alle NewsTragödie vor Australiens Ostküste

Mathias Müller

 · 17.09.2002

alle News: Tragödie vor Australiens Ostküste

Wahrscheinlich vier Tote bei Kenterung. Eine Leiche bereits gefunden

42 Seemeilen vom australischen Hafen Port Stephens entfernt kam es Montag Nacht zum wahrscheinlich schlimmsten Unfall, den der australische Segelsport seit der Katastrophe beim Sydney-Hobart-Rennen 1998 erlebte.

In drei Meter hohen Wellen verlor die 15 Meter lange Race-Yacht "Excalibur“ völlig überraschend den Kiel. Die Yacht kenterte binnen Sekunden. "Wir ritten gerade eine Welle ab, als urplötzlich der Kiel abbrach“, schildert Crewmitglied John Rogers die Ursache der Katastrophe. Ihm selbst gelang es, sich von seinem Lifebelt loszuschneiden.

Nach dem Auftauchen sah er seinen Kameraden Brian McDermott, ebenfalls im Wasser. Alle Rufe nach den anderen Crewmitgliedern und Versuche, noch jemanden zu finden, seien jedoch vergeblich gewesen. Die beiden retteten sich in die hochmoderne, zehn Personen Platz bietende Rettungsinsel der Yacht und gaben ein Notsignal ab. Sie banden sich zusammen und schlugen die Beine umeinander, um die Körpertemperatur so gut wie möglich zu konservieren. Nach über sechs Stunden im eiskalten Wasser, bei 40 Knoten Wind und hohem Wellengang, wurden sie von einem Schweizer Frachtschiff gefunden und aufgenommen.

Am Dienstag fanden Sicherheitskräfte die Leiche des 51 Jahre alten Crewmitglieds Christopher Heyes. Peter McLoyd, 51, Tracey Luke, 32, und Anne Marie Pope, 30, werden noch vermisst. Die Wahrscheinlichkeit, dass die drei lebend geborgen werden, sinkt mit jeder Minute. Alle waren erfahrene Segler und hatten schon viele Törns miteinander bestritten.

Völlig verzweifelt zeigte sich der Eigner der "Excalibur“, Alan Saunders, als er von der Nachricht hörte. "Es war ein Stahlboot, in der Absicht gebaut, unzerstörbar zu sein“, sagte der Geschäftsmann. Vielleicht, so Saunders, sei es mit einem Schiffscontainer kollidiert. Er selbst hatte nur aufgrund eines dazwischengekommenen Termins nicht an der Überführungsfahrt von den Whitsunday Islands (Queensland) nach Melbourne teilgenommen. Erst vor vier Monaten war das eine Million australische Dollar teure Schiff vom Stapel gelaufen.

Zehn Helikopter und sieben Schiffe sind weiterhin in die Suche nach den vermissten Crewmitgliedern involviert. Die Flaggen des Clubs Royal Melbourne Yacht Squadron, dem die meisten Segler auf der "Excalibur“ angehörten, wurden auf Halbmast gesetzt. Commodore Peter Chapman zeigte sich erschüttert, wollte die Hoffnung aber noch nicht aufgeben: "Es besteht immer ein Funken Zuversicht, solange keine Leiche gefunden ist.“

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