Bergung kann beginnenDie "Ethel von Brixham" soll am Wochenende gehoben werden!

Ursula Meer

 · 12.02.2026

Bergung kann beginnen: Die "Ethel von Brixham" soll am Wochenende gehoben werden!Foto: Freiwillige Feuerwehr Duhnen-Stickenbüttel.
Mitarbeiter der Freiwilligen Feuerwehr Duhnen-Stickenbüttel haben bereits am Freitag, 6. Februar, gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk und dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) einige hundert Liter Diesel aus dem havarierten Schiff geborgen.
​Nach knapp zwei Wochen auf dem Leitdamm vor Cuxhaven steht die Bergung der havarierten "Ethel von Brixham" bevor. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Elbe-Nordsee hat ein Fachunternehmen beauftragt, das mehr als 135 Jahre alte Traditionsschiff mit einem Schwimmkran zu heben. Die Aktion soll am kommenden Wochenende stattfinden.

Bergung am Wochenende geplant

Seit fast zwei Wochen bietet die havarierte "Ethel von Brixham" auf dem Leitdamm vor Cuxhaven einen traurigen Anblick. Lange war ungewiss, was mit ihr geschehen soll. Nun ist klar: der 135 Jahre alte Schoner soll geborgen werden.

Das WSA Elbe-Nordsee teilt mit: “Nach Klärung der juristischen Rahmenbedingungen wurde gestern im Zuge eines Vergabeverfahrens ein Fachunternehmen mit der Entfernung des Havaristen aus der Bundeswasserstraße beauftragt.” Schon am kommenden Wochenende soll die Bergung beginnen- Das Unternehmen wird dazu mit mehreren Spezialgeräten – darunter einem Schwimmkran sowie weiteren Hilfsschiffen – die "Ethel von Brixham" bergen und “zur weiteren Verwertung” an Land verbringen.

Das Bergungsunternehmen habe mit einem eng mit der Behörde abgestimmten Konzept überzeugt, so das WSA. Unter anderem soll Ölauffangtechnik zum Einsatz kommen, um auf einen möglichen Austritt von Schadstoffen reagieren zu können. Etwa 300 Liter Diesel konnten bereits in der vergangenen Woche aus einem der beiden Tanks gepumpt werden. Ein zweiter Tank konnte aufgrund der Schräglage aber nicht erreicht werden. Die “Ethel von Brixham” hat zwei Tanks mit je 1.000 Litern Fassungsvermögen; niemand weiß, wie viel Diesel und andere Schadstoffe sich noch an Bord befinden.

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Eventuelle Wrackteile, die sich während der Bergung vom schwer beschädigten Schiffskörper lösen könnten, sollen von den übrigen bereitstehenden Schiffen eingesammelt werden.

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Das WSA Elbe-Nordsee selbst wird die Bergungsarbeiten mit einem behördeneigenen Schiff begleiten. Die vorbeifahrende Schifffahrt wird während der Bergung gewarnt, um einen sicheren Ablauf zu gewährleisten. Die durch die Bergung entstehenden Kosten werden dem Eigner nach Abschluss der Maßnahme in Rechnung gestellt.

Dramatische Havarie am 31. Januar

Es sollte eine Überführungsfahrt von Brunsbüttel nach Den Helder werden. Doch am Samstag, 31. Januar 2026, gegen 12.15 Uhr lief die „Ethel von Brixham" bei Tonne 29 auf den Leitdamm vor Cuxhaven – rund 2,6 Kilometer vor der Kugelbake. Der Seenotrettungskreuzer der DGzRS-Station Cuxhaven rückte sofort aus, doch der Freischleppversuch mit dem flachgehenden Tochterboot scheiterte. Der 30 Meter lange Holzschoner saß zu fest auf den Steinen.

Da zunächst kein Wassereinbruch festgestellt wurde, wollten Crew und Seenotretter das nächste Hochwasser gegen Mitternacht abwarten. Mit auflaufendem Wasser verschärfte sich die Lage dramatisch. Gegen 21 Uhr meldete die Besatzung einen Wassereinbruch. Das Mehrzweckschiff „Neuwerk" des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes bot Unterstützung an. Als ein Arbeitsboot ein Crewmitglied und einen Hund abholte, zeigte sich das Ausmaß der Havarie: Der Kiel des 1890 gebauten Schoners wölbte sich bereits. Ein Auseinanderbrechen drohte. Als dann auch noch eine Lenzpumpe ausfiel, wurde die Crew vollständig evakuiert und sicher nach Cuxhaven gebracht. Bei minus drei Grad Lufttemperatur, zwei Grad Wassertemperatur und fünf Beaufort aus Südost wäre ein Verbleib an Bord lebensgefährlich gewesen.

