DGzRSDie ersten Bilder vom neuen Seenotrettungsboot

Jill Grigoleit

 · 03.03.2026

So soll das neue Seenotrettungsboot aussehen wenn es fertig ist.
Foto: Die Seenotretter – DGzRS
Bei der finnischen Werft Arctic Boats entsteht derzeit der Prototyp der neuen 12-Meter-Klasse für die freiwilligen Stationen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Nach der Beauftragung des SRB 90 vor einem Jahr zeigt das aktuelle Werfttagebuch nun deutliche Baufortschritte.

Im April 2025 hatte die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) den Bau eines Prototyps für eine neue Seenotrettungsboot-Klasse beauftragt:


Generationswechsel bei den Seenotrettern

Hintergrund ist der anstehende Generationswechsel bei den Rettungseinheiten der DGzRS: Die bislang auf vielen freiwillig besetzten Stationen eingesetzten 9,5- und 10,1-Meter-Boote wurden überwiegend zwischen 1999 und 2002 in Dienst gestellt. In den kommenden Jahren erreichen sie damit das Dienstalter von 30 Jahren, in dem die Einheiten planmäßig ausgewechselt werden. Mit dem Neubau verfolgt die DGzRS das Ziel, die Leistungsfähigkeit ihrer kleineren Rettungseinheiten deutlich zu steigern – bei Geschwindigkeit, Seegangsverhalten, Arbeitsbedingungen für die Crew und technischer Ausstattung. Die Rückmeldungen der Freiwilligen Crews waren Grundlage für Verbesserungen bei der Planung.

SRB 90: Mehr Länge, mehr Leistung, mehr Sicherheit

Der Prototyp trägt die interne Bezeichnung „SRB 90“. Die neue Rettungseinheit wird 12,75 Meter lang und erreicht mit dem Doppeljet-Antrieb eine Geschwindigkeit von mindestens 32 Knoten. Es soll im Laufe diesen Jahres an die DGzRS ausgeliefert und vor seiner endgültigen Stationierung umfangreich erprobt werden.

Der größte Unterschied zum Vorgänger: Der Rumpf entsteht nicht mehr aus Aluminium, sondern in moderner Faserverbundbauweise aus Glas- und Kohlenstofffasern (GFK/CFK). Das soll hohe Festigkeit bei vergleichsweise geringem Gewicht gewährleisten. Ein voll elastisch gelagertes Deckshaus reduziert Schwingungen und Stöße, zusätzlich kommen gefederte Sitze zum Einsatz – ein wichtiger Aspekt bei Einsätzen in schwerer See. Zur Ausstattung zählen zudem moderne Navigations- und Kommunikationssysteme sowie eine großzügig gestaltete Rettungsplattform am Heck. Doppelte Wasserstrahlantriebe verbessern zudem die Manövrierfähigkeit unter allen Bedingungen. Ein Positionierungssystem soll das neue Seenotrettungsboot automatisch an Ort und Stelle halten.

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Aktueller Baufortschritt: „Anprobe“ erfolgreich

Das aktuelle Werfttagebuch der DGzRS zeigt, dass der Prototyp inzwischen eine entscheidende Etappe erreicht hat: Rumpf und Deckshaus wurden erfolgreich probeweise zusammengefügt. Nach der gelungenen „Anprobe“ erfolgt der weitere Ausbau nun zunächst wieder getrennt voneinander. Es werden Tanks eingebaut, Elektrik installiert und die Scheiben aus Spezialsicherheitsglas eingesetzt. Die Fertigung der Bauteile erfolgt mithilfe computergesteuerter Fräsen und im Vakuum-Infusionsverfahren. Dabei werden die Faserlagen mit Epoxidharz unter Unterdruck getränkt, was eine besonders homogene und belastbare Struktur ergibt. Diese Bauweise gilt im modernen Spezialschiffbau als Stand der Technik. Ein weiterer Vorteil: Der Bau und Unterhalt der neuen Boote soll kostengünstiger sein. Auch die Instandhaltung sei einfacher, als bei den bisherigen Booten.

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Tradition im Rumpf: Die Glücksmünze

Neben aller Hightech wurde auch ein maritimer Brauch gepflegt: Eine historische 20-Mark-Goldmünze von 1895 wurde im Rumpf des Neubaus verankert. Die Münze stammt von einem Spenderehepaar, das den Bau des Bootes maßgeblich unterstützt. Solche Münzeinlegungen haben im Schiffbau lange Tradition und sollen dem Schiff und seiner Besatzung Glück und Schutz bringen – ein symbolischer Akt, der Technik und Seefahrtstradition miteinander verbindet.

In einer kleinen traditionellen Zeremonie ist eine Glück bringende Münze in den Rumpf des Neubaus eingelegt worden.Foto: Die Seenotretter - DGzRSIn einer kleinen traditionellen Zeremonie ist eine Glück bringende Münze in den Rumpf des Neubaus eingelegt worden.

Auf dem Prüfstand

Bevor das SRB in Serie gehen kann, ist in den kommenden Monaten unter anderem – wie für alle Seenotrettungseinheiten vorgeschrieben – ein Kenterversuch geplant. Dabei wird geprüft, ob sich das Boot nach einer Kenterung selbstständig wieder aufrichtet. Anschließend ist eine ausgedehnte Erprobungsphase auf verschiedenen Stationen in Nord- und Ostsee vorgesehen. Erst nach erfolgreichen Tests wird über den Bau einer Serie entschieden. Wie alle Einheiten der DGzRS wird auch das SRB 90 ausschließlich durch freiwillige Spenden finanziert. Staatliche Mittel erhält die Organisation nicht. Der Neubau steht somit exemplarisch für die kontinuierliche Modernisierung der Rettungsflotte getragen von privaten Unterstützern. Mit dem SRB 90 entsteht möglicherweise der künftige Standard für die kleineren, flexibel einsetzbaren Seenotrettungseinheiten an deutschen Küsten.


Jill Grigoleit

Jill Grigoleit

Redakteurin Reise

Jill Grigoleit lebte zehn Jahre mit ihrer Familie auf einem Hausboot im eigenen Hafen südlich von Hamburg und schrieb ein Buch über den Hausbootbau und das Leben mit Kindern auf dem Wasser. Seit 2020 schreibt sie vor allem Reisereportagen und Revierporträts für YACHT und BOOTE und konnte damit ihre zwei großen Leidenschaften zum Beruf machen: Reisen und darüber schreiben. Seit Januar 2024 gehört sie fest zum Team des Reiseressorts der Wassersportredaktion von Delius Klasing. Seither sammelt sie in den verschiedensten Regionen Reviertipps und Geschichten über Menschen, die am und auf dem Wasser leben - von der Mecklenburgischen Seenplatte über die bretonische Küste bis ins kanadische Ontario.

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