GeisterschiffeGespenstisch: 6 unheimliche Geisterschiffe

Felix Keßler

 · 15.02.2018

Geisterschiffe: Gespenstisch: 6 unheimliche GeisterschiffeFoto: Maullunat

Seenot, Havarie, Rettungsaktion: Die Crews werden häufig geborgen, doch was passiert mit den Yachten? Sechs Geisterschiffe und ihre schaurigen Geschichten

Die vorgestern vom Team "Turn the Tide on Plastic" beim Volvo Ocean Race wiederentdeckte "Sea Nymph" der Amerikanerinnen Jennifer Appel und Tasha Fuiaba wurde Ende Oktober 2017 aufgegeben – und trieb seitdem als Geisterschiff auf dem Pazifik umher. Als Treibgut ohne Lichter oder AIS-Signale war sie für die Regattacrews nahezu unsichtbar, nur durch Glück kam es nicht zu einer womöglich verheerenden Kollision.

  Ein Tender der "USS Ashland" nähert im Oktober der "Sea Nymph", um die Amerikanerinnen abzubergenFoto: US Navy
Ein Tender der "USS Ashland" nähert im Oktober der "Sea Nymph", um die Amerikanerinnen abzubergen

Das führt zur Frage, welche und wie viele Yachten neben Müll und Containern sonst noch einsam auf den Meeren umhertreiben. Während Letzteres wohl unmöglich zu beantworten ist, lassen sich zumindest einige bekannt gewordene Fälle aufzeigen. Auf den nächsten Seiten sechs aufgegebene Yachten, die womöglich noch immer umhertreiben, so sie noch nicht gesunken sind oder versenkt wurden.

Tania Aebis "Varuna"

  Tania Aebi in den Achtzigern auf ihrer "Varuna"Foto: T. Aebi
Tania Aebi in den Achtzigern auf ihrer "Varuna"

Die auffällig dunkelrote Contessa 26 "Varuna", mit der Tania Aebi 1987 als damals jüngster Mensch (und als erste Amerikanerin) ihre Solo-Weltumseglung bewältigte, ging in den Jahren danach durch mehrere Eignerhände. Wie erst jetzt bekannt wurde, hat sie ihr derzeitiger Eigner bereits Ende August auf dem Weg von den Azoren nach Gibraltar wegen technischer Probleme aufgegeben (hier zur Meldung). Anfang September 2017 ließ er sich etwa 600 Seemeilen westlich der Meerenge abbergen, seither treibt die "Varuna" als Geisterschiff auf dem Atlantik, vermutlich in südliche Richtung.

Swan 44: "Kolibri"

Anfang Mai 2015, rund 500 Seemeilen südlich der Azoren, lässt sich die Crew der "Kolibri", einer unter norwegischer Flagge fahrenden Swan 44, von einem zu Hilfe gerufenen Helikopter der portugiesischen Küstenwache abbergen. Da war die "Kolibri" – wie auch vier weitere Yachten – in einen schweren Sturm geraten. Alle Crews hatten daraufhin Notrufe abgesetzt, eines der Schiffe sank gar, und ein kleines Kind war kurz nach seiner Rettung aus dem Wasser an den Folgen einer Unterkühlung gestorben.

  Die unter norwegischer Flagge segelnde Swan 44 "Kolibri" in schwerer See während der RettungsaktionFoto: Portugiesische Küstenwache
Die unter norwegischer Flagge segelnde Swan 44 "Kolibri" in schwerer See während der Rettungsaktion

Da die portugiesische Marine die Rettungsaktionen auf Video festgehalten hatte, hatten sich kurz nach Bekanntwerden der Notfälle viele Segler gefragt, weshalb die sehr erfahrene norwegische Crew ihr augenscheinlich weitgehend intaktes Schiff freiwillig verlassen hatte. Eine vollständig überzeugende Begründung dafür konnte der Skipper auch in einem später in den norwegischen Medien veröffentlichten Interview nicht liefern. Das Schiff sei mehrfach gekentert, Wasser sei eingedrungen, und es habe Chaos an Bord geherrscht, gab er an. Hier geht es zur YACHT-Meldung

Sun Magic 44: "Sayo"

  Die vor den Philippinen aufgebrachte YachtFoto: Barobo Police Station
Die vor den Philippinen aufgebrachte Yacht

Am 25. Februar entdeckten Fischer die entmastete Sun Magic 44 "Sayo" vor der philippinischen Küste. Ein gruseliger Fund: Am Kartentisch saß die mumifizierte Leiche ihres Skippers, des 59-jährigen Manfred B. aus Nordrhein-Westfalen. Etwa sieben Tage zuvor soll der Skipper gestorben sein, hieß es angeblich im Obduktionsbericht. Später wird klar, dass das nicht stimmen kann: Tatsächlich wurde die Leiche des Einhandseglers schon rund einen Monat vorher von einer Regattacrew entdeckt. Die stiegen sogar auf das Boot über und hielten den grausigen Fund mit der Videokamera fest. Die "Seglermumie" ist tagelang in der Boulevardpresse Thema.

"Troll"

  Die verlassene Stahlketsch "Troll"Foto: Maullunat
Die verlassene Stahlketsch "Troll"

Mit offenen Luken hatten Thomas Mallunat und seine Frau ihre Stahlyacht "Troll" 2014 auf See verlassen, weil die Seglerin schwer erkrankt war. Bis August 2015 trieb die Yacht umher, dann wurde sie von der Irischen Marine gesichtet – und versenkt. Obwohl sich die "Troll" in einem erbarmungswürdgen Zustand befand, hatte Eigner Mallunat sogar noch in Erwägung gezogen, den Havaristen zu bergen. Als er erfuhr, dass das Schiff bereits auf Tiefe gegangen war, war seine Empörung groß. Er gab ein ausführliches Interview in der YACHT.

Open 60 – "Cheminées Poujoulat"

In der Nacht zum 24. Dezember 2014 brach das Boot des Schweizers Bernard Stamm auf der Rücküberführung vom Transat Jacques Vabre vor der englischen Küste in der Mitte durch und begann zu sinken. Stamm und sein Mitsegler Damien Guillou gaben die Yacht auf und ließen sich abbergen. Später entdeckte ein Marineflieger das Wrack, das also doch nicht gesunken war, etwa 14 Seemeilen vor der Insel Vierge. Es wurde in den Hafen von Aber Wrac’h geschleppt und vorerst an einer Boje gesichert. Stamm war dabei, die Aktion wurde auf Video dokumentiert. Auch die YACHT berichtete.

  Der zerbrochene Open 60 „Cheminées Poujoulat“Foto: AdonnateTv
Der zerbrochene Open 60 „Cheminées Poujoulat“

Die Bugsektion war offenbar nur noch durch einige Leinen mit dem Rumpf verbunden und trudelte beim Schleppen hinterher. Dass die Einzelteile noch schwimmen, erklärt sich Stamm mit den wasserdichten Schotts, die er bei der Havarie geschlossen habe.

"Generali"

Dass bisweilen auch Regattayachten aufgegeben werden, beweist der Fall der "Generali" aus dem Jahr 2008. Nachdem der Franzose Yann Eliès mit Bein- und Rippenbruch zwei Tage auf Rettung durch die australische Marine warten und das Schiff treiben lassen musste, geistert es nun irgendwo rund 700 Seemeilen südlich von Australien durch den Indischen Ozean. Die Positionsbake sendet nicht mehr, das zum Bergen des Neubaus bereitstehende Segelteam kann das Schiff nicht mehr orten.

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