das Magazin Trieste Export Trade.
Letztendlich gibt es hinter der Geschichte dieses Geisterschiffs mit seiner toten Besatzung nur eine Quelle: einen Mann, der von diesem Ereignis so besessen war, dass er in den Medien seiner Zeit immer wieder darüber berichten wollte. Faszinierte ihn dieser Fall so sehr? Glaubte er so sehr daran, dass die Geschichte zu seiner eigenen Schöpfung wurde? Wollte er damit Geld oder Ruhm erlangen? Wer war dieser Silvio Scherli überhaupt?
Aus den wenigen Informationen, die über ihn zu finden sind, geht hervor, dass er 1901 geboren wurde und lange Zeit in Triest lebte. Er arbeitete als Handelsmatrose, was ihm ermöglichte, die Weltmeere zu bereisen. Einige vermuten, dass er während einer Reise in die Südsee die Geschichte der „Ourang Medan“ erfunden und sein Geisterschiff nach dem indonesischen Hafen benannt hat, in dem er mehrmals angelegt hatte.
Zwar hat sich Silvio Scherli in Bezug auf die „Silver Star“ und die Insel, auf der der einzige Überlebende gelandet sein soll (da das winzige Taongi-Atoll unbewohnt ist, kein Süßwasser hat und nie Missionare beherbergt hat) geirrt, aber wir müssen seine Hartnäckigkeit anerkennen, die es ihm ermöglichte, eine Seefahrerlegende zu erschaffen, die manche auch im 21. Jahrhundert noch für authentisch halten.
Die erste Regel auf dem Gebiet der unerklärlichen Phänomene lautet, eine Erzählung niemals einfach so für bare Münze zu nehmen. Die Geschichte der „Ourang Medan“ ist zwar faszinierend, weist jedoch zu viele Widersprüche, Unklarheiten und fehlende Beweise auf. Es hat daher wenig Sinn, Vermutungen über die Ursachen des Vorfalls anzustellen, da es sich offensichtlich um eine Legende handelt, die im Laufe der Jahre ausgeschmückt wurde. Warum sollte man versuchen, etwas zu erklären, wenn man nicht sicher ist, ob es wirklich etwas zu erklären gibt?

Chefredakteur Digital