Eigner ließ Frist verstreichen

In den folgenden Tagen setzte das WSA dem britischen Eigner eine Frist, ein Bergungskonzept vorzulegen. Diese Frist verstrich jedoch untätig. Der Eigner reichte kein Konzept ein und unternahm keine Bergungsversuche.

Währenddessen bot sich ein trauriges Bild: Ein über 130 Jahre altes Schiff lag auf der Seite, gezeichnet von Tide und Eis. Eiszapfen hingen von den Segeln und der Takelage. An der Backbordseite klafft ein großes Loch im Rumpf.

Kai Ewers, Pressesprecher des WSA Elbe-Nordsee, erklärte damals, der Havarist sei noch lagestabil und liege "sozusagen hoch und trocken", was an der Ostwindlage liege. Sollte sich das ändern, könnte das Schiff bei erhöhten Wasserständen in die Fahrrinne treiben und zur Gefahr für die Schifffahrt werden.

Ein Schiff mit bewegter Geschichte

Die "Ethel von Brixham" blickt auf 135 bewegte Jahre zurück. 1890 in Südengland vom Stapel gelaufen, war sie ursprünglich für die harte Fischerei unter Segeln zwischen Nordmeer und Biskaya ausgelegt. In den 1920er-Jahren kam sie nach Norwegen, wo sie als Fischerei- und Frachtschiff eingesetzt wurde. 1981 wurde sie nach Deutschland überführt und zum Stagsegelschoner umgeriggt, 2011 erhielt sie wieder ihre charakteristische Gaffelschoner-Takelage.

Von 1996 bis 2025 gehörte die "Ethel" dem Kieler Gerhard Bialek, der für sie seine Karriere in der Automobilindustrie aufgab. Mit ihrem markanten roten Rumpf lag sie jahrzehntelang an der Blücherbrücke und wurde zum festen Bestandteil der Kieler Traditionsschiffsflotte. 2023 spielte sie die Hauptrolle im Guy-Ritchie-Kriegsfilm "The Ministry of Ungentlemanly Warfare". Doch steigende gesetzliche Anforderungen zwangen Bialek 2024 zum Verkauf. "Was jetzt passiert ist, ist ein Schock für mich", sagte er zu den jüngsten Ereignissen.

​Im August 2025 hat der 69-jährige den hölzernen Schoner für einen symbolischen Euro an einen neuen Eigner gegeben, „dem ich sehr viel zugetraut habe“, erzählt Bialek. Seine größte Sorge – dass die "Ethel" verschrottet werden müsste – schien sich zunächst aufgelöst zu haben. Doch schon Ende 2025 fand die „Ethel“ erneut einen neuen Eigentümer, einen jungen Briten. Er wollte sie in ihre alte Heimat zurückbringen. Auf der geplanten Etappe der Überführungsfahrt von Cuxhaven nach Den Helder ereignete sich dann die erneute und nun möglicherweise finale Havarie.

Ungewisse Zukunft

Was mit dem historischen Schoner nach der Bergung geschieht, ist offen. Die Pressemitteilung spricht von "weiterer Verwertung" – ein Begriff, der wenig Hoffnung auf eine Restaurierung lässt. Die durch die Bergung entstehenden Kosten werden dem Eigner in Rechnung gestellt, was das ohnehin ambitionierte Restaurierungsprojekt des jungen Briten zusätzlich erschweren dürfte.

Nach 135 Jahren auf See könnte die Geschichte der "Ethel von Brixham" damit zu Ende gehen – nicht in ihrem Heimathafen Brixham, sondern auf einem Verschrottungsplatz an der deutschen Nordseeküste.

„Um diese Jahreszeit den sicheren Hafen von Cuxhaven zu verlassen, um diese eigentlich einfache Überführung nach Lowestoft fortzusetzen, war eigentlich idiotisch“, stellt denn auch der langjährige Eigner des einst stolzen Schoners Bialek klar und ergänzt: „Und so ist es leider dann auch jetzt gekommen, dass die „Ethel von Brixham“ wahrscheinlich ihr Grab vor Cuxhaven an der Kugelbake gefunden hat.”

Ursula Meer

Ursula Meer

Redakteurin Panorama und Reise

Ursula Meer ist Redakteurin für Reisen, News und Panorama. Sie schreibt Segler-Porträts, Reportagen von Booten, Küsten & Meer und berichtet über Seenot und Sicherheit an Bord. Die Schönheit der Ostsee und ihrer Landschaften, erfahren auf langen Sommertörns, beschrieb sie im Bildband „Mare Balticum“. Ihr Fokus liegt jedoch auf Gezeitenrevieren, besonders der Nordsee und dem Wattenmeer, ihrem Heimatrevier.

